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9. März 04:  

" Wo bleiben eigentlich die Männer in Sozialberufen?"
Gäste: Heidrun Aigner, Kornelia Götzinger, Joseph Schönhuber, Peter Pluhar
Moderation: Katharina Zabransky

Das Team:  Am Ende der DGG

Willkommen zur heutigen live Diskussion von DGG
 
Sie hören eine Freak-Radio-Sendung der Reihe Diskussion gehört gelesen. Dieses Projekt ist eine Zusammenarbeit von SLI Wien als Entwicklungspartner des Equal-Projektes QSI - Quality supported skills for integration -, Freak Radio und dem ORF. Dieses Projekt wird gefördert aus Mitteln des europäischen Sozialfonds und des Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit.

 Katharina Zabransky (Moderatorin):

Hallo und guten Abend bei Freak Radio bei einer weiteren Ausgabe von Diskussion gehört gelesen. Heute zum Thema: Wo bleiben eigentlich die Männer in Sozialberufen? Wir beschränken uns aber eher auf den Behindertenbereich, der auch als Teil der Sozialberufe allgemein ein klassisch weibliches Berufsfeld ist.
Wie genau und warum das so ist, dem wollen wir mehr nachgehen. Ich möchte gleich am Anfang unsere Gäste vorstellen bzw. sie bitten sich selber vorzustellen. Frau Aigner, können Sie kurz sagen was Sie arbeiten und wie Sie zu dem Thema Frauen od. Männer im Sozialbereich stehen?

 Heidrun Aigner:

Guten Abend.Mein Name ist Heidrun Aigner. Ich bin Koordinatorin der  vier Lehrgänge im Equal Projekt QSI. Und ich bin zu dem Thema Frauen und Männer in der
 Behindertenarbeit gekommen, weil ich einen Lehrgang besucht habe, das feministische Grundstudium. Und ich habe meine Abschlussarbeit dort über Frauen und Männer in der Behindertenarbeit  geschrieben,.


 
Katharina Zabransky (Moderatorin):

Frau Götzinger, können Sie sich kurz vorstellen, bitte.


Kornelia Götzinger:

Mein Name ist Kornelia Götzinger, ich bin Behindertenbeauftragte auf der Universität Wien, bin selbst behindert und merke immer wieder, wie schwierig es ist, wenn Männer im Frauenbereich, im Behinderten-Frauenbereich tätig sind. Und habe voriges Jahr gemeinsam mit „Online“ mit Magister Monika Haider eine Studie gemacht zum Thema: Frausein barrierefrei, über die beruflichen und sonstigen Lebensbedingungen von behinderten Frauen.

 Peter Pluhar:
Ich  besuche zur Zeit den QSI-Lehrgang Familienberatung mit integrativem Schwerpunkt.


 Katharina Zabransky (Moderatorin):

Und jetzt Frage ich den Herrn Schönhofer, der am Telefon ist, hallo.


Josef Schönhofer:

Grüß Gott, ich heisse Josef Schönhofer. Ich bin bei der Arbeitsassistenz der Caritas Wien tätig. Ich bin verantwortlich. Also die Caritas, die Arbeitsassistenz Wien, ist da ein berufliches Integrationsbrett für Menschen mit Lernschwächen, Mehrfachbehinderungen und Körperbehinderungen.


 
Katharina Zabransky (Moderatorin):

Ein quasi auch Mitwirkender ( bei dieser Sendung) ist Kurt Schneider, selber Betroffener, also Rollstuhlfahrer, Sozialarbeiter und Psychotherapeut. Von ihm haben wir ein kleines Statement aufgenommen, das hören wir uns jetzt an.


 Kurt Schneider:

Gerade Sozialberufe erfordern viel inneres Engagement, viel Gefühl, viel Zähigkeit und
viel Feingefühl und da glaube ich, dass die Frauen den Männern weiter voraus sind. Gesellschaftlich glaube ich sehr wohl, dass es für Männer ein Machstrukturthema ist. Also dass das Sozialprestige, also das Cash, das zurückfließt, was ich gebe und was ich zurückkrieg, sind also die Schattenseiten die Frauen wesentlich genügsamer. Offenbar. Also Männer täten um das Geld, um das Frauen arbeiten, einfach lang nichts tun.


Interviewer (Gerhard Wagner):

Wie kann man denn den Männern Mut machen, dass sie sich doch öffnen für Sozialberufe, weil es gibt ja einen Bedarf dafür?


 Kurt Schneider:

Einfach einen Mut mehr sich auf Begegnungen einzulassen und auch zu wissen, wo dann die Grenzen sind, auf was ich mich einlassen kann und auf was ich mich nicht einlassen kann. Und Sozialberufe erfordern meiner Meinung nach oft mehr differenzierte Managementaufgaben, nicht nur vom Handling her, auch vom inneren Einlassen, vom Abgrenzen. Und der Mut, den Männer da aufbringen müssten, ist sich mehr auf differenzierte Begegnungen, einerseits mit dem Du und dem Ich einlassen, also dem, dem ich helfe und dem dem geholfen wird und möglicherweise auch in Kauf nehmen, dass ich nach außen hin gegenüber der Gesellschaft nicht so einen prestigeträchtigen Job habe, aber unter Umständen auf der anderen Seite durchaus, wenn ich mich ein Stück aufmachen kann, für mich als Mann durchaus ein persönlicher Gewinn sein kann.

  Katharina Zabransky (Moderatorin):

Okay, und ich möchte ein ganz kurzes Beispiel bringen zu der Frage, gibt es genug Männer im Behindertenbereich. Da habe ich heute telefoniert mit der Wiener Assistenzgenossenschaft, die bietet persönliche Assistenz an,für Menschen mit Behinderungen und da ist die Aufteilung der Kunden, das heißt der Assistenznehmer, die Assistenten durch die Assistenzgenossenschaft nehmen, ungefähr gleich. Ungefähr 50% Männer und 50% Frauen. Bei den Assistenten, die dort arbeiten, ist es allerdings so, dass nur 20% Männer sind und ca. 80% Frauen. Man hat mir noch gesagt, dass der Anteil der Männer jetzt am steigen ist.

Aber es ist, denke ich mir, ein gutes Beispiel für die Repräsentanz von Frauen und Männern in diesem Bereich. Ja, und dann bitte ich um die erste Musikzuspielung.
 MUSIK


Einspielung: DGG Trailer:
Diskussion gehört gelesen - Radio mit Untertiteln wird gemeinsam von Freak Radio, dem ORF Radio 1476 und der Selbstbestimmt Leben Initiative Wien im Rahmen des Equal-Projektes QSI - Qualitätssicherung in der Integrationsarbeit - gestaltet. Als barrierefreies Medium zu hören unter <http://1476.orf.at> und zu lesen unter www.qsi.at/diskussion <http://www.qsi.at/diskussion>. Zur Wiederholung <http://1476.orf.at> und unter www.qsi.at/diskussion <http://www.qsi.at/diskussion>.


 Katharina Zabransky (Moderatorin):

Ich würde gerne den Herrn Schönhofer bitten: Hören Sie mich? Sie arbeiten als Arbeitsassistent. Ich denke, Sie haben auch Männer als Kollegen. Es gibt Situationen, wo Männer besonders gefragt sind.


Josef Schönhofer:

Ich denke, für mich ist es immer ein bisschen enttäuschend, dass sich bei den Bewerbungen prozentuell sehr viel weniger Männer bewerben als Frauen. Also 70% bewerben sich Frauen und 30% Männer. Gerade in unserer Arbeit, ich denke es ist eine harte Arbeit. Der Herr Schneider hat das ja schon angesprochen, ich denke, dass die Gesellschaft manche Vorurteile hat, wo der Mann dann nicht so angesehen ist wie in einem anderen Job… das ist männlicher. Speziell bei Jugendlichen merkt man das sehr.
Die Aufstiegschancen sind vielleicht nicht so groß, denke ich mal oder so sehen es die Männer. Die Entlohnung, denke ich ist auch nicht so (gut). Gestern war der europäische Tag der Frauen und da hat man ja gehört, dass die Frauen 40% unter dem Niveau der Männer liegen, vom Lohnniveau und ich denke, im Sozialbereich ist das noch eklatanter. Frauen, denke ich, sind - so sehe ich das persönlich - psychisch belastbarer, sensibler, flexibler, speziell auch bei den Arbeitszeiten. Das ist auch eine regionale Sache. Ich komme vom ländlichen Bereich. Gerade im Behindertenbereich, wo - bei uns sagt man - Radldienst ist, das heißt Wochenenddienst, Nachtdienst, sind die Frauen bereiter auf dieses einzugehen. Warum das so ist, ich kann es nicht genau sagen. Ich denke sehr wohl in meinem Projekt - es gibt ein Sprichwort - stellen die Frauen sehr wohl ihren Mann.

 
 Katharina Zabransky (Moderatorin):

Könnten Sie sozusagen ein Beispiel aus dem Alltag bringen. Von ihren Klienten her gesehen oder von ihren, von den Leuten, die mit einem Arbeitsassistenten arbeiten, die auf ihn angewiesen sind. - Wer braucht da speziell Männer oder wofür sind Männer speziell gut?                              


Josef Schönhofer:

Ich denke, das ist sehr unterschiedlich, sehr individuell. Ich merke aber sehr oft, dass Kundinnen, Frauen öfters Männer verlangen und bei den männlichen Kunden ist eher selten die Nachfrage nach Arbeitsassistentinnen - kann ich nur aus den Erfahrungen weitergeben, denk ich mal.


 Katharina Zabransky (Moderatorin):

Dann sag ich mal danke für das kurze Beispiel und würd mal die Frau Heidrun Aigner fragen, Sie haben in ihrer Arbeit die Entstehungsgeschichte der sozialen Arbeit behandelt, oder der Behindertenarbeit - können Sie kurz erklären, wie es da ist mit den Männer- und Frauenverhältnissen und warum das so ist.


Heidrun Aigner:

Ich würde vorher gerne noch eingehen, auf das, was vorher gesagt wurde, auf zwei Aspekte. Es ist jetzt schon mehrere Male angesprochen worden, dass Frauen mehr Fingerspitzengefühl haben, dass sie einfühlsamer sind, dass sie toleranter sind, dass sie mitfühlender sind und ich denke, es ist nicht so, dass Frauen speziell diese Eigenschaften mehr haben als Männer, sondern es geht einfach darum: (von) Frauen (wird) schon mal ohnedies erwartet, diese Eigenschaften aufzuweisen. Hingegen von Männern gar nicht. Das war ein Aspekt, den ich sehr wichtig finde. Und der andere Aspekt, auf den ich auch noch eingehen möchte, ist der, wenn man davon spricht, wie viele Frauen und Männer braucht es in den Sozialberufen und in der Behindertenarbeit, dann spricht man ja eigentlich nicht immer davon, jetzt wirklich (von) Frauen und Männer(n), ob die nötig sind, es geht ja sehr viel um Verhaltensweisen. Es kann ja sein, dass in einem bestimmten Bereich nicht unbedingt ein Mann oder eine Frau tätig sein muss, sondern eine Person, die bestimmte Verhaltensweisen aufweist, die besonders tolerant ist, besonders einfühlsam und dass es in einem anderen Bereich eine Person braucht, die großes Durchsetzungsvermögen hat und sehr bestimmt ist.

Und da sagen wir oder wird oft gesagt, na da braucht's einen Mann oder da braucht's eine Frau. Das finde ich wichtig voranzuschicken.

Zur Entstehung der Sozialarbeit, also wenn man so an die Ursprünge zurückgeht, also ich mache jetzt einen geschichtlichen Sprung bis ins 19. Jahrhundert zurück, da hat die soziale Arbeit so ihre erste Professionalisierung erfahren. Also,bürgerlichen Frauen war es damals verboten, berufstätig zu sein und der einzige Bereich, der davon ausgenommen war, war der Sozialbereich.Und zwar deshalb, weil Frauen ist es ja immer nicht nur erlaubt, sondern sie sind auch immer verpflichtet gewesen Versorgungsarbeit zu leisten, in der Hausarbeit tätig zu sein, pflegende Arbeiten auszuführen.

 Und es ist ihnen natürlich auch erlaubt worden, diese Arbeiten auch außer Haus weiterzuführen. Also die Anfänge der sozialen Arbeit  waren eigentlich nichts anderes, als Hausarbeit zu machen, aber die halt nicht in der Familie, in den eigenen vier Wänden, sondern außerhalb des Hauses. Und also vom Prestige haben wir heute auch schon sehr viel gehört, ich denke, da liegt die
Wurzel des Problems, dass die soziale Arbeit oder auch die Arbeit mit behinderten Menschen so niedrig angesehen ist. Sie wird nämlich vielfach immer noch als Hausarbeit, als erweiterte Hausarbeit angesehen.


 Katharina Zabransky (Moderatorin): … und die auch schlecht bezahlt ist.


Heidrun Aigner: ... die natürlich auch schlecht bezahlt ist. Das hängt damit zusammen, dass sie aus der unbezahlten Hausarbeit stammt, aus dem privaten Bereich die, nicht bezahlt ist, und die (ein)niedriges Ansehen hat. Und , die natürlich nur Frauen zugeschrieben ist. -Es waren ja immer nur Frauen verpflichtet, Hausarbeit zu leisten.

Ich denk, von dem her ist es jetzt sehr schwer, Männer - unter Anführungszeichen- in die Pflicht zu nehmen.


Katharina Zabransky (Moderatorin):

Jetzt wollen wir den Herrn Pluhar gleich fragen: Sie haben sich dazu entschieden, eine Ausbildung im Behindertenbereich zusätzlich zu machen. Wieso? Warum haben Sie das?


Peter Pluhar:

Zuerst möchte ich einmal vorausschicken, dass ich die Meinung von Frau Aigner teile, dass
es nicht so sehr wichtig ist, ob da jetzt ein Mann oder eine Frau tätig ist, sondern dass es mehr auf die Einstellung der Person ankommt, die im Behindertenbereich tätig ist.

Dann zur Frage: Ich hab eigentlich angefangen nach der Schule eine Mechanikerausbildung anzufangen und bin nach dieser Ausbildung dann darauf gekommen, dass das nichts für mich ist, weil es etwas zu Unpersönliches ist und bin dann eher zufällig auf die Pädagogische Akademie gekommen, wo ich dann Lehramt für Sonderschule gemacht habe. .. Aus dem Grund, glaube ich, weil ich gern mit Menschen arbeite, - und bin jetzt schon das fünfte Jahr an der Schule und habe mich für den Lehrgang entschieden, weil ich mehr über Integration wissen wollte und weil ich in Zukunft möglicherweise aus der Schule hinaus will in einen anderen Bereich.-Das war meine Motivation, um mich in diesem Lehrgang jetzt weiterzubilden.


Katharina Zabransky (Moderatorin):

Und können Sie vielleicht auch sagen, warum Sie als Mann… was ist wichtig, wenn Sie, Sie als Mann… warum haben sie das gemacht? Oder haben sie einen bestimmten Hintergrund, familiär?


Peter Pluhar:

Ich möchte das vielleicht nicht auf das Mann-Sein reduzieren, sondern ich als Person hab (mich entschieden mit) diese(n) Menschen zusammenzuarbeiten.

 Und ich mache das gerne und ich mach das nicht wegen der Bezahlung, das ist mit Garantie kein Kriterium dafür, dass ich diesen Beruf oder dieses Berufsfeld gewählt habe, sondern aus dem einfachen Grunde, weil ich es gern tu`, mit Menschen zusammenzuarbeiten.


Katharina Zabransky (Moderatorin):

Ich möchte gerne die Frau Götzinger zu Wort kommen lassen. Können sie aus Ihrer Erfahrung auch noch ein Beispiel bringen, warum Männer und Frauen wichtig sind.


Kornelia Götzinger:

Ich denke, man muss im Sozial- und Behindertenbereich differenzieren. Es gibt tatsächlich zu wenig Männer im Behindertenbereich und im Pflegebereich und das muss meiner Meinung nach aufgeholt werden, nämlich vor allem deshalb, weil es auch Bereiche gibt, wo Frauen in Bereichen arbeiten müssen, die eigentlich nicht wirklich adäquat sind. Zum Beispiel, ich war in einem Rehazentrum und ich musste, war im Bett und konnte nicht das WC benutzen und es hat mir ein Pfleger dann den Hintern ausgeputzt und das war dem Pfleger unangenehm und es war mir unangenehm. Wieso hat es nicht die Schwester gemacht bzw. wieso gibt es da keine Pflegerin? Ja, also, da muss man aufpassen. Das Nächste ist mit dem Baden. Wieso muss mich ein Pfleger baden und nicht eine Frau, wenn ich es brauche..

 Und das Andere ist: Es kommt in Einrichtungen immer wieder zu sexuellen Übergriffen und es kommt immer wieder dazu, dass Pfleglinge, Schützlinge, behinderte Leute sich einfach in den Pfleger, in die Pflegerin verlieben oder da sexuell etwas läuft und da kommt es da auf das Machtverhältnis an. Ich hab das in mehreren Institutionen schon miterlebt, dass solche Sachen passieren und dann muss man aufpassen, dass die Macht nicht ausgenützt wird und der behinderte Mensch auf der Strecke bleibt, denn meistens wird dem nicht behinderten Betreuer geglaubt und der behinderte Mensch ist der Einrichtung dann sozusagen mundtot gemacht und hat aber trotzdem sexuelle Übergriffe meistens noch weiterhin, wenn nicht irgendeine Veränderung passiert, was meistens nicht passiert. Ja, so wie ich es immer wieder feststelle, ganz selten kommt es vor dass Änderungen wie Kündigungen gemacht werden. Nicht umsonst gibt es auch immer wieder, wenn man behinderte Männer sieht, die Beziehungen haben, dann haben sie es mit einer Krankenschwester oder mit einer Pflegerin oder mit einer Physiotherapeutin, mit einer nicht Behinderten, aber umgekehrt ist es eben nicht so, dass behinderte Frauen auch adäquat Beziehungen oder Ehen mit diesen Personengruppen eingehen, weil es einfach nicht vorhanden ist und weil die Männer einfach ein anderes Frauenbild haben als die Frauen über behinderte Männer oder nicht behinderte Männer. Das ist auch mir ganz wichtig und was mich jetzt auch wieder schockiert , weil ich es vor einem Jahr erst von einer Studienkollegin gehört habe ist, dass die Ausbildung zum Pflegeberuf- ich weiß jetzt nicht genau, ob es das Sozialmanagement oder irgendwas mit Pflege, (das) wird, glaube ich, jetzt in Graz oder Klagenfurt angeboten - dass sie gebeten wird, während der Ausbildung einem Mann den Penis zu waschen, ja. Wieso macht das nicht ein Pfleger bzw. ein männlicher Kollege? Es ist beiden unangenehm, vor allem den jungen Menschen, die gerade von der Matura fertig werden und da überhaupt noch in der Richtung nichts machen. Der Mann macht sich höchstwahrscheinlich einen Spaß daran und erquickt sich, ich meine, das ist eine Unterstellung jetzt, aber das ist einfach das Ungleichverhältnis und da gehört meiner Meinung schon etwas gemacht und dafür müssten mehr Männer in diesen Bereichen arbeiten und nicht immer nur Frauen herhalten.


Katharina Zabransky (Moderatorin):

Also, wenn wir jetzt davon ausgehen, dass es zu wenig Männer gibt, wie könnte die Situation verbessert werden? Soll man das Gehalt der dort Arbeitenden steigern, sollte man irgendwelche Anreize und Förderungen für Männer geben, dass sie in dem Bereich arbeiten, so wie zum Beispiel Frauen ja auch gefördert werden, technische Ausbildungen und Lehren zu machen?


Peter Pluhar:

Ich glaub nicht, dass das über das Geld machbar sein wird. Es muss eine Bewusstseinsveränderung eintreten und da muss viel an den Schulen gemacht werden, um Männer vermehrt in den Sozialberuf zu bekommen. Ich glaub nicht, dass da finanzielle Anreize wirklich helfen werden.


Katharina Zabransky (Moderatorin): Herr Schönhofer, was meinen Sie dazu?


 Josef Schönhofer:

Ich schließe mich dem Herr Pluhar an. Zuerst möchte ich sagen, wie er zuerst gesagt
 hat, es ist so, es sollte aus innerlicher Überzeugung geschehen, nicht das Geld sollte alleine der Anreiz sein. Man sollte es nicht, wenn man speziell in die Sozialschiene geht, als Beruf sehen, sondern als Berufung, dass man eben gern mit Menschen zusammenarbeitet. Ich war auch in der Landwirtschaft tätig und bin Berufsumsteiger, habe mich auch für diese Schiene entschieden, weil ich das immer wollte. Und ich denke nicht nur allein das Geld kann es sein, ich denke auch, dass vielleicht schon früher begonnen werden muss, dass sich die soziale Öffnung anders zeigen sollte vielleicht, immer nicht nur, dass sie in der Gesellschaft nicht so anerkannt ist. Dass es Berufe sind, die nicht so lukrativ sind und nur Frauen zugestanden werden, wie schon gesagt worden ist von der Frau Götzinger und von der Frau Aigner und dass das frühzeitig beginnen muss,in gewissen Grundschulstufen schon.


 
Katharina Zabransky (Moderatorin):

Aber ich denk mir, es ist doch Ihr Beruf, womit sie Ihr Geld verdienen.


 Josef Schönhofer:

Ich denke schon, aber so schlecht wird ja die Entlohnung auch wieder nicht sein, denke
 ich, dass man nicht überleben kann, dass man gut leben kann, das kommt darauf an, welche Schiene ich geh und was ich mache. Es ist schwierig.


 Katharina Zabransky (Moderatorin):

Ich würde jetzt dann die Frau Aigner fragen: Sie haben eine Studie gemacht über Einrichtungen in Wien, wo auch die Aufteilung untersucht wurde von Männern und Frauen und in welchen sozusagen Etagen die Aufteilungen jetzt verschieden sind. Können Sie das genauer beschreiben bitte.


 Heidrun Aigner:

Ich möchte noch mal Ihr Konzept sprengen, Frau Zabransky und wieder einmal auf meinen Vorredner eingehen und möchte dazu nur sagen, dass ich dem Herrn Schönhofer vehement widerspreche, wenn er sagt, dass Arbeit mit behinderten Menschen oder soziale Arbeit kein Beruf ist, sondern eine Berufung, denn ich denke, es ist ein Beruf, es gibt gute Ausbildungen und es ist wichtig, Leute gut zu qualifizieren und gute Rahmenbedingungen bereit zu stellen und wenn es diese guten Rahmenbedingungen gibt, dann ist es auch möglich, soziale Arbeit als Beruf, unter Umständen lebenslang, bis zur Pensionierung, auszuüben. - Und nicht sich berufen zu fühlen und dafür nach drei Jahren ausgebrannt zu sein und den Job wechseln zu müssen.

Ja, zu der Erhebung: Es ging um die Verteilung, die Repräsentanz von Frauen und Männern in MA12-finanzierten Vereinen, das heißt in Wiener Vereinen, die von der Magistratsabteilung 12 eben getragen werden finanziell.


 Katharina Zabransky (Moderatorin):

Können Sie kurz sagen, was für Vereine sind das? Das sind Vereine, die betreute Wohneinrichtungen anbieten?


 Heidrun Aigner: Ja, das sind ...


 Katharina Zabransky (Moderatorin): Und Beschäftigungstherapien?


 Heidrun Aigner:

Genau, da geht es nicht um Vereine oder Organisationen aus dem Integrationsbereich,
 sondern um diese klassischen Institutionen wie eben Lebenshilfe, ÖHTB, Jugend am Werk… und ich habe die Aufteilung von Frauen und Männern auf verschiedenen Ebenen erhoben und zwar auf der Ebene der direkten Arbeit mit behinderten Menschen entweder in Wohngemeinschaften oder in Werkstätten.

Dann auf der Leitungsebene, also Leiterinnen von Wohngemeinschaften und Werkstätten, auf der
 Geschäftsführungsebene und auf der Vorstandsebene.Und die Ergebnisse waren jetzt nicht all zu
 überraschend, aber, also, wie man sich es so vorstellt: An der Basis sind bei weitem mehr Frauen als Männer tätig. Lusigerweise,-mich hat es überrascht, dass in der Ebene der Leiterinnen von Wohngemeinschaften, da ist das Verhältnis ziemlich ausgeglichen.-Wobei im Bereich der Werkstätten und Beschäftigungstherapien sind dann wieder viel mehr Männer im Leitungsbereich und ich denk, dass hängt auch damit zusammen, dass der Bereich der Werkstätten mehr so der öffentliche Bereich ist.-Also der, wo gehandwerkt wird, wo getan wird, wo gearbeitet wird, organisiert (usw.) und der Bereich der Wohngemeinschaft, das ist halt doch wieder der private Bereich, der Haushaltsbereich, wo gepflegt wird, wo versorgt wird. Ja, im Bereich der Geschäftsführung, die ist sehr stark männlich besetzt und in der Vorstandsebene, die ja sehr oft eine ehrenamtliche, unbezahlte Tätigkeit ist, ist das Geschlechterverhältnis wieder sehr ausgewogen.


 
Katharina Zabransky (Moderatorin):

Das heißt, man kann sagen, die Frauen sind eher in unteren Stufen, auch in minder bezahlten Stufen, tätig.

Heidrun Aigner:

Ja, das ist auf alle Fälle so und ich hab ein Statement von einem Geschäftsführer zu seinen
Zahlen dazubekommen, der geschrieben hat, dass es bei ihnen im Verein eindeutig so ist, dass sich Frauen dann für Leitungsjobs bewerben, wenn sie wirklich gut qualifiziert sind, und dass sich Männer sehr viel schneller bewerben, auch wenn sie den Anforderungen nicht entsprechen. Also er war der Meinung, dass man das wirklich so platt ausdrücken kann.


 
Katharina Zabransky (Moderatorin):

Das würde bedeuten, dass die unqualifizierten Männer mehr Chancen haben als die qualifizierten Frauen?


 Heidrun Aigner:

Das ist jetzt natürlich (schwierig)...Also, ja, ich würde das so begründen: Wir haben vorher kurz darüber geredet, dass bestimmte Eigenschaften Männern zugeschrieben werden und andere Eigenschaften Frauen und die Arbeit, die an der Basis, also die direkt mit behinderten Menschen passiert, da geht es halt sehr oft um diese versorgenden Tätigkeiten, wo eben Einfühlungsvermögen, Toleranz, Mitgefühl, all das gefordert ist und diese Arbeit machen klarerweise Frauen, das haben wir schon besprochen. Und wenn Männer aber in die Arbeit mit behinderten Menschen gehen, oder in die soziale Arbeit, dann werden ihnen diese Eigenschaften zugesprochen, weil sie ja in diesem Bereich tätig sind, aber zusätzlich allein auf Grund ihres Geschlechts erwartet man, oder ist man auch überzeugt davon, dass die ohnedies auch Fühngasqualitäten mitbringen, Durchsatzungsvermögen, Organisationsfähigkeit.- Und diese Zuschreibung  hilft ihnen natürlich sehr oft dabei, die Hierarchie hinaufzustolpern.                                                                                          


 
Katharina Zabransky (Moderatorin):

Frau Götzinger, ich würde Sie gern noch fragen: Können Sie kurz das Projekt vorstellen, wo Sie mitgearbeitet haben?


Kornelia Götzinger:

Frau sein - barrierefrei. - Über die Lebens- und Arbeitsbedingungen von behinderten Frauen. Dabei ist unter anderem erhoben worden, ob behinderte Frauen Kinder haben, ob sie verheiratet sind und wie sie leben. Es ist so, dass wir für uns erstaunlicherweise andere Ergebnisse erwartet haben,(dass),die meisten behinderten Frauen ein bis zwei Kinder haben und die meisten aber doch alleine leben bzw. in einer Lebensgemeinschaft und nicht so sehr in einer Ehe. Keine der befragten Frauen hat sich dahingehend geoutet, dass sie in einer lesbischen Beziehung wäre und das bei einem Rücklauf von 21%, was mich ziemlich erstaunt hat, und die meisten Barrieren finden behinderte Frauen in ihrer Umwelt mit den nicht behindertengerechten Bauten und Verkehrsmitteln.

 
Katharina Zabransky (Moderatorin): Gab es hier auch Aussagen - zum Beispiel was Frauen wünschen bei  Assistenzleistungen. Männer oder Frauen?
 
 
Kornelia Götzinger:

Die Frauen haben alle Assistenz, nur das Problem ist, dass sie sie aus ihrem eigenen Bekannten- und Freundeskreis haben und das führt zu Abhängigkeiten, beziehungsweise wenn es dann nicht mehr so klappt, ist dann die Freundschaft im Eimer. Und sie haben weniger die Tendenz, beziehungsweise kennen sie auch - glaube ich - nicht, die professionellen Assistenzangebote, weil die auch mit Bezahlung zusammenhängen und weil sie das Geld wieder doch für etwas anderes ausgeben wollen als für die Assistenzstunden.
 
 Katharina Zabransky (Moderatorin): Ich möchte eine Pause machen und sie mit Musik füllen.
 MUSIK

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Katharina Zabransky (Moderatorin):

 Wir wollen noch einmal das Thema aufgreifen beziehungsweise haben wir auch ein E-Mail dazu
 bekommen. Die Frage ist, wir haben gehört, dass Männer im Sozialbereich verstärkt tätig sein sollen.
 Doch wie? Mit Zwang? Das heißt, wie motiviert man die Männer? Wir haben es vorher schon
 angesprochen. Müsste man ein besseres Gehalt zahlen oder müsste man schauen, dass der Job ein
 höheres soziales Ansehen hat? Ich würde gerne noch einmal die Anwesenden im Studio fragen, wie kann man die Männer motivieren, dass sie mehr in  den Sozialbereich,der den Behindertenbereich gehen um zu arbeiten.                                                                                                             
 
 Peter Pluhar:

Ich glaube, dass Burschen in Schulen einfach zu wenig wissen, dass die Berufsbilder noch
 immer zu eng abgesteckt sind: Männer - Frauen. Dass da mehr Aufklärungsarbeit gemacht werden muss auch über Praktika, Exkursionen etc., damit Männer auch mehr in die so genannten Frauenberufe, wie eben die Sozialarbeit, hineinkommen.
 Genauso wird es mit Frauen gemacht, die in die klassischen männerdominierten Berufe integriert werden sollen, vermehrt jetzt. Es gibt mehrere Projekte, wo technische Berufe für Mädchen interessanter gemacht werden. Genauso sollte es auch im Sozial-oder Behindertenbereich passieren, mit den Burschen. Dass sie sich mehr dafür interessieren, dass sie von den ganz klassischen Handwerksberufen wegkommen, dass
 hier Alternativen geboten werden .Und hier ist auch die Bezahlung, glaube ich, kein Thema.
 Weil ein klassischer Handwerksberuf, indem wird man ungefähr gleich viel verdienen, wie im Sozialberuf mit einer dementsprechenden  Ausbildung.

 Katharina Zabransky (Moderatorin):

Frau Götzinger, Sie wollten noch etwas dazu sagen?
 
 
Kornelia Götzinger:

Ich glaube, dass es in Sozialberufen wichtig ist, die Karrieremöglichkeiten aufzuzeigen. Man kann Karriere machen, aber sie (die Sozialberufe) sind für einen Außenstehenden noch schwerer zu durchschauen wie für einen Insider. Und wenn Männer wissen wie Karriere gemacht wird, wird es auch besser.Weil wenn ich mir eine Bank hernehme oder einen wirtschaftlichen Beruf, zum Beispiel eine Aktiengesellschaft, ist es ganz klar, wie ein Mann dort Karriere machen kann. Das ist (es) im Sozialbereich meines Wissens nach nicht.
 
 Katharina Zabransky (Moderatorin): Frau Aigner, Sie wollten noch etwas sagen?
 
 Heidrun Aigner:

Ich stimme Frau Götzinger zu, wenn sie sagt, dass Karrieremöglichkeiten im Sozialbereich auch transparenter gemacht werden müssen. Trotzdem denke ich mir, wenn wir darüber diskutieren, dass es mehr Männer an der Basis braucht, dann geht´´s ja darum, sie an der Basis zu halten und nicht sofort aufsteigen lassen, wo wieder die Frauen an der Basis übrig bleiben,und natürlich nicht in Führungspositionen vertreten sind.

Ich bin ganz bei Herrn Pluhar, wenn er sagt, dass es notwendig ist, schon Jugendlichen diesen Bereich bekannt zu machen und ich denke, dass es ganz wichtig ist, eine Wertumkehr der sozialen Arbeit zu erwirken. Ich denke, solange pflegende oder versorgende Tätigkeiten als unattraktiv gesehen werden, oder so lange es als unattraktiv gesehen wird mit anderen Menschen zu arbeiten, dann wird es auch schwierig sein, Männer an der Basis in der sozialen Arbeit zu haben.
 
 
Katharina Zabransky (Moderatorin):

Ich denke mir, die Medien, die handeln dem nicht gerade entgegen, dass die sozialen Berufe für Männer attraktiv erscheinen, weil wenn ich in der Werbung einen Mann sehe, sehe ich selten einen Krankenpfleger oder einen in einem Sozialbereich Tätigen. Männer sind schön, stark.Das sind meistens Piloten oder Schauspieler. Die Medien könnten wahrscheinlich etwas dazu beitragen anders zu wirken.


 Heidrun Aigner:

Auf alle Fälle, also ich denke, hier könnte ganz viel an neuen Bildern transportiert werden.


Peter Pluhar:

Ich möchte auf das Statement von Frau Götzinger noch etwas sagen. Ich denke nicht, dass es unbedingt nötig ist, das über die Karriereleiter zu machen, sondern auch im Zusammenhang mit dem was Frau Aigner gesagt hat, dass das Bewusstsein mehr geschaffen werden muss. Das glaube ich, ist in diesem Fall unnötig, das über die Schiene der Karriere und über das Geld zu machen, obwohl natürlich sehr viele Männer und Jugendliche darauf anspringen.
Das verstehe ich. Aber das wäre meiner Meinung nach der falsche Ansatz.
 
 
Katharina Zabransky (Moderatorin):

Das würde heißen, Männer wollen eher Karriere machen als Frauen? Die Frage können wir hier nicht klären..


 Peter Pluhar:

Es sieht so aus, wenn dafür geworben wird -für Männer und Karriere, dann ist diese Zuschreibung wieder da. Das wollen wir eigentlich nicht.


 Katharina Zabransky (Moderatorin): Frau Götzinger, wollten Sie noch etwas sagen?


 
Kornelia Götzinger:

Ich denke mir, Frauen haben nicht unbedingt Mut zur Karriere, wie wir immer wieder aus Studien und Befragungen wissen, aber Männer sind sehr wohl (daran interessiert) auf der Karriereleiter hoch zu steigen, weil sie müssen in gewisser Weise eine Familie versorgen.

Nur die Männer an der untersten Basis zu haben mit einem Grundgehalt ist ein bisschen sehr wenig. Es geht einige Zeit, aber sobald die Familie ins Spiel kommt, ist das Grundgehalt nicht mehr ausreichend.  

 

Peter Pluhar:

Da wären wir wieder bei der klassischen Rollenaufteilung in der Familie, wo der Mann den Versorgungspart übernimmt, und auch das soll gesprengt werden, irgendwann.


 Heidrun Aigner:

Ich bin dagegen, wenn Männer Anreize wie höheres Gehalt bekommen, um sie in diese
 Berufe zu bekommen. Ich denke mir, natürlich wäre ein besseres Gehalt in diesem Bereich notwendig und zwar damit sowohl Frauen als auch Männer davon ordentlich leben können.

   Kornelia Götzinger:

Ich habe nicht gesagt, dass Männer ein besseres Gehalt bekommen sollen als Frauen, sondern gleiches Gehalt für die gleiche Position. Nur die Frauen könnten jetzt schon im Sozialbereich Karriere machen. Aber (wer) macht Karriere und sitzt an den entscheidenden Positionen: die Männer, wie wir aus Ihrer Befragung wissen. Woran liegt es da? Da hapert´s ja auch, irgendwie.


 Peter Pluhar:

Weil es, wie Frau Aigner gesagt hat, für Frauen doppelt so schwer ist auch mit einer
 Qualifikation in diese Position zu kommen, weil den Männern mehr Kom
petenz zugeschrieben wird, von vornherein.

Heidrun Aigner:

Eben in der Geschäftsführungsebene. Ich denke, hier spielen die Bilder eine Rolle, die Frau Zabransky angesprochen hat.


 Katharina Zabransky (Moderatorin): Dass Männer die Erfolgreicheren sind? Oder sein wollen, vielleicht.

 Kornelia Götzinger:

(Lacht.) Sein wollen,ja. Und Sie es auch sind durch die geringere Qualifikation gegenüber den Frauen und doch die höhere Position erreicht haben.


 Peter Pluhar:

Ich glaube, das sind Bilder, die vermittelt werden und auch anders vermittelt werden können.


 
Kornelia Götzinger:

Mich würde interessieren, ob es Befragungen gibt, welche Ausbildungen die Frauen hatten und welche Ausbildungen die Männer hatten,die dann Karriere  gemacht haben, die jetzt Chefs  sind,in irgendwelchen Einrichtungen. 

Ich denke, dass die Frauen sehr wohl bessere Ausbildungen hätten als die Männer, die in Chefetagen
sitzen, im Sozialbereich.Oder?

   Heidrun Aigner:

Ich weiß nicht, ob man das so allgemein sagen kann, aber ich denke, dass es sehr wohl oft so ist. Männer kommen sehr oft in diesem Bereich als Zivildiener zum Bespiel ,oder über ihre handwerklichen Fähigkeiten in Werkstätten. Wobei ich glaube, dass es bei Frauen eher so ist, dass sie wirklich schon ausgebildet in diesen Bereich kommen. Ich habe parallel zu der Erhebung zur Repräsentanz von Frauen und Männern in diesem Bereich, auch erhoben, wie die Zahlen aussehen in den Ausbildungen, also in denen zu Behindertenbetreuerinnen und Behindertenpädagoginnen und da ist auch so, dass sehr viel mehr Frauen diese Ausbildung machen als Männer.
 
 
Katharina Zabransky (Moderatorin):

Ich würde an der Stelle Herrn Schönhofer noch einmal fragen. Möchten Sie noch etwas sagen?


 Josef Schönhofer:

Ich möchte nur zu Berufung sagen. Ich bin zehn Jahre in der Sozialbranche gewesen. Ich habe schon öfter erlebt , dass man gehört hat- gerade im ländlichen Bereich (ist es oft so)-: Ich muss nicht weit fahren, der Job ist nicht schlecht bezahlt also gehe ich dorthin als , zum Beispiel Behindertenbetreuer. Ich denke, dass das für mich nicht der richtige Weg ist.
Zum Zweiten möchte ich sagen, wie man Männer gewinnen kann, wie schon Herr Pluhar gesagt

 hat:  „ für die Jugend transparenter machen“.

Oft ist es ein Hindernis, dass es vom Gesetzlichen her nicht möglich ist, dass sie früher (einsteigen.) Zum Beispiel,-ich kann es nur von der Caritas sagen, vom Behindertenbereich als Behindertenbetreuer –(dass ein) ein gewisses Alter vorhanden sein muss,dass er dort einsteigen darf.                                                   
Es ist auch so gut, die psychische Belastung für zum Beispiel einen Schulabgänger wäre zu hoch und ich denke, ein Jugendlicher wäre auch sehr früh ausgebrannt.

Zum Finanziellen.-Ich kann es nur wieder von der Caritas sagen, denke ich, dass ziemlich der gleiche Einstieg für Männer sowie für Frauen gegeben ist. Vom Karrierebereich im Arbeitsumfeld denke ich, es gibt genug Frauen, die in leitenden Positionen sind.


 Katharina Zabransky (Moderatorin):

Ich weiß, Sie haben als Kollegen auch Männer. Wissen Sie, warum auch die eingestiegen sind in diesen Beruf als Arbeitsassistent?  

 

Josef Schönhofer: Ich denke, viele waren schon seit langem in der Sozialbranche, haben sich weiter
 entwickelt, von der Fachkompetenz her und (um) das neu herauszuarbeiten denke ich einmal. Und auch wirklich mit Menschen zusammenarbeiten, und bewusst in diese Schiene gehen, gerade was die berufliche Integration anbelangt.


 Katharina Zabransky (Moderatorin): Dann sage ich danke und bitte um die nächste Musikzuspielung.                                                                                                     
 MUSIK

 
 Katharina Zabransky (Moderatorin):

Ja, ich möchte hier vielleicht eine kleine Zusammenfassung im Rückblick sagen, wir haben vormals die Meinungen aneinander reiben gehabt über den Sozialberuf als
 Berufung oder als Beruf wie jeden anderen mit Ausbildung, der geregelt ist, wo es kein Burnout geben soll. Wichtig war mir auch noch, was mir in Erinnerung ist, Werbung zu machen bei Jugendlichen, dass sie in Sozialberufe gehen.

Wir haben ein paar Emails bekommen zu dem Thema.

Zuerst möchte ich sagen, dass diese Sendung wieder eine Zusammenarbeit mit dem  EQUAL- Projekt QSI ist . Da laufen gerade 4 Pilotausbildungen mit etwa 60 Teilnehmern, davon sind - 3 oder 4, wir wissen es leider nicht genau- 3 oder 4 von diesen 60 sind eben Männer. Und ich glaub das ist ja eben auch wieder eine starke Aussage, die zu unserem Thema dazupasst.

Bei QSI wurde auch versucht, speziell Männer anzusprechen. Wie man sieht, haben wir die 50/50 Grenze weit nicht erreicht.

Ein Mail, das gekommen ist, sagt: Dass Frauen eher in sozialen Berufen tätig sind, hat meiner Meinung nach mit dem Druck zu tun, minder bezahlte Jobs annehmen zu müssen. Männer können sich das eher leisten. Was sagen die Anwesenden dazu? Ich glaub gemeint ist, mit Männer können sich das eher leisten, ja da steckt wieder die Aussage dahinter, Frauen wollen gar nicht so viel verdienen.        


 Peter Pluhar:

Ich glaub, dass mit „das sich eher leisten“ gemeint ist, dass wenn das Frauen machen, speziell allein erziehende Frauen, die auch eine Familie zu erhalten haben, und allein stehende Männer sich viel leichter alleine erhalten können, als Frauen, die eine Familie versorgen müssen. Also ist es für allein stehende Männer sicherlich leichter, einen Beruf im Sozialbereich anzunehmen, weil sie nicht so auf sehr gute Bezahlung angewiesen sind.         

  Katharina Zabransky (Moderatorin): Herr Schönhofer, möchten Sie am Telefon was dazu sagen?

 Josef Schönhofer:

Sehr schwierig, ich komme vom ländlichen Bereich und denke es ist ähnlich, wie mein Vorgänger gesagt hat: alleinstehende Männer sind meistens keine Familienversorger, Frauen oft, die allein stehend sind, oft Kinder haben, tun sich wesentlich schwerer, sind angewiesen und müssen halt dann Jobs annehmen. Ich spreche, wie gesagt, vom ländlichen Bereich. Es spielt die Mobilität bei uns eine große Rolle, überhaupt die wirtschaftliche Lage. Wirtschaftliche Strukturen sind ja sehr schwach. Das spielt in diesem Bereich eine große Rolle.


Katharina Zabransky (Moderatorin):

Danke. Eine weitere Frage oder ein Statement war: Für mich ist das eine gesellschaftliche Frage. Es gilt manchmal sogar als unmännlich, wenn Männer sozial tätig sind. Das sollte nicht sein. - Gilt es als unmännlich, wenn Männer sozial tätig sind? Wie kann man dem entgegenwirken?


 Peter Pluhar:

Ich glaube, dass da wieder das Rollenbild, das klassische Rollenbild der Männer und der Frauen angesprochen wird, dass es eben als unmännlich gilt, einen Sozialberuf anzunehmen und da muss an der Wurzel, das heißt an der Früherziehung angesetzt werden, bei der Rollenzuschreibung. Das heißt schon in den Kindergärten eigentlich, dass Burschen und Mädchen nicht auf die Rolle, auf die klassische Rolle jetzt trainiert werden, sondern eine offene Gesellschaft quasi versucht wird.. zu kreieren.


 
Kornelia Götzinger: Also ich würde es befürworten, wenn Männer ein bisschen mehr sozialer wären,        oder es zumindest zeigen.

Ein Sinneswandel hat sich bei den GebärdensprachdolmetscherInnen schon vollzogen, da ist es meines Wissens nach Hälfte/Hälfte und es ist früher auch so gewesen, dass wesentlich mehr Frauen Gebärdendolmetscherinnen waren. Da hat sich das Blatt schon gewendet.


  Katharina Zabransky (Moderatorin):

Ja, und ich wollt nochmals zu dieser Aussage hinkommen, dass in Wirklichkeit Sozialberufe eine Erfüllte Arbeit darstellen. Kann man das so sagen?


 Peter Pluhar:

Für mich ist die Sozialarbeit sehr erfüllend, speziell was meine Person und meine persönliche Entwicklung betrifft. Ich glaube, ich kann in der Sozialarbeit und in qualitätsvollen Ausbildungen im Sozialbereich sehr profitieren für meine Person, und das interessiert mich sehr.


 
Kornelia Götzinger:

Ich möchte feststellen, wenn die Rahmenbedingungen passen, dann ist es OK, nur in Teilbereichen passen die Rahmenbedingungen noch nicht, also ich kann jetzt von meinem Job als Behindertenbeauftragte reden, wo ich zwar jedes Mal, einmal im Monat mindestens Supervision brauche, aber ich muss mir die Supervision derzeit noch selber zahlen und es ist für meinen Chef nicht selbstverständlich, dass ich mir diese Stunde von meinem Dienst wegnehmen kann.


 Katharina Zabransky (Moderatorin):

Das heißt, die Rahmenbedingungen in Sozialberufen (sind) eventuell Überforderung, Unterbezahlung…


 
Kornelia Götzinger: Burnout usw. Unterbezahlung.


 Katharina Zabransky (Moderatorin):

… tragen dann natürlich nicht dazu bei, dass das erstrebenswerte Berufe sind. 

  Kornelia Götzinger:

Aber wenn die Rahmenbedingungen dementsprechend passen, dann muss es nicht zum Burnout kommen und dann muss es nicht zur Unterbezahlung kommen.


 Heidrun Aigner:

Ich finde das sehr wichtig, das die Frau Götzinger hier die Rahmenbedingungen angeschnitten hat, weil diese Bezeichnung „ erfüllend „ für Sozialberufe, die stehen ja oft so im Gegensatz zu den Rahmenbedingungen. Also, das ist ja oft etwas, was man hört: Na ja, es ist ja nicht gut bezahlt, es gibt nicht viele Karrieremöglichkeiten, aber dafür ist es ja so ein erfüllender Beruf.


 Katharina Zabransky (Moderatorin):

Wir sind jetzt schon relativ am Ende unserer Sendezeit. Ich würde gern die Anwesenden und den Herrn Schönhofer am Telefon bitten: Gibt es noch etwas ganz wichtiges, was sie sagen möchten zum Thema Männer im Behindertenbereich?
Ich stelle fest, keiner möchte etwas dazu sagen. Ja, dann kann ich nur noch sagen: Wir sind damit am Ende unserer Sendung „ Diskussion gehört gelesen “ . Das war die Sendung zum Thema ‑Wo sind eigentlich die Männer in Sozialberufen ?, und ich sag damit Auf Wiederhören bei Freakradio!
MUSIK

Herzlichen Dank fürs Zuhören Katharina Zabransky

Auf Wiederhören!      zur Halbzeit zurück
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Sie hörten eine Sendung der Diskussion gehört gelesen. Diskussion gehört gelesen ist
eine Kooperation von Freak Radio, dem ORF und Entwicklungspartnerschaft QSI.
QSI wird gefördert aus dem Mittel des ESF und des BMWA.

Danke für die Mitwirkung und die Teilnahme per Mail an alle im Internet und im Chat
Die Redaktion Diskussion Gehört Gelesen

Herzlichen Dank für Ihr Interesse
Im Namen der Redaktion Diskussion Gehört Gelesen

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Auch herzlichen Dank unseren technischen Assistenten

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Studio Technik:             Udo Somma

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Transkription:                Brigitte Achleitner

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Stand: 16. Dezember 2004.