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8.Juni 04:  

 "Wer sind FreizeitbegleiterInnen? Was können sie?

Wen unterstützen sie?“

Gäste:

Frau Elisabeth Dimminger, Miteinander Ges.m.B.H., LehrgangsleiterIn

Frau Ulrike Kuthy,LehrgangsteilnehmerIn

Herr Niki Prasek, Betroffener Experte

Herr Peter Schneeweis, Persönl. Assistenz über Integration Wien

Moderation: Irmgard Kampas, Sendungsverantwortung: Katharina Zabransky

Das Team:  Am Ende der DGG

 

Irmgard Kampas (Moderatorin):

Herzlich willkommen aus dem Funkhaus zu einer weiteren Sendung aus der Reihe Diskussion gehört gelesen, Radio mit Untertiteln sagt Ihnen Irmgard Kampas. Diesmal das Thema der Sendung: Freizeitbegleitung. Freizeit ist durchaus positiv konnotiert, Freizeit ist freie Zeit, grenzt sich ab zur Arbeitszeit. Ist eine Zeit, über die ich selbst verfügen kann, durchaus mit Spaß verbunden, immer mit Freude. Kann auch etwas Lustvolles sein. Wie aber können auch behinderte Menschen ihre Freizeit wunschgerecht gestalten, das hören wir nach der Musikeinspielung.

Trailer :

Diskussion gehört gelesen - Radio mit Untertiteln wird gemeinsam von Freak-Radio und dem ORF Radio 1476 sowie der  Selbstbestimmt Leben Initiative Wien im Rahmen des Equal-Projektes QSI Qualitätssicherung in der Integrationsarbeit gestaltet. Diskussion gehört gelesen ist als barrierefreies Medium  zu hören unter  http://1476.orf.at und zu lesen unter www.qsi.at/diskussion.

Zur Wiederholung http:// 1476.orf.at und zu lesen unter www.qsi.at/diskussion.

Irmgard Kampas (Moderatorin):

Hier mit mir gemeinsam im Studio sitzen meine 4 Gäste, getrennt durch ein Glas vom Technikraum, wo für uns ein Techniker ist und, was heute wieder besonders ist, 3 Transkriptoren, die für gehörlose Menschen gesprochene Sprache niederschreiben, die auch im Internet nachzulesen ist, sitzen.

Freizeit. -Freizeit ist freie Zeit, eine Zeit, über die ich selbst verfügen kann, wo ich machen kann, was mir gefällt. Es ist aber auch nicht nur eine Zeit, in der ich mich erfreuen kann, sonder Freizeit dient auch zur Persönlichkeitsentwicklung und zur kreativen Entfaltung eines Menschen. Behinderte Menschen haben natürlich Erschwernisse in ihrer Freizeitgestaltung. Meistens aus Mobilitätsgründen, sie benötigen Unterstützung und Begleitung. Sehr viele von ihnen sind immer noch auf Angehörige angewiesen, die Zeit haben, sie zu begleiten. Um dieses Manko etwas auszugleichen, wurde jetzt im Rahmen des Equal-Projektes QSI in Linz ein Pilotlehrgang ins Leben gerufen, der Integrationsfachkräfte für individuelle Hilfen und familienentlastende Dienste anbietet. Ich habe hier im Studio dazu Frau Elisabeth Dimminger. Sie ist Projektleiterin dieses Lehrganges und sie kann uns jetzt über die Zielsetzung dieses Lehrganges mehr erzählen.

Elisabeth Dimminger:

Ja hallo, guten Abend. Die Zielsetzung von diesem QSI-Lehrgang, den wir in der Kurzfassung immer Lehrgang für Freizeitbegleiterinnen und Freizeitbegleiter nennen, ist auf einen Punkt gebracht die, dass Männer und Frauen ausgebildet werden, die behinderte Menschen in ihrer Freizeit begleiten, das notwendige Rüstzeug dazu erhalten.

Irmgard Kampas (Moderatorin):

Wie kam es zur Entstehung des Lehrganges?

Elisabeth Dimminger:

Zur Entstehung des Lehrganges kam es, weil eben, wie schon angesprochen, der Bereich Freizeit ein sehr wichtiger Bereich in jedem Menschenleben ist. Auch im Leben klarerweise von Menschen mit Behinderungen und hier eine Qualifikation anzubieten, dass auch professionellen Begleiter und Begleiterinnen zur Verfügung stehen, behinderte Menschen dabei zu unterstützen, ihre Freizeit soweit es geht, selbstbestimmt zu gestalten.

Irmgard Kampas (Moderatorin):

Frau Ulrike Kuthy ist Teilnehmerin dieses Lehrgangs. Der Lehrgang ist ja fast schon am Ende. Er endet im September. War ein dreisemestriger Lehrgang. Frau Ulrike Kuthy, was hat Sie entschlossen, an diesem Lehrgang teilzunehmen?

Ulrike Kuthy:

Guten Abend. Ich bin Künstlerin, Kunsttherapeutin, Gartengestalterin und wollte meinen Beruf eigentlich erweitern, sodass man auch im Urlaub und in der Freizeit durchaus künstlerisch tätig sein kann, auch ein bisschen aktiv sein kann, so wie die Leute halt möchten. Aber dass das eine Möglichkeit ist, das auch einfließen zu lassen.

Irmgard Kampas (Moderatorin):

Der Lehrgang umfasst ja 12 Module. Was wird denn in diesen 12 Modulen vermittelt?

Elisabeth Dimminger:

Es gilt so genannte Grundbausteine im Lehrgang, die in allen QSI- Pilotlehrgängen gleich waren. Ich nenne z.B. nur 2 davon. Einer hat sich beschäftigt mit Theorien, Methoden und Ansätzen integrativer Arbeit. Ein Baustein hat sich beschäftigt mit gesellschaftlichen Perspektiven, Stichwort „von der Aussonderung zur Integration“, und dann gibt es eben Spezialbausteine, insbesondere in unserem Lehrgang hin auf den Bereich der Freizeit, wo es in – ich nenne wieder 2 Beispiele – in einem Modul geht um Bedürfnisse erkennen, grundsätzlich einmal zu Fragen, wie es möglich wird, unterschiedliche Bedürfnisse wahrzunehmen und ein anderes Modul beschäftigt sich dann ganz konkret mir dem Bereich Freizeit und Bildung auch mit der Klärung von Grundbegriffen oder den Erwartungen an ein Freizeitangebot. Und welche Rolle auch dabei der oder die FreizeitbegleiterIn hat.

Irmgard Kampas (Moderatorin):

Frau Kuthy, wie verstehen Sie Ihre Rolle als Freizeitbegleiterin?

Ulrike Kuthy:

Es ist zunächst einmal ein Suchen, was der betreffende Mensch eigentlich möchte in seiner Freizeit. Das ist ja von vornherein ja nicht unbedingt klar. Dass man das einmal ein bisschen herausfindet, abtastet, in welche Richtung das eigentlich gehen könnte. Dass man sich auf den Weg macht, das einmal herauszufinden gemeinsam. Und dann wo und wie kann man das umsetzen. Dass man da auch etwas findet, dass man dem gerecht werden kann, was sich der oder diejenige wünscht.

Irmgard Kampas (Moderatorin):

Das heißt, Sie sind vorwiegend auch mit der Informationsvermittlung beschäftigt und mit der Klärung der Bedürfnisse, wonach behinderte Menschen selbst aktiv werden können, ihre Freizeit zu gestalten. Und nicht darauf warten, passiv etwas serviert zu bekommen.

Ulrike Kuthy:

Ja, natürlich. Es soll ja jeder seine Freizeit und seinen Urlaub so gestalten können, wie er möchte. Das soll ja auch zur Erholung und zur Freude dienen und nicht eine vorgesetzte Sache sein.

Irmgard Kampas (Moderatorin):

Und in welchen Bereichen sehen Sie dann Ihren Einsatzbereich als Freizeitbegleiterin?

Ulrike Kuthy:

Eigentlich überall. Also ich persönlich möchte das natürlich gerne mit dem Künstlerischen verbinden, aber an und für sich überall. Das ist nicht eingeschränkt, weil jeder wo anders Bedürfnisse hat und etwas anderes möchte.

Irmgard Kampas (Moderatorin):

Also es ist eine sehr bedürfnisorientierte, personenbezogene Ausbildung. Sehen Sie Ihr Aufgabengebiet mehr als ein pädagogisches oder doch eher nur wirklich mehr als ein assistenzleistendes, unterstützendes?

Ulrike Kuthy:

Also pädagogisch eigentlich nicht, wobei immer wieder mit Kindern zu tun hat, wo dann etwas einfließt in diese Richtung. An und für sich ist es eigentlich keine pädagogische Angelegenheit sondern eine zwischenmenschlich, nicht?

Irmgard Kampas (Moderatorin):

Frau Dimminger, ich würde gerne von Ihnen wissen, wie Sie die Rolle des Freizeitbegleiters definieren im Gegensatz zur persönlichen Assistenz. Wo kann man da die Grenze ziehen? Fließt da das eine in das andere über? Leistet ein Freizeitbegleiter auch persönliche Assistenz?

Elisabeth Dimminger:

Da haben wir uns heute noch vor der Sendung ausgetauscht, weil das Profil für mich – ich bin jetzt im Mai eingestiegen in diesen Projektleitungsjob – nicht ganz klar abgegrenzt war und ich persönlich glaube, dass es im Bedarfsfall wahrscheinlich, wenn es eine Aktivität ist über mehrere Tage hinweg einen behinderten Menschen in seiner Freizeit zu unterstützen, wahrscheinlich auch Elemente einer persönlichen Assistenz dabei sein werden. Aber der Schwerpunkt liegt mit Sicherheit jetzt von der Intention her definitiv auf dem Bereich Freizeit und hier unterstützend dabei zu sein, dass jemand selbstbestimmt seine Freizeit nach seinen persönlichen Wünschen und Bedürfnissen entsprechend gestalten kann.

Irmgard Kampas (Moderatorin):

Nach welchen Kriterien werden die Referenten des Lehrganges ausgewählt? Es sind das ja in der Selbstbestimmt Leben Initiative immer heißt, dass natürlich auch nur selbst Betroffene über ihre eigenen Dinge sprechen können, ist es ja ganz wichtig auch betroffene Referenten einzubinden?

Elisabeth Dimminger:

Ja, das stimmt. Das ist auch ein Grundsatz von QSI generell. Es geht um einerseits gender mainstreaming und andererseits auch um den sogenannten Betroffenenmainstream und wo es beim Suchen der Referentinnen und Referenten auch darum ging, ReferentInnen zu finden, die in irgendeiner Weise selbst von Behinderung betroffen sind. Im Lehrgang für die Freizeitbegleitung hat es auch – mir fällt jetzt ein z.B. der Wolfgang Glaser – einen Rollstuhlfahrer gegeben, der zum Thema Kommunikation das Modul vorgetragen hat.

Irmgard Kampas (Moderatorin):

Es gibt 9 Teilnehmer und Teilnehmerinnen am Lehrgang, die nicht alle aus einem Ort kommen. Es gibt eine Teilnehmerin, Frau Kuthy aus Wien, einen Teilnehmer aus Tirol und die anderen Teilnehmer sind aus Linz. Der Pilotlehrgang wird in Linz abgehalten in der Gesellschaft MITEINANDER. Wie hat sich denn diese Gruppe der TeilnehmerInnen zusammengestellt?

Elisabeth Dimminger:

Wenn es ok ist, würde ich gerne diese Frage an die Ulrike Kuthy weitergeben, weil ich eben nicht – wie vorhin erwähnt – von Anfang an dabei war. Könntest du dazu etwas sagen, Ulrike?

Ulrike Kuthy:

Zusammengestellt -, jeder hat das auf seine Weise, ist ihm das begegnet, dass dieser Kurs überhaupt stattfindet. Und aus Tirol eben, die kommt herauf bis Linz, und ich fahre bis Linz hinunter und die anderen sind aus Oberösterreich. Es sind 8 Damen und ein Herr aus den verschiedensten Berufsgruppen. Da kann man eigentlich gar nichts sagen, sondern sie kommen aus den verschiedensten Richtungen, verschiedensten Berufsgruppen, verschiedenstes Alter, die sich halt aus Interesse dort gefunden haben.

Irmgard Kampas (Moderatorin):

Können Sie sagen, dass sie selbst auch schon einen Entwicklungsprozess während des Lehrgangs durchgemacht haben?

Ulrike Kuthy:

Ja, sicherlich. Also das hoffe ich doch.

Irmgard Kampas (Moderatorin):

Also damit meine ich, dass es ja auch ein Modul gibt, das auf dem systemischen Ansatz basiert, etwas an Selbsterfahrung und Zugang zu Behinderung einen anderen Weg gefunden haben.

Ulrike Kuthy:

Ja, das findet auf jeden Fall statt. Es gibt ja auch Praktikum, wo man auch in die praktische Arbeit hineingeht und es sind viele Referenten und Referentinnen auch gewesen, die selbst betroffen sind, sodass man da einen ganz anderen, natürlicheren Umgang damit auch automatisch lernt.

Irmgard Kampas (Moderatorin):

Wie sieht denn die rechtliche Lage aus? Ende September wird es ein Zertifikat für die Teilnehmer geben. Ist dieses Zertifikat schon anerkannt bzw. wie ist die rechtliche Lage, wenn die Freizeitbegleiter dann aktiv werden wollen, um Menschen mit Behinderungen zu unterstützen?

Elisabeth Dimminger:

Es ist jetzt keine Ausbildung, die in einer Ausbildungsinstitution angeboten wird. Der Lehrgang schließt mit einem Zertifikat, es kann als Zusatzqualifikation verstanden werden für Menschen, die mit behinderten Menschen arbeiten möchten. Es waren auch einige WiedereinsteigerInnen unter den TeilnehmerInnen dabei. Ja, es werden, nehm ich an, diesen Lehrgang Menschen dazu benutzen, um mit einem Plus an Qualifikation im Bereich Arbeit für Menschen mit Behinderung tätig sein zu wollen.

Irmgard Kampas (Moderatorin):

Jetzt möchte ich Nikolaus Prasek um sein Wort bitten. Nikolaus lebt mit einer Freizeitbegleitung, das heißt er lebt selbstständig in einer Wohnung und ist heute zu uns gekommen, mit Peter Schneeweis, seinem Freizeitbegleiter. Niki, was machen Sie in Ihrer Freizeit gemeinsam mit Peter?

Niki Prasek: ..Kaffeehäuser herumsitzen.

Irmgard Kampas (Moderatorin):

Also Sie haben mir ja auch erzählt, Sie spielen Musik, oder Sie singen in einer Band, da wird’s auch bald einen Auftritt geben.

Niki Prasek:

Ja, das stimmt. Ich hab jetzt am 2. Juli einen Auftritt, da gibt’s CD-Präsentation, ich bring jetzt eine Single raus, meine zweite schon und kommt sogar ein Film Team hin. Und Radio Orange kommt auch hin, da wird halt DVD gedruckt.

Irmgard Kampas (Moderatorin):

Ich hab Sie auch mitwirkend gesehen im Film „Blickbestimmung“. Hat Sie während der Dreharbeiten auch ihr Freizeitbegleiter unterstützt`

Niki Prasek:

Schon, ja. Da gibt’s Szenen also Ausschnitte von dem Film, die sind lustig. Die sind sehr lustig.

Irmgard Kampas (Moderatorin):

Herr Peter Schneeweis, ihr wirklicher, rechtlicher, Berufstitel ist momentan noch ambulanter Wohnbetreuer, wie lange arbeiten Sie schon mit Nikolaus zusammen?

Peter Schneeweis:

Ja hallo, schönen guten Abend, ich bin jetzt ziemlich genau 3 Jahre ambulanter Wohnbegleiter beim Niki Prasek, am Anfang war er in einer Wohngemeinschaft, wo behinderte und nicht behinderte Menschen gemeinsam gelebt haben, in einer 4rer WG und in der Zwischenzeit hat er das aber aufgelöst und er wohnt in einer eigenen Wohnung und jetzt begleit ich ihn dort.

Irmgard Kampas (Moderatorin): Und wie oft in der Woche besuchen Sie ihn, begleiten Sie ihn?

Peter Schneeweis:

Also im Schnitt 2 Mal in der Woche bin ich bei ihm.

Irmgard Kampas (Moderatorin):

Und wie sehen Sie Ihre Rolle? Verstehen Sie ihre Rolle wirklich als unterstützender Freizeitbegleiter oder haben Sie auch noch ein anderes Tätigkeitsfeld?

Peter Schneeweis:

Na ja, als unterstützender Freizeitbegleiter seh ich meine Rolle eigentlich nicht, weil meine Rolle beim Niki ist ambulanter Wohnbegleiter und wir müssen als erstes einmal unsere Aufgaben erledigen. Das ist einmal mein Hauptjob dort. Es ergibt sich recht oft, dass wir dann vielleicht noch Zeit haben, wenn wir alles erledigt haben und dann überlass ich’s dem Niki, was er nicht in dieser Zeit, die ich noch bei ihm bin machen möchte. Und vielleicht kommt da so ein bisschen ein Freizeitelement hinein.

Irmgard Kampas (Moderatorin):

Also das heißt, dass eigentlich die meiste Zeit mit der so genannten Grundversorgung drauf geht, mit dem Alltagsleben, das ja oft sehr viel Energie kostet, weil das Tempo von behinderten Menschen ein anderes ist und dass für die Freizeitgestaltung dann doch sehr wenig Zeit bleibt.

Peter Schneeweis:

Nicht immer, es kommt darauf an, wie unsere Aufgaben.. Einmal ist es mehr, einmal ist es weniger Zeit, die dann noch bleibt, aber in erster Linie sind die Hauptaufgaben.

Irmgard Kampas (Moderatorin):

Herr Prasek, würden Sie gerne mehr Freizeit mit einem Begleiter verbringen, also wenn Sie mehr Zeit hätten, könnten Sie sich dann auch andere Aktivitäten vorstellen?

Niki Prasek:

Die ich mach?

Irmgard Kampas (Moderatorin): Die Sie machen könnten.

Niki Prasek:

Ich mach in der Woche wo ich bin immer sehr viel. Ich geh ins Aqua-Fitness und jetzt geh ich ins Fitness-Center auch immer am Freitag..

Irmgard Kampas (Moderatorin): Also das heißt, Sie haben ein sehr vielfältiges..

Niki Prasek:

Ja, ich hab ein sehr vielfältiges Programm, weil man muss bedenken, ich hab jede Woche einmal Bandprobe, da muss ich immer die Lieder einstudieren, das kostet auch immer ziemlich viel Kraft, wenn man sich da zwischendurch versingt oder die Saiten von dem Lied halt bei der Bassgitarre manchmal verstimmen sich, also es ist sehr viel Kraft, die Musik.

MUSIK

Irmgard Kampas (Moderatorin):

Sie hören die Sendung Freizeitbegleitung aus der Reihe Diskussion gehört gelesen. Frau Dimminger, ich würde Sie jetzt ersuchen, einfach noch weiter über den Lehrgang zu erzählen.-Wie Sie sich die Zukunft vorstellen, ob dieser Pilotlehrgang eine Fortsetzung finden könnte nach dem Ende im September.

Elisabeth Dimminger:

Das ist eine sehr spannende Frage, die Sie da aufwerfen, wir haben heute ein Treffen gehabt, wo es bereits um das nächste Modul geht, das nennt sich Aktivierung und Vernetzung, wo eben Überlegungen angestellt werden in welcher Form können alle 4 Pilotlehrgänge, die es gibt in der Weiterführung irgendwo lebendig bleiben und wie könnt das ausschauen, gibt’s hier Ausbildungen in Österreich, wo Teile davon übernommen werden könnten, das wird noch ein spannendes Thema werden, ob’s da eine Möglichkeit gibt.

Irmgard Kampas (Moderatorin):

Und was verstehen Sie unter Freizeitbegleitung? Also wie definieren Sie konkret Freizeitbegleitung?

Elisabeth Dimminger:

Na, wie die Ulrike Kuthy vorhin schon gesagt hat ist das ein sehr weites Feld, weil eben jeder Mensch ganz andere Interessen hat. Es geht darum, eben in der direkten Arbeit mit einem behinderten Menschen herauszufinden oder eben sich gut anzuhören, gut zuzuhören, was die konkreten Interessen sind und auf das einzugehen. Es lässt sich irgendwie hier kein klares, eng gefasstes Bild zeichnen. Aber vielleicht kann Ulrike Kuthy aus ihrer Praxiserfahrung dazu etwas sagen.

Irmgard Kampas (Moderatorin):

Ja, Frau Kuthy, Sie haben ja schon ein Praktikum absolviert, war das mit Jugendlichen, mit erwachsenen Menschen, wo genau haben Sie dieses Praktikum gemacht und wie waren Ihre Erfahrungen?

Ulrike Kuthy:

Das war in OÖ und in Wien, das waren Kinder und eine ältere Dame und zur Definition der Freizeit und Urlaubsbegleitung, wenn man das zu eng definiert, dann schneidet es zu viele Bereiche weg, die man jetzt vielleicht noch gar nicht weiß, die aber dazugehören, weil sich immer erst im Laufe der Tätigkeit herausstellt, was alles dazugehört, nicht.- Bei einer zu scharfen Definition glaubt dann vielleicht der eine oder andere: Aha, das was ich möchte gehört eigentlich nicht hinein. Das ist aber nicht so, weil es ein Bereich ist, der nicht festgelegt ist. Also das ist eine bewegliche Sache, die man einfach abtastet, wo man nicht sagen kann: Das gehört nicht hinein, das gehört nicht hinein. Für jemand gehört vielleicht dieses oder jenes hinein, was für jemand anderes sagt: Nein, in meiner Freizeit möchte ich das nicht. Aber jemand anderer möchte es. Also das ist wirklich ganz offen und sollte vielleicht auch nicht zu eng gefasst werden. Weil es wirklich jedem überlassen ist, wie er das gestaltet, wie er das haben möchte, was für Möglichkeiten jeder hat, ist ja auch eine finanzielle Frage und hängt von vielen anderen Dingen auch noch ab, ob es zu illusorisch ist, was man sich vorstellt, nicht, was man in Filmen sieht oder ähnliches, was gar nicht möglich ist umzusetzen, in die Wirklichkeit, also es geht auch immer irgend etwas, eine Idee, eine Vorstellung umzusetzen in die Wirklichkeit. Dass es wirklich werden kann. Und wie fühlt sich das dann für jeden an? Das empfindet auch jeder ganz anders.

Irmgard Kampas (Moderatorin):

Also Sie stellen uns da eine ganz eine neue Möglichkeit der Freizeitgestaltung für behinderte Menschen vor. Wurde vor dem Lehrgang eine Bedarfserhebung gemacht um den Lehrgang zu konzipieren?

Elisabeth Dimminger

Das wurde für alle 4 Pilotlehrgänge gemacht und zwar wurde angeschaut, welche Ausbildungen es österreichweit gibt und dann wurde überlegt, eben das integrative Element dazu, in welcher Form hier ein Bedarf besteht, eine Qualifikation anzubieten, dass integrative Arbeit einfließen kann. Eben konkret auch jetzt wenn wir hier über den Lehrgang der Freizeitbegleiter sprechen, es wird auch immer ganz stark auf die Haltung reflektiert in dieser Arbeit, dass es eben darum geht, als Freizeitbegleiterin so eine Haltung einzunehmen, dass es möglich ist, für den Mann oder die Frau oder den Jugendlichen, den ich begleite, selbstbestimmt seine Freizeit zu gestalten und wenn geht auch selbst zu organisieren und gestalten.

Irmgard Kampas (Moderatorin):

Wer äußert denn diesen Wunsch nach individueller Freizeitgestaltung, also wer bräuchte Freizeitbegleiter und Begleiterinnen?

Elisabeth Dimminger:

Na es kommt schon auch stark aus den Familiensystemen, zur Entlastung der Familie. Dass es einmal eine Möglichkeit gibt, mit Kindern, mit Jugendlichen jemand anderer etwas unternimmt und wo es auch für die Erweiterung des Bezugssystems eine zusätzliche Möglichkeit ist, sich zu sag ich einmal verselbstständigen, in das eigene Leben besser reinfinden zu können, wie es ja auch für Jugendliche wichtig ist, zum Beispiel in der Ablöse vom Elternhaus eigenes zu entwickeln, da bietet sich auch an durch z.B. eine Freizeitbegleiterin, einen Freizeitbegleiter unabhängig von Geschwistern, Familienangehörigen seinen eigenen Bereich zu gestalten.

Irmgard Kampas (Moderatorin):

Also das heißt die Aufgabe eines Freizeitbegleiters ist nicht nur die Begleitung sondern auch die Unterstützung zur Abnabelung vom Elternhaus, bzw. wenden sich auch Eltern an Sie, die nicht genügend Zeit haben, um Ihre Jugendlichen, Angehörigen in der Freizeit zu begleiten.

Elisabeth Dimminger:

Ich kann das jetzt zu wenig beurteilen, ob die Anfragen in erster Linie von Eltern und Angehörigen kommen oder von VertreterInnen von Institutionen oder von Personen wie beim Niki Prasek, der alleine lebt, dass er sich da jemanden sucht, vielleicht kann die Ulrike da berichten, wie Sie zu Ihren Praxispersonen gekommen ist.

Ulrike Kuthy:

Ja, die Anfrage kommt schon eigentlich mehr von Eltern insbesondere von Müttern aber bezieht sich nicht nur auf Jugendliche und Kinder, sondern durchaus auch erwachsene Menschen, die noch zu Hause leben und für die es eben auch sehr schön wäre, wenn sie eben nicht unbedingt jetzt mit der Familie, der sie eigentlich schon entwachsen sind, sondern eben selbstständig etwas zu unternehmen. Also es ist schon oder auch einfach eine Überlastung im Elternhaus, weil die Eltern werden älter, nicht? Und das Kind wird irgendwann einmal dann 20, 30, 40, 50 und es ist für die Eltern dann oft auch einfach nicht mehr leistbar, auf Urlaub zu fahren, Freizeit zu gestalten, in Lokale zu gehen oder was auch immer.

Irmgard Kampas (Moderatorin):

Herr Schneeweis, Sie sind ja ein Mann der Praxis, wer sind denn Ihre Auftraggeber? Also z.B. im Fall von Herr Prasek, hat sich Herr Prasek selbst an Sie gewandt?

Peter Schneeweis:

Nein, das ist über die Integration Wien gegangen. Ich wurde kontaktiert von einer ehemaligen Mitarbeiterin von Integration Wien, weil damals gerade ein männlicher Betreuer gesucht wurde und so bin ich zur Integration Wien gekommen.

Halbzeit   Zum Anfang der Seite

Irmgard Kampas (Moderatorin): Wie viele Menschen betreuen Sie gleichzeitig?

Peter Schneeweis:

Also im Augenblick betreu ich 2 Menschen gleichzeitig. Für Integration Wien, den Niki Prasek und als Job-Coach für Wiener Integrationsnetzwerk den Herrn Lammatsch. Das endet aber jetzt demnächst.

Irmgard Kampas (Moderatorin):

Und wie sehen Sie die Selbstbestimmung im Rahmen Ihrer begleitenden Tätigkeit?

Peter Schneeweis:

Ja, ich versuch halt den Niki möglichst viel selbst bestimmen zu lassen und ihm eben nicht irgendwas anzubieten oder vorzukauen, egal um was es geht. Ob es darum geht, was wir kochen, was wir machen. Ich versuch sehr viel den Klienten, in dem Fall den Niki, selbst entscheiden zu lassen.

Irmgard Kampas (Moderatorin):

Herr Prasek, konnten Sie sich Peter als Begleiter selbst wählen? Also wie ist das abgelaufen? Wie Sie in Ihre Wohnung gezogen sind, was ist da passiert? Weg von der Wohngemeinschaft in die eigene Wohnung..

Niki Prasek:

Na ja,

Irmgard Kampas (Moderatorin):

Weg von der Wohngemeinschaft in die eigene Wohnung.

Niki Prasek:

Na ja.

Irmgard Kampas (Moderatorin):

Wie war dieser Weg?

Niki Prasek:

Gekannt hab ich ihn ja eigentlich schon wie er in der WG war. Also wie ich in der WG war. Weil ich die WG ja damals auch selber gegründet hab. Die kaputt gegangen ist. Damals hat er mich auch schon ein bisschen betreut, sozusagen.

Peter Schneeweis:

Wir kennen uns schon vor der Zeit, wo er in eine eigene Wohnung gezogen ist.

Irmgard Kampas (Moderatorin):

Und da besteht schon ein sehr großes Vertrauensverhältnis kann man sagen, wenn der Peter dann aus der WG sozusagen als Begleiter mitgenommen wird.

Niki Prasek:

Schon, ja. Eigentlich schon.

Elisabeth Dimminger:

Ich würd den Herrn Prasek gern fragen: Wenn er wissen würde, angenommen es würd ein Angebot geben jetzt so im Vergleich, das ist Freizeitbegleiterinnen, Freizeitbegleiter gibt, wären Sie auf die Idee gekommen, würden Sie auf die Idee kommen, sich dafür zu interessieren?

Niki Prasek:

Zwischen weiblich und männlich jetzt oder was?

Ulrike Kuthy:

Nein, jetzt nicht zwischen weiblich und männlich sondern als Dienstleistung sozusagen, die Sie in Anspruch nehmen können.

Niki Prasek:

Also eine Frau als Freizeitbegleitung.

Ulrike Kuthy:

Oder einen Mann.

Niki Prasek:

Na ja, das ist halt sehr schwer für mich, weil ich komm mit Männern besser aus, finde ich, als mit Frauen. Mit Frauen hab ich sehr viel Streit.

Elisabeth Dimminger: 

Wenn Sie sich einen männlichen Freizeitbegleiter vorstellen, mich würde interessieren wenn es grundsätzlich dieses Angebot gibt, so, ob Sie auf die Idee kommen würden, das in Anspruch zu nehmen?

Niki Prasek:

Das tät ich in Anspruch nehmen, kommt drauf an auch wie er drauf ist, ob er mir gefällt auch. Also ob er jetzt locker ist oder hart, das kommt ganz drauf an.

Elisabeth Dimminger:

Also die Chemie zwischen euch passt?

Niki Prasek:

Ja.

Ulrike Kuthy:

Das ist ja auch immer ein Moment, auf das man sehr achten muss in der Freizeitbegleitung oder in der persönlichen Assistenz ja genauso, ob die beiden zusammen passen, nicht? Es ist ja nichts schrecklicher, als einen Urlaub verbringen zu müssen mit jemand, mit dem man sich überhaupt nicht versteht. Also da muss man auch immer irgendwie schauen, ob die beiden zusammenpassen, ob man zu dem passt, ob der zu einem passt und ob der einen auch will. Es muss schon auch eine Willensäußerung kommen, dass man sagt: Ja, mit dem oder der könnt ich mir das gut vorstellen.

Irmgard Kampas (Moderatorin):

Ich würde noch gerne auf das Spannungsfeld Betreuer, Begleiter und persönlicher Assistent zurückkommen und die hier Anwesenden fragen, was Sie darunter verstehen? Also ob Sie da wirklich eine Vermischung aller Tätigkeiten sehen, würden Sie gerne diese Aufgabenbereiche getrennt haben?

Niki Prasek:

Getrennt? Ich find, wenn man eine Freizeitbegleitung machen soll, dann find ich sollte man auch verschiedenes machen, also man sollte z.B. so wies ich mache eben wie ich schon gesagt hab Leute was lernen, was sie noch nicht können, z.B. so wie Musik und so, weil das sind so neue Sachen, die sie dann kennen lernen.

Irmgard Kampas (Moderatorin):

Und Herr Prasek, hätten Sie gerne einen Betreuer, z.B. für Kochen und für Alltagstätigkeiten, die gemacht werden müssen und einen anderen Begleiter für die Freizeitaktivitäten, Musik spielen gehen, ins Kaffeehaus gehen oder ist es Ihnen lieb und angenehm, dass alles eine Person sozusagen macht. Was bevorzugen Sie?

Niki Prasek:

Ich häng gern mit verschiedenen Leuten zusammen.

Irmgard Kampas (Moderatorin):

Ja, Frau Kuthy, wie empfinden Sie dieses Spannungsfeld?

Ulrike Kuthy:

Ja, es hat sicherlich etwas auf sich, wenn man mit verschiedenen Menschen zu tun hat, weil jeder in einem anderen Kreis drinnen steht. Das ist auch dieses Integrationsmoment, jeder hat wo anders Zugang, vom integrativen..     

MUSIK                               

Irmgard Kampas (Moderatorin):

Sie hören Radio 1476. Wir haben in der Zwischenzeit Hörermails hereinbekommen, die verantwortliche Redakteurin wird sie jetzt lesen.

Katharina Zabransky:

Zuerst ein Mail von Norbert Müller aus Deutschland: „Was kommt nach dem Kurs? Werden die Teilnehmer, Teilnehmerinnen aus dem ihrem gelernten einen Beruf machen. Haupt oder Nebenberuf? Wer muss dann wie viel für die Freizeitbegleitung zahlen?“

Elisabeth Dimminger:

Ja, das ist vorher schon angesprochen worden, dass es eben im Ausbildungssystem eine Zusatzqualifikation ist, die angeboten wird. Ja, eine Freizeitbegleiterin kann das anbieten, von sich aus oder im Rahmen einer Institution bezahlen. So wie ich das jetzt zurzeit einschätze, dass das nicht abgedeckt ist durch Pflegegelder, sondern aus der persönlichen Tasche der Betroffenen geleistet werden wird müssen.

Katharina Zabransky:

Und das zweite Mail war von Edi Scheibel aus Ebensee in OÖ. „Wir und damit mein ich unseren Verein und die Projektgruppe No-Limits der Berg- und Wassersportunion Salzkammergut können vielfältige Aktivitäten anbieten, wir haben eine Helferbörse eingerichtet. Im Grunde genommen bieten wir keine Freizeitbegleitung für Menschen mit Behinderungen an, sondern Unterstützung bei der Teilnahme an unseren Aktivitäten und bei Wanderungen auf unserem Hausberg, dem Feuerkogel. Alles was unter persönliche Assistenz fällt, bieten wir nicht an.“ Schreibt er.

Irmgard Kampas (Moderatorin):

Also hier sieht man dann sehr gut die Trennung zwischen unterstützender Begleitung und persönlicher Assistenz, das heißt Dienste wie Essen verabreichen, Toilettengang oder Menschen, die speziellere Präsenz brauchen, kann rechtlich dann von seinen ehrenamtlichen Begleitern dann nicht abgedeckt werden.

Katharina Zabransky:

Es gibt hier noch ein drittes Mail: „Wie kann man sich das praktisch vorstellen, ist ein Freizeitbegleiter wie ein Reiseführer, soll man den Freizeitbegleiter im Reisebüro buchen? Wo krieg ich ihn her?“

Irmgard Kampas (Moderatorin):

Herr Prasek, sie planen ja einen Sommerurlaub, könnten Sie uns sagen in der Praxis wie sie da vorgeplant haben, was sie organisieren müssen, wie wird das stattfinden, wie wird das ablaufen?

Niki Prasek:

Wie wird das ablaufen? Meine Mutter hat eigentlich angerufen und gemeldet haben sich eine Studentin und ein Student, zuerst haben wir natürlich mit dem Studenten gesprochen, der war zwar ein bisschen drüber aber den haben wir dann doch nicht genommen und geworden ist es die Studentin, weil wir uns gedacht haben dass die irgendwie lockerer drauf ist.

Irmgard Kampas (Moderatorin):

Und wohin werden Sie fahren, wie viel Wochen sind Sie weg und welchen Dienst wird diese Stundentin übernehmen?

Niki Prasek:

2 Wochen. Die Stundentin wird den Dienst übernehmen, auf mich aufzupassen, dass mir halt nichts passiert, dass ich nicht einen Unfall hab oder so, dass ich nicht irgendwo runterflieg und mir einen Fuss brech. Sie ist für alles verantwortlich, z.B. dass ich nicht auf das Meer rausgetrieben werde, von den Wellen. Auf solche Sachen muss sie achten und so.

Irmgard Kampas (Moderatorin):

Wieviel Zeit werden Sie gemeinsam mit der Studenten verbringen, während des Tages?

Niki Prasek:

Der Urlaub beträgt zwei Wochen.

Irmgard Kampas (Moderatorin):

Das heißt wirklich den ganzen Tag mit einander verbringen.

Niki Prasek: Ja, ausser Sie will einmal Abwechslung und alleine sein, dann mach natürlich ich was allein und sie was allein, sonst sind wir immer zusammen wahrscheinlich.

Irmgard Kampas (Moderatorin):

Wie gut kennen Sie diese Studentin schon? Weil wenn man auf Urlaub fahrt, ist es sehr wichtig, dass man sich wohl fühlt mit einander..

Niki Prasek: Umgekehrt, die Studentin kennt mich aus dem Beisl. Aus dem Türkenwirt.

Irmgard Kampas (Moderatorin):

Also so sehen wir, wie ein junger Mann seinen Urlaub auch selbstbestimmt gestalten kann, ohne mit Angehörigen fortfahren zu können.

Niki Prasek:

Die Wahrheit ist auch ein bisschen, ich will einmal weg von meiner Familie, weil ich das nicht aushalt, dauernd an meiner Familie zu kleben, wie ein Gummiring.

Irmgard Kampas (Moderatorin):

Also da kommen wir schon ein bisschen zur Zukunftsmusik, wenn wir das weiterspinnen dieser Pilotlehrgang Freizeitbegleitung, weil Freizeit ist ja nur ein Lebensbereich, es gibt ja auch noch andere Lebensbereiche, es gibt Arbeit, es gibt den Alltag, es gibt Zeitmanagement..

Niki Prasek: Es ist so, ich tu halt sehr viel mit meiner Mutter auch auf Urlaub fahren, wenn ich mit ihr auf Urlaub fahr und mein Großvater hat eben ein Haus in Strobel und da sind halt meistens mein Bruder, meine Schwägerin, ich, mein Ziehvater und meine Mutter und meine Neffen natürlich.Und da sind wir fast mindestens von früh bis am Abend zusammen. Außer es macht jeder was eigenes aber sonst sind wir immer zusammen, ja? Auch beim Familientreff und ich halt das einfach nicht mehr aus. Ich brauch einmal Abstand von meiner Mutter.

Irmgard Kampas (Moderatorin):

Gut, danke. Also man sieht schon, wie groß der Bedarf ist an Fachkräften für Freizeitbegleitung, unabhängig von Familie, Eltern, Angehörigen oder Partnern. Und ich möchte das jetzt wirklich zukunftsmäßig sehen, welchen Einfluss oder welche Bereiche… Dann aktiv zu werden, in der Freizeit, sein Leben in die Hand zu nehmen, seine Freizeit selbst zu gestalten, nicht mehr passiv einfach Angebote vorgesetzt zu bekommen. Einfach an Persönlichkeitsentwicklung und an kreativer Entfaltung einem Menschen bringen.

Niki Prasek:

Ja, das ist ein guter Anfang auch, ich wollt einmal probieren ob ich einmal alleine Urlaub machen kann mit jemand anderen. Also mit jemand, der mich zwar betreut im Urlaub aber auch dass ich einmal das schaff, alleine wie eine Erwachsener auf Urlaub zu fahren.

Irmgard Kampas (Moderatorin):

Frau Dimminger, wie stellen Sie sich die Zukunft des Lehrgangs vor bzw. der AbsolventInnen?`

Elisabeth Dimminger:

Na die Zukunft des Lehrgangs haben wir vorhin schon angesprochen und die AbsolventInnen vom Lehrgang, es wäre fein, wenn es die Möglichkeit geben würde, anzubieten für Menschen mit Behinderung Freizeitbegleitung, so wie Sie auch meinen, dass es wichtig ist, andere Bezugspersonen zu haben, als die eigene Familie, den eigenen engen Kreis und weil daraus schon in der Folge einfach auf alle anderen Lebensbereich es möglich wird, ich gehe jetzt einmal von mir aus, wenn ich erlebe, dass ich eine Unterstützung habe, die mich stärkt in meinen eigenen Vorstellungen, dass ich dann auch anfang, das zu übertragen. Dass ich mir dann viel schneller auch vielleicht überleg in meiner Familie oder in einer Institution oder beim Arbeitsplatz einfach mehr anzufangen, zu überlegen: Was will ich selber, was möchte ich selber. Diese Selbstbestimmung eben. Dass das so wie ein Stein, der ins Wasser fällt Kreise zieht.

Irmgard Kampas (Moderatorin): Ja, Peter Schneeweis, welche positiven Vorteile kann jetzt das Selbstmanagement der Freizeit bringen? Wie sehen Sie das aus Ihrer beruflichen Erfahrung?

Peter Schneeweis:

Das Selbstmanagement der Zeit?

Irmgard Kampas (Moderatorin):

Das Selbstmanagement der Freizeit, also selbst wirklich seine Freizeit in die Hand zu nehmen und nicht bei vorgegebenen Freizeitangeboten mitmachen. Nicht in einer Gruppe, sondern wenn man wirklich individuelle die Möglichkeit hat, mit einem Begleiter seine Freizeit zu gestalten und bewusst wunschgerecht die Zeit verbringen kann.

Peter Schneeweis:

Ja sehr gut, super, optimal, wenn das so funktioniert, ja, bin ich unbedingt dafür.

Irmgard Kampas (Moderatorin):

Und Frau Kuthy, wie stellen Sie sich eine mögliche Zukunft vor als Fachhilfskraft, vor allem da sie auch Kunsttherapeutin sind, befassen Sie sich ja auch mit Persönlichkeitsbildung und Entfaltung der Persönlichkeit. Wie könnten Sie sich da in Verbindung mit Ihrer Arbeit einbringen?

Ulrike Kuthy:

Ich denke schon, dass Urlaubsgestaltung und Freizeitgestaltung jetzt mit besonderer Betonung auf Gestaltung, wenn man das lernt, dass jeder das selbständig lernt zu ergreifen und sich seine Freizeit gestaltet… man weiß ja von vornherein gar nicht, ob einem das überhaupt nicht, ob einem das gefällt, was einem da einfällt. Sondern, wenn man wirklich versucht, das zu gestalten, dass man das positiv erleben kann, seine Freizeit und seinen Urlaub, dass das übergreift auf den gesamten Menschen, dass man überhaupt die Lust bekommt, sein Leben wirklich in die Hand zu nehmen, selbständig zu gestalten. Viele Dinge kann man eh nicht selber bestimmen, die werden einem ohnehin vorgesetzt. Oder in der Arbeit gibt es auch immer wieder Situationen, die nicht so optimal sind, aber dass man überhaupt einen Ansatz erwischt, von wo aus man da ausgeht. Und da möchte ich das Gestalterische, das kreative Moment besonders betonen, von dem aus man das Ganze in Angriff nehmen kann, um die Persönlichkeit zu stärken und selbständiger zu werden.

Irmgard Kampas (Moderatorin):

Warum ist es eigentlich nötig, behinderten Menschen dahingehend eine Unterstützung zu bieten, dass sie selbstbestimmter werden, dass sie ihre Bedürfnisse erkennen und auch aktiv in die Hand nehmen?

Ulrike Kuthy:

Das ist eigentlich ein Wunsch, der von der Seite der Menschen mit Behinderungen oft gekommen ist. Auch diese Organisation Selbstbestimmt Leben, weil es sehr institutionalisiert ist dieses Leben. Das ist einfach ein Wunsch, dass man das auch – und ich glaub der Freizeit und Urlaubsbereich bietet sich da auch sehr gut an, weil er ist noch nicht so besetzt und es hat auch nicht jemand anderer da einem unbedingt hineinzureden. Also als Ausgangspunkt zur Selbstbestimmung ist das vielleicht eine gute Möglichkeit.

Irmgard Kampas (Moderatorin):

Herr Peter Schneeweis, was denken Sie über die Methode, die jahrelange Methode der Fremdbestimmung?

Peter Schneeweis:

Jahrelange Methode der Fremdbestimmung. – Sagen wir so,wenn Sie darauf anspielen, dass die Eltern immer wieder als erster Ansprechpunkt oder letztendlich immer ein Wörtchen mitreden, dann glaube ich, wird sich das in Zukunft auch mit diesen, wenn wir diesen Stein ins Wasser werfen, schwer ändern. Selbst bestimmte Freizeit ja, aber letztlich muss das alles Hand in Hand gehen und kann nur funktionieren auch in Absprache der Erziehungsberechtigten, derVerantwortlichen wie z.B. den Eltern.

Irmgard Kampas (Moderatorin):

Der Lehrgang Freizeitbegleitung war ja nicht der einzige Lehrgang, sondern es gab ja auch Lehrgänge Schulbegleitung. Wie sieht denn da so die zukunftsdenkende Kooperation der Absolventinnen aller Lehrgänge aus.

Elisabeth Dimminger:

Ich glaub, dass das noch offen ist, wie ich vorhin schon gesagt hab, dass es jetzt darum geht zu überlegen, in welcher Form das erstens Lehrgänge oder Teile dieser Lehrgänge weiter bestehen können und was machen jetzt wirklich die AbsolventInnen damit. In Oberösterreich gibt es die SchulbegleiterInnen ja in den Schulsystemen. Das heißt die die haben ihren Platz. Das ist ganz klar eine Aufgabe. Und für die anderen Lehrgänge gibt es diese festen Jobnischen in dem Sinn nicht, das sind Teile in der Arbeit für Menschen mit Behinderung, die jetzt in diesem Pilotlehrgängen ein Schwerpunkt waren und wo die AbsolventInnen dieser Lehrgänge das mitnehmen können in die Berufe, die sie jetzt ausüben und ob daraus möglicherweise völlig Neues entsteht, denk ich, wird auch vom Bildungssystem abhängig sein. Da spielen viele Faktoren mit, wie sich das verselbständigen könnte, als Möglichkeit, eine Ausbildung zu machen und dann auch einen Job daraus abzuleiten.

Irmgard Kampas (Moderatorin):

Dann hoffen wir, dass das in der Zukunft möglich sein wird in Richtung Selbstbestimmung und besserer Lebensqualität für behinderte Menschen. Ich danke meinen Gästen fürs Kommen, ich verabschiede mich im Rahmen des gesamten Teams. Für die Technik: Udo Sommer. Die drei Transkriptoren, sendungsverantwortliche Redakteurin Katharina Zabransky und Moderation Irmgard Kampas.

MUSIK

Sie hörten eine Sendung aus der Reihe Diskussion gehört gelesen. Diskussion gehört gelesen ist eine Zusammenarbeit von Freak Radio, ORF Radio 1476 und der Equal Entwicklungspartnerschaft QSI Quality supported skills for integration. QSI wird gefördert aus den Mitteln des Europäischen Sozialfonds und des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit.

Herzlichen Dank für Ihr Interesse Irmgard Kampas


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Sie hörten eine Sendung der Diskussion gehört gelesen. Diskussion gehört gelesen ist
eine Kooperation von Freak Radio, dem ORF und Entwicklungspartnerschaft QSI.
QSI wird gefördert aus dem Mittel des ESF und des BMWA.

Danke für die Mitwirkung und die Teilnahme per Mail an alle im Internet und im Chat
Die Redaktion Diskussion Gehört Gelesen

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Im Namen der Redaktion Diskussion Gehört Gelesen
 

Auch herzlichen Dank unseren technischen Assistenten

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Das Team

bullet Redaktionsleitung:         Bernhard Hruska
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Studio Technik:             Udo Somma

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Moderation:                    Irmgard Kampas

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Sendeverantwortung:    Katharina Zabransky

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Edv-Technik:                 Michael Pfortner

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Transkription:               

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                                        Margit Schlesak

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                                        Maximilian Lasser

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Technische und persönliche

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Assistenz:                     Sokol Gashi

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                                        Sota Istrefi

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Stand: 16. Dezember 2004.