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11.Mai 04:     

" Was können SchulbegleiterInnen leisten?"

 

Gäste: Eva Prammer-Semmler, Marianne Bauernfeind, Andrea Amon, Volker Schönwiese (am Telefon), Otto Anlanger, Monika Niedermeier

Moderation: Gerhard Wagner

Das Team:  Am Ende der DGG

Gerhard Wagner (Moderator):

Guten Abend bei Freak-Radio aus der Reihe Diskussion gehört gelesen sagt Ihnen heute Gerhard
 Wagner. Diesmal geht es um das Thema Schulbegleitung: Was Schulbegleitung ist und welche Aspekte
 angesprochen werden, das erfahren Sie gleich nach dem Trailer von Diskussion gehört gelesen.
Diskussion gehört gelesen - Radio mit Untertiteln wird gemeinsam von Freak- Radio und dem ORF Radio 1476 sowie der Selbstbestimmt Leben Initiative Wien im rahmen des EQUAL Projektes QSI – Qualitätssicherung in der Integrationsarbeit gestaltet. Diskussion gehört gelesen ist als barrierefreies Medium zu hören unter
http://1476.orf.at und zu lesen unter www.qsi.at/diskussion. Zur Wiederholung: http://1476.orf.at und zu lesen unter www.qsi.at/diskussion.

Qualitätskriterien im integrativen Bereich, die sich der Qualitätssicherung in der Integrationsarbeit
 verschrieben hat. Die Selbstbestimmt Leben Initiative Wien gestaltet diese Integrationsplattform zum
 Thema Qualität in der Integration. Der barrierefreie Informationsaustausch steht dabei im Vordergrund.
 
 Sie können während der nächsten Stunde live an unserer Diskussion teilnehmen, indem Sie uns eine E-
 Mail schicken unter info@qsi.at <mailto:info@qsi.at>
 
 Gerhard Wagner (Moderator):

Ja, kann man sagen Frau Eva Prammer-Semmler, das es sich bei der
 Schulbegleitung und man sagt ja nicht nur Schulbegleitung, es gibt ja auch Äquivalenzausdrücke in
 Deutschland Integrationshelfer oder auch Unterrichtsbegleitung, das sind unterschiedliche Begriffe, die in
 Deutschland und Österreich verwendet werden. Kann man sagen, dass es sich hier um eine Assistenz für
 Kinder in Integrationsschulen handelt?
 
Eva Prammer-Semmler:

Grundsätzlich kann man das so sagen. Ich spreche jetzt für die
 oberösterreichische Situation. Dort werden Personen, die LehrerInnen beim Unterricht unterstützen, als
SchulassistentInnen bezeichnet.
 Gerhard Wagner (Moderator):

Danke. Frau Marianne Bauernfeind, Sie nehmen an einer Ausbildung zur
 Schulbegleiterin teil, warum wollen Sie Schulbegleiterin werden?
 Marianne Bauernfeind:

Ich bin betroffene Mutter von einer Tochter, die Schwierigkeiten hat in der Schule.
 Ich habe sie als Mutter sehr stark unterstützt. Deshalb fand ich den Weg zur Integration und mein
 Bewusstsein wurde damit geweckt und ich habe für mich einen persönlichen Auftrag gesehen, Kinder zu
 unterstützen und habe gesehen, wie wichtig es ist, alle Kinder teilnehmen zu lassen im Bereich Schule.
 Gerhard Wagner (Moderator):

Danke. Dann begrüße ich weiters den Universitätsprofessor Dr. Volker
 Schönwiese aus Innsbruck am Telefon. Eines seiner Gebiete ist die Integrationspädagogik. Herr
 Professor, was kann Ihrer Meinung nach die Schulbegleitung zur Integration überhaupt beitragen?
 
Volker Schönwiese:

Naja, das kann eine wichtige Ergänzung sein. Integration lebt ja davon, dass zwei
 Lehrpersonen drinnen sind und eine Integrationsfachkraft kann eine entsprechende Ergänzung sein, die im
 Sinne auch einer qualifizierten persönlichen Assistenz den Kindern hilft, aber es ist nötig, dass sie in das
 System der Klasse einbezogen sind und nicht eine völlig zurückgezogene Rolle spielen.
 Gerhard Wagner (Moderator):

Ein weiterer Gast ist die Frau Andrea Amon, sie unterrichten selbst in
 einer Schule mit Integration. Wenn Sie uns vielleicht nur kurz sagen, wie kann man sich so einen
Unterricht, so einen integrativen Unterricht in der Schule vorstellen?
 Andrea Amon:

In unserer Klasse sind die Integrationskinder so unauffällig integriert vom Sozialverhalten
 her, dass sie gar niemandem auffallen würden. Das heißt sie lernen mit den anderen Schülern gemeinsam
 mit. Wir haben glücklicherweise einen Gruppenraum. Wenn es notwendig ist, dann gehen vereinzelt
 Schüler auch hinüber und haben dort dann  besondere Betreuung, die sie aber auch im
 Klassenverband bekommen.
 Gerhard Wagner (Moderator):

Noch eine Frage. Wo unterrichten Sie, was ist das für eine Schule und wie
 viele Schüler haben eine Behinderung und was für Behinderungsarten haben Sie in Ihrer Klasse?
Andrea Amon:

 Ich unterrichte zur Zeit in einer kooperativen Mittelschule in der Konstanziagasse 50 im 22. Bezirk in Wien,. In meiner Klasse sind 7 Schüler, die eine SPF haben, das heißt
 einen sonderpädagogischen Förderbedarf, allerdings nur in einzelnen Fächern, bis auf einen Schüler, der
 einen Bedarf in allen Fächern hat und bei den meisten Schüler beruht dieser sonderpädagogische
 Förderbedarf auf Teilleistungsschwächen.
 Gerhard Wagner (Moderator):

Das heißt, diese Kinder wären früher in Sonderschulen unterrichtet
 worden.
 Andrea Amon: In allgemeinen Sonderschulen.
 Gerhard Wagner (Moderator):

Dan begrüße ich ebenfalls den Herrn Otto Anlanger. Sie sind einer der
 Pioniere, die schon vor der Einführung von Integrationsklassen in Österreich vor mehr als 10 Jahren, ich
 glaube es ist inzwischen schon fast 11 Jahre her, sich vehement eingesetzt haben für die Integration. Wie
 beurteilen Sie die Situation heute?
 Otto Anlanger:

Ich darf Sie korrigieren. Die erste Integrationsklasse wurde schon im Herbst 1984
 gegründet. Und zwar im Burgenland, in Oberwart. Die Burgenländer, über die die Österreicher ja so
 gerne Witze reißen, die waren hier die Pioniere. Das zweite Bundesland war dann die Steiermark und das
 dritte Tirol. Somit ist Integration bis jetzt unaufhörlich gewachsen, also wir haben einen quantitativen
 Sprung, aber es geht jetzt darum, die Qualität in Integrationsklassen zu sichern.
 Gerhard Wagner (Moderator):

Die gesetzliche Regelung allerdings, die ist wirklich erst seit 11 Jahren und
 mittlerweile ist es so, dass mehr als die Hälfte der Schüler und Schülerinnen mittlerweile schon in
 integrativen Schulklassen und nicht in Sonderschulen unterrichtet werden.
 Otto Anlanger:

Ja, das stimmt schon. Die erste Integrationsklasse ist sozusagen freihändig von dem
 damaligen Landesschulinspektor Grutzler sozusagen vergeben wordenl, ohne sozusagen schriftliche und
 rechtliche Grundlage haben die Burgenländer damals begonnen und 1993, also vor 11 Jahren wurde dann
 in der Volksschule Integration zum Gesetz.
 Gerhard Wagner (Moderator):

Und bevor wir so richtig in die Diskussion einsteigen, bitte ich um die erste
 Musik. 
 Gerhard Wagner (Moderator):

Sie hören Freak-Radio auf Mittelwelle 1476 in unserer Spezialreihe Diskussion gehört gelesen live
 aus dem Radio und dem Internet zum Nachlesen. Der Livestream von 1476 funktioniert leider im
 Augenblick nicht. Ich bitte um Entschuldigung. Aber wir werden diese Sendung in den nächsten Wochen
 als MP3-File auf der ORF-Seite 1476.orf.at/radiomacher/freak.html oder am besten gehen Sie rein unter
 freak-radio.at, da finden Sie dann den Link auch. Da können sie das 5 Wochen lang als MP3 abfragen.
 Wenn Sie mitdiskutieren wollen, schicken Sie uns bitte ein E-Mail unter info@qsi.at. Je früher Sie es
 senden, desto eher werden wir die Fragen stellen können. Und jetzt kommen wir endgültig zur
 Diskussion. Frau Eva Prammer-Semmler, Sie leiten einen Pilotlehrgang und bevor Sie etwas uns über
 diesen verraten, können Sie uns sagen, was für eine Aufgabe hat eigentlich eine Schulbegleitung, wie viel
 verdient sie ungefähr und warum haben Sie sich zu so einem Lehrgang entschlossen?
 
Eva Prammer-Semmler:

Ich bin grundsätzlich Sonderschullehrerin und das seit 25 Jahren. Ich habe also
im Laufe meiner Dienstzeit eine längere Zeit in Klassen mit schwerstbehinderten SchülerInnen gearbeitet
 und einen ebenso längeren Zeitraum in Integrationsklassen. In Oberösterreich ist die Geschichte der
 Schulbegleiterin, die also früher noch Schulhelferin hieß, die, dass sie erstmals in Klassen für
 schwerstbehinderte SchülerInnen eingesetzt wurden, als schwerer behinderte Kinder in Schulen gehen
 durften, die vorher noch vom Schulbesuch befreit waren und man darauf gekommen ist, dass auch ein
 Lehrerteam nicht in der Lage ist, die gesamt Unterrichts- und Erziehungsarbeit in der Klasse als ein 2-
 Personiges Lehrerteam zu leisten. Also es war sehr ein diffuses Berufsbild damals. Es ging einfach darum,
 die LehrerInnen in ihrer Arbeit zu unterstützen und man hat damals noch kontroversielle Diskussionen
 geführt, die eine Seite hat gesagt, man möchte eigentlich das Team aufstocken mit sovielen
 Professionalisten/innen wie es notwendig ist, wie es die unterrichtliche Arbeit erfordert. Die andere Seite
 hat gesagt, als Assistenz würden auch Menschen ihre Arbeit machen können, die nicht qualifiziert sind und
 das hat sich durchgesetzt. Und da kann ich also gleich einfließen lassen, hat sich auch deshalb


 durchgesetzt, weil die Leute, die damals in den Schulen gearbeitet haben, sehr viel weniger verdienten und
 nach wie vor verdienen als es LehrerInnen verdienen, es war also der billigere Weg.


Gerhard Wagner (Moderator): Wieviel verdienen Sie ungefähr als Schulbegleiterin?
 
Eva Prammer-Semmler: Mit einem blick auf eine Schulbegleiterin, die neben mir sitzt, es ist 400 bis 500 Euro.


 Gerhard Wagner (Moderator): 400 bis 500 Euro im Monat für wie viele Stunden arbeiten Sie da?
Marianne Bauernfeind: Für 15 Stunden.


 Gerhard Wagner (Moderator): Berauschend viel ist das nicht unbedingt. Und wie hat sich das in
 Oberösterreich weiterentwickelt.
 
Eva Prammer-Semmler:

Im Laufe der Entwicklung, als die Integrationsklassen mehr wurden, kam die
 Unterstützung von nicht-qualifizierten Personen, so hieß es damals, auch in Integrationsklassen. Deren
 Aufgabenbereich war und ist, dass sie LehrerInnen, LehrerInnenteams in ihrer unterrichtlichen Arbeitxxx
 unterstützen, wobei sie einzelne SchülerInnen unterstützen können, die gesamte Klasse oder
 Schülergruppen, allerdings immer unter Anleitung und Verantwortung der LehrerInnen. So ist die
 Grundidee. Das Berufsbild ist also noch sehr, sehr lange diffus geblieben. In Oberösterreich gab's dann
 voriges Jahr einen Erlass des Landesschulrates, der also zum ersten Mal das Arbeitsfeld von
 SchulbegleiterInnen genauer geregelt hat und ziemlich da auf diese Entwicklung hin ist auch der Entschluss gefasst worden im Rahmen eines EU-Projektes von EQUAL, einen Ausbildungslehrgang anzubieten der
 also ganz genau heißt: Ausbildung zur qualifizierten Integrationskraft für Schulbegleitung mit der Absicht,die Quallität von Integration, von integrativer Beschulung auch dadurch zu heben, dass also alle Teammitglieder - und die Schulassistentinnen sind als Teammitglied zu sehen - die Idee, dass deren
 Ausbildung gehoben wird, dann wird auch der Qualitätsstandard gehoben.
 Gerhard Wagner (Moderator):

Ich möchte gerne dann zum Lehrgang noch kommen, aber bevor wir
 dazu kommen, möchte ich die Frau Bauernfeind fragen, was macht jetzt eigentlich so eine Schulbegleitung
 ganz konkret? Nämlich die Frage, die sich mir stellt, als jemanden, der das nicht so genau kennt, welche
 funktion hat die Schulbegleitung innerhalb einer Klasse, also ich stell mir, keine pädagogische klarerweise,
 eher so im Sinne von Assistenz, dass man beim WC-Gang oder beim Schultascheinpacken oder so ..., lieg
 ich da richtig.
 Marianne Bauernfeind:

Sie haben schon richtig angesprochen, es bleibt allerdings nicht bei diesen. Wenn
 ich kurz anführe: In erster Linie die Basisversorgung, Toilettgang, essen, waschen, etc., Unterstützung bei
 der Umsetzung der Schulischen Anforderungen, immer mit Absprache mit der zuständigen Lehrkraft, dann
 Unterstützung bei der Umsetzung empfohlener Therapeutischer Maßnahmen, Einzelförderung nach
 fachlicher Anleitung, Konzentrationstraining, Bewegungstraining, lebenspraktische Übungen, praktische
 Übungen, dann Unterstützung des Schülers oder der Schülerin in der Selbstständigkeit, Ermöglichung und
 Unterstützung von Sozialkontakten mit anderen Kindern.
 Gerhard Wagner (Moderator):

Wie schaut denn das aus? Wie ermöglichen Sie das und wie fördern Sie
 so Sozialkontakte zu anderen Schülern?
 Marianne Bauernfeind:

Schulbegleiterinnen. Ich bin hauptsächlich oder sehr viel eingesetzt in der Pause, in
 der Mittagszeit, wo speziell eben Sozialkontakte geknüpft werden, die zu unterstützen, das heißt, ich
 muss sensibel reagieren, wann nehme ich mich zurück, wann bin ich dafür da, einmal einzugreifen,
 jemanden irgendwo beizustehen, helfen, aber immer wieder mit dem Fingerspitzengefühl wann ist was
 gefragt, wann braucht wer was.
 Gerhard Wagner (Moderator):

Es ist nämlich so, so als Laie denkt man sich, da hat ein behindertes Kind
 eine Schulbegleitung, wie groß ist denn die Gefahr, dass sich dieses Kind eher an die Schulbegleitung und
 an Ihrer Person orientiert und vielleicht gerade noch an den Lehrer und dann aber vielleicht doch nicht an
 die Schulkollegen. Ist diese Gefahr gegeben?
 Marianne Bauernfeind:

Da ist die Schulbegleitung gefordert, das richtige Maß zu setzen. Ansonsten
 besteht die Schwierigkeit, dass das Kind zu stark orientiert ist auf die Unterstützung.
 Gerhard Wagner (Moderator):

Dann hätte ich auch noch eine Frage an den Herrn Professor Schönwiese.
 Wie ist denn das aus Ihrer Perspektive, es ist ja sicherlich nicht ganz einfach zu trennen die Aufgaben von
 Schulbegleitung, von LehrerInnen oder ist es das doch?
 
Volker Schönwiese:

Ich seh schon auch da ein Spannungsfeld, das ich eigentlich noch nicht ganz weiß, wie
 hier die Rollenverteilung zwischen diesen Assistenten und den Lehrpersonen ist oder anders gesagt,
 provokanter: Ist es Lehrern zuzumuten Kindern zu helfen auch aufs Klo, ist das eine Lehrerrolle oder
 lehnen das auch Lehrer ab. Braucht es deswegen eine zusätzliche Person? Ich kann es sehr gut
 nachvollziehen, dass eine zusätzliche Person auch in vielen Dingen hilft, aber ich würde die Lehrerrolle
 nicht so eng sehen wollen, dass dann Lehrer quasi Dinge, die ihnen unangenehm sind, an jemand Anderen
 übergeben. Ich denke, die Personen, die im Unterricht anwesend sind, müssen alle in einer kooperativen
 Rolle sein und es sollte nicht so eine Arbeitsteilung aus meiner Sicht sein, die Einen machen das und die
 weniger beliebten Arbeiten machen dann die Assistenten. Obwohl ich mir schon auch vorstellen kann,
 dass in einer bestimmten Unterrichtssituation es auch günstig ist, dass eine Person dabei ist,d ie unterstützt,
 aber nicht im Sinne eines Kotherapeuten oder eines Kolehrers, sondern auch als eigenständige Persion,
 die kommunikativ mit dabei ist. Also ich bin mir noch nicht ganz sicher, was die rolle dieser Person
 wirklich ist. Ich unterstütze sehr, dass sie dabei ist, aber habe eigentlich noch wenig Information, wie das
 dann sich tatsächlich abspielt, Sie merken so meine Unsicherheit.
 Gerhard Wagner (Moderator):

Ja, ich kann diese Unsicherheit ganz gut nachvollziehen und da fragen wir
 dann auch gleich die Frau Prammer-Semmler, also, ich möchte noch einmal kurz zusammenfassen: Es
 besteht eigentlich die gefahr, dass die Lehrerinnen oder vielleicht auch die Schüler und Schülerinnen sagen,
 dafür bin ich jetzt aber nicht zuständig und dann ist die Frage, ist das wirklich Integration, wenn man sagt,
 na ja OK, da putz ich mich jetzt ab, da gibt es ohnehin für Dinge, die mir unangenehm sind, gibt es
 ohnehin die Schulbegleitung.
 
Eva Prammer-Semmler:

Die Unsicherheit, die der Herr Dr. Schönwiese empfindet, ist absolut berechtigt
 und es existieren auch noch sehr sehr viele Faktoren, die noch keine Klarheit zulassen. Meine
 Interpretation oder auch eine Interpretation, die ich mit vielen anderen teile, ist die, dass zum Einen die
 pflegerische Unterstützung, die der Herr Dr. Schönwiese angesprochen hat, natürlich unter Umständen
 auch ein pädagogischer Auftrag sein kann und somit ist es genau so Lehrerinnenarbeit als es auch
 Assistenten-/Assistentinnenarbeit ist, das ist das eine und der andere Aspekt, der natürlich sehr wesentlich
 gerade bei pflegerischen Aktivitäten und Unterstützungen dazukommt, ist auch die entscheidung des
 betroffenen Kindes, wen möchte es für solche intimen Verrichtungen auch als Assistenz haben, also beide
 Faktoren müssen mit einbezogen werden, das ist aber nirgendwo schwarz auf weiß geregelt, deshalb auch
 die Unsicherheit, sondern das handeln sich die Teams sozusagen aus ihrer Philosophie aus ihrer
 Weltanschauung, aus ihrer Sich der Dinge aus und es gibt also da riesengroße Graubereiche, die
 existieren. Grundsätzlich kann das eine sehr sinnvolle und integrationsfördernde Unterstützung sein.
 Gerhard Wagner (Moderator):

Ich glaube, da haben Sie jetzt etwas ganz Wesentliches gesagt, dass
 nämlich die betroffene Schülerin oder der betroffene Schüler mit Behinderung es selbst entscheiden kann,
 wen es hat bei doch relativ auch intimen Tätigkeiten als Vertrauensperson zu haben, ich glaube, das ist
 eine ganz ganz wichtige Frage und es sollte eigentlich, glaube ich, wenn man vom menschlichen
 Standpunkt ausgeht, eine Selbstverständlichkeit sein, dass man sagt, so, wir zwingen dir nicht irgend eine
 fremde Person auf, die dir womöglich unsympatisch ist oder oder der du dich eben nicht so gerne öffnest.
 Wir diskutieren gleich weiter nach dem nächsten Musikblock und da werden wir uns dann anhören, wie
 dieser Lehrgang ganz konkret aussieht
 (Musik)
 Gerhard Wagner (Moderator):

Sie hören Freak-Radio auf Mittelwelle 1476, heute zum Thema Schulbegleitung. Ja, Frau Prammer-Semmler, wir
 waren gerade dabei, über den Pilotlehrgang von Integration Österreich zu sprechen, der im Rahmen von
 QSI sozusagen stattfindet. Erzählen Sie uns einmal was, wie läuft dieser Pilotlehrgang ab, wie lange und
 was hören, bzw. erfahren die Teilnehmer und Teilnehmerinnen.
 
Eva Prammer-Semmler:

Die Ausbildung startete in Oberösterreich im Herbst 2003. Es ist eine
 dreisemstrige Ausbildung, wobei in Abstimmung mit diesen anderen Lehrgängen, die im Rahmen des
 QSI-Projektes stattfinden, es eine Conclusio gibt, ein gemeinsames Basiskurrikulum den Teilnehmerinnen
 und Teilnehmern anzubieten. In diesem Basiscurriculum gibt es also ganz viele Inhalte, wo es um
 Integration, um integrative Schuldidaktik im Bereich der Schulbegleiterinnen geht, es geht also viel um
 Aspekte des selbstbestimmt lebens, es geht in den einzelnen Berufszweigen, wo die ausbildungen
 stattfinden, also in Oberösterreich eben dem der Schulbegleiterinnen, auch darum, eine Identität, eine
 Berufsfindung, eine Definition mit den teilnehmerinnen zu ermöglichen, es ist vom Curriculum und von den
 Lehrbeauftragten daran gedacht und auch umgesetzt, dass betroffene Menschen als Referenten und
 Referentinnen mit den Teilnehmerinnen arbeiten, das ist also der erste Teil, der dauert ein Semester. Die
 Teilnehmerinnen schließen das mit einer Prüfung ab vor einer Prüfungskommission und der zweite Teil ist
 dann sozusagen berufsspezifisch definiert auf die einzelnen Sparten, wo die Teilnehmer und
 Teilnehmerinnen ausgebildet werden in Oberösterreich. Wo es um die Schulbegleiterinnen geht, geht es
 also  um Schulspezifische themen, das heißt um Grundzüge der Didaktik um Grundzüge der
 Pädagogik, um Grundideen, wie sind Interaktionen mit Kindern anzubahnen und wie sind sie aufrecht zu
 erhalten, was heißt lernen, was heipßt beim Lernen zu unterstützen und natürlich auch, was heißt es, sich
 als Schulassistent -assistentin in ein Team einzubringen, wie schaut das aus.
 Gerhard Wagner (Moderator):

Und diese Ausbildung ist Kostenlos, weil sie jetzt ein Pilotlehrgang ist,
 wenn ich das richtig sehe.
 
Eva Prammer-Semmler: Die ist kostenlos, ja.
 Gerhard Wagner (Moderator):

Ich hätte dann noch eine Frage, weil Sie haben vorhin gesagt, man hat
 sich am Anfang überlegt, sollen die Leute ausgebildet werden oder nicht und da hat man sich dann
 zunächst entschieden, wenn ich Sie richtig verstanden hab, sie nicht auszubilden. Aber jetzt bilden Sie
 offensichtlich doch aus. Warum?
 
Eva Prammer-Semmler:

Also es war, kurz habe ich es angeschnitten, so diese Überschrift dafür ist es,
 qualifizierte Arbeit braucht qualifizierte Menschen, qualifizierte Lehrer und Lehrerinnen und natürlich auch
 qualifizierte Assistenten und Assistentinnen, das heißt also um Integration und in diesem Fall geht es
 hauptsächlich um Schulbegleiterinnen in Integrationsklassen, um die Qualität zu halten oder zu erhöhen, ist es
 notwendig, alle Personen, die drinnen sind, zu qualifizieren. Die Idee ist einen gemeinsamen Konsens im
 Team auch herzustellen, eine theoretische Auseinandersetzung auch anzubahnen, wo die Hoffnung
 zumindestens besteht, die die Teamarbeit erleichtert ist, verbessert wird und somit auch die Unterrichtsarbeit
 entsprechend in der Qualität gesteigert werden kann.
 Gerhard Wagner (Moderator):

Frau Bauernfeind, Sie nehmen an diesem Lehrgang Teil. Sie sind jetzt selbst
 schon Schulbegleiter, also vorher nicht so qualifiziert ausgebildet, wie sie es jetzt allmöhlich sind. Ich denk
 mir, es ist jetzt gerade Halbzeit ungefähr, was haben sie jetzt gelernt und was wenden Sie schon an an
 Schulbegleiterischen Maßnahmen oder ich weiß nicht Sensibilisierung?
 Marianne Bauernfeind : Ich bin eingestiegen, für mich war das Neuland in der Schule zu arbeiten. Um
 qualitativ gute Arbeit zu leisten ist es notwendig, für mich, habe ich gesehen, Ausbildung zu machen. Deswegen habe ich mich beteiligt
 und ich habe für mein Berufsfeld sicherlich wesenltiche Punkte erkennen können, da geht es im Bereich
 Selbstbestimmung war starkes Thema und ich denke, diese Selbstbestimmung immer wieder einfließen zu
 lassen ist für jeden Einzelnen sehr wichtig. Dann immer wieder diese Kernpunkte, wo es heißt einfach die
 Menschenwürde und die Achtung jedem gegenüber zu bringen und zu zeigen sind Grundvoraussetzungen
 bei dieser Arbeit mit Menschen.
 Gerhard Wagner (Moderator):

Eine spezielle Frage hätte ich noch. Die Selbstbestimmt leben- Bewegung, also selbstbestimmt Leben von Menschen mit Behinderungen, Freak Radio und auch QSI
 haben eine Forderung, dass nämlich
 dann wo Assistenz gemacht wird, auch eigentlich die Leute, die selbst ausbilden, also die Betroffenen die
 besten Experten sind. Jetzt haben wir hier Kinder, da ist es natürlich nicht so einfach, aber Qualitiy
 Supported Skills for integration und auch SLI, die auch dabei ist bei dieser Ausbildung haben auch den
 Begriff des betroffenen Mainstreaming drinnen, also dass auch Eltern und eben auch Menschen mit
 Behinderungen darinnen vorkommen im Lehrgang.
 Was haben Sie von dieser Seite erfahren können?
Marianne Bauernfeind:

Ich glaube, dass jeder Mensch das Recht dazu hat zur Selbstbestimmung und auch die
 Fähigkeit dazu hat und Thema war immer wieder die Elternarbeit und Eltern immer wieder zu diesen
 Experten ansehen und mit hineinnehmen und mitarbeiten zu lassen und sie nicht ausgrenzen. Sie gehören
 zum Team, der Betroffene gehört zu Team, die Eltern gehören zum Team und das sind wesentliche
 Grundvoraussetzungen.
 Gerhard Wagner (Moderator):

Herr Professor Schönwiese! Ich weiß, Sie haben noch eine Frage aber ich
 möchte Ihnen noch eine stellen, wenn Sie mir gestatten. Sie selbst sind auch in der Selbstbestimmt Leben-
 Initiative dabei. Wie ist das aus Ihrer Sicht. Wie sehen Sie diese Art der Ausbildung und was sagen Sie
 dazu was Sie jetzt gehört haben.
 
Volker Schönwiese:

Es ist schon genannt worden, dass auch betroffene in den Lehrgang einbezogen sind
 und damit ist auch das Problem der Einbeziehung oder der Standpunkt des Betroffenen schon genannt.
 Jetzt was die Klasse betrifft ist es so, dass wenn man jetzt von einem Modell der persönlichen Assistenz ausgeht. Wer
 ist der Auftraggeber. Sind es die Kinder, sind es die Lehrer, oder sind es die Eltern?
 Gerhard Wagner (Moderator):Das können wir gleich klären. 
 
Volker Schönwiese::

 In diesem Raum wird es sich schwer klären lassen, ob sich das Modell der
 persönlichen Assistenz so direkt greift. Ich würde eher davon ausgehen, dass das eine unterstützende
 Person ist, die auch in diesem Feld eingebunden ist und alle Seiten ein Stück mitverstehen muss. Aber in
 relativ praktischen Handlungen auch von Seiten des Kindes ist und aber auch verstehen muss, was das
 Kind will. Aber im Sinne des wie es wer sonst verstehen muss das Modell der persönlichen Assistenz.
 Es ist hier im Spannungsfeld Kinder, Eltern und Lehrern sicher komplizierter.

Halbzeit   Zum Anfang der Seite


 Gerhard Wagner (Moderator):

Ja, dann fragen wir auch gleich wer ist der offizielle Auftraggeber für diese
 Schulbegleitung ?

 Eva Prammer-Semmler:

Der Begriff der persönlichen Assistenz, sowie in SLI definiert, das heißt, auch
 betroffene Menschen sind der Auftraggeber und die Assistenten sind die Arbeitnehmer und
 Arbeitnehmerinnen. So ist der Assistenzbegriff im Bereich der Schulbegleitung im Moment noch nicht zu
 definieren. Es ist im Moment so, die Diskussion die Schulassistentinnen unterstützen die Lehrerinnen, das
 heißt in einem ganz hohen Ausmaß, so wie es in Oberösterreich ist, ist die Schule also Lehrer, Lehrerinnen
 sind so zusagen die Auftraggeberinnen.
 In einem viel geringeren Ausmaß sind es die Eltern, die das sehr wohl einfordern können
 selbstverständlich. Die Idee Schulassistenz und persönliche Assistenz lässt sich das Vereinbaren ? Wenn
 ja, wie und was müsste sich damit verändern. Diese Idee ist wichtig, aber ich würde sagen im Moment
 noch zu jung als dass sie schon in dieser Tradition, wie sie jetzt aufgebaut ist in Oberösterreich Fuß
 gefasst hätte, ein wichtiger Punkt den man als nächstes angehen sollte.
 Im Moment differenziere ich sehr stark zwischen Schulassistenz und persönliche Assistenz. Das sind für
 mich noch zwei paar Schuhe.
 Gerhard Wagner (Moderator):

Vielleicht entwickelt sich noch etwas durch das Gleichstellungsgesetz,
 wenn es gut ist. 
 Aber jetzt kommen wir von der Schulbegleitung zur Integration im Allgemeinen. Herr Professor, Sie
 haben dazu noch eine Frage.
 
Volker Schönwiese:

Ich wollte fragen wie das ist mit einer Klasse wo sieben Kinder sind die einen sonderpädagogischen Förderbedarf haben - das ist ja eigentlich nicht die Wunschkonstellation - was entweder heißt, die Kinder haben eigentlich wenig

Probleme und sie haben eine zusätzliche sonderpädagogische Sonderpädagogischen Förderbedarf
 bekommen aus irgendwelchen Gründen, die keine pädagogischen sind oder es sind tatsächlich sieben
 Kinder drinnen, die eine sehr massive Zuwendung brauchen, dann überschreitet das die üblichen
 Vorstellungen von Integration und dann könnte man das so verstehen, was hoffentlich nicht so gedacht ist,
 dass die Schulen, die Integrationsfachkraft im Grund genommen diese Entwicklung unterstützen soll.
 Anmerken möchte ich noch, dass insgesamt die Schulentwicklung insofern ein Problem ist, dass dann die
 Anzahl der Kinder mit sonderpädagogischen Förderbedarf in den letzten Jahren massiv gestiegen ist. Ich
 bin teilweise recht erschrocken, welche Entwicklung der Verdoppelung wir haben. Das
 Sonderschulsystem bleib t stabil, die Integration bewegt sich nach oben und beides in der Summe ergibt
 eine Anzahl von Kindern, die plötzlich sonderpädagogischen Förderbedarf haben der unglaublich ist, den ich mir
 nicht gedacht habe und ob nicht in dieser Klassensituation sich diese allgemeine Tendenz sich etwas
 spiegelt.
 Gerhard Wagner (Moderator):

Frau Amon, Sie sind angesprochen. Wenn Sie gleich aus Ihrer Praxis
 erzählen. Es scheint wirklich sehr viel zu sein sieben Kinder, von wie viel eigentlich?
 Andrea Amon:

Ich habe das Glück, in einer sehr kleinen Klasse zu unterrichten zu dürfen. Wir sind
 insgesamt 19 Schüler und davon haben eben 7 Schüler in manchen Fächern den SBF. Das heißt, es wirkt
 wahrscheinlich etwas schlimmer als es tatsächlich ist. Ich habe eine Schülerin, die den SPF nur in
 Mathematik hat zum Beispiel. Aber auch sonst auch sehr viel Zuwendung von ihrer Persönlichkeit her
 würde ich meinen.
 Andere Schüler haben dann eben Mathe Deutsch, Mathe Deutsch En glich und nur bei zweien kommen
 dann die Nebengegenstände, wie Geschichte, Biologie und so weiter dazu.
 Gerhard Wagner (Moderator):

Erklären wir einmal unseren Hörerinnen und Hörern. Wie kann man sich
 eine Klasse mit Integrationsschülern vorstellen. Wieviele Lehrer gibt es da? Also stimmt das, da gibt es
 eine Lehrerin, die jede andere Schule auch hat und zusätzlich noch eine Sonderschullehrerin?
 Andrea Amon:

Genau so ist das. In den Hauptschulen gib t es die Fachlehrer und zusätzlich den
 Sonderschullehrer oder die Sonderschullehrerin die in ihrem Stundenausmaß, in meinem Fall 22 Stunden,
 in der Klasse drinnen ist. Das hießt, ich suche zu Schul beginn aus in welchen Fächern es wichtig ist und
 wesentlich ist die Schüler zu begleiten und dann bleiben ein paar über, die ohne mir dem Unterricht
 beiwohnen.
 Gerhard Wagner (Moderator):

Sind Sie dann nur für die Kinder mit SBF zuständig oder profitieren auch
 die Anderen auch von Ihnen?
 Andrea Amon:

Nein, wir sind ein Lehrerteam und wir unterrichten gemeinsam und ich sehe mich nicht als
 Assistenz, wie ich noch immer bezeichnet werde oder als zweite Lehrerin, sondern wir unterrichten im
 Team und selbstverständlich profitieren, hoffe ich, alle Schüler der Klasse davon, wobei natürlich das
 Augenmerk oder die explizite Zuständigkeit bei den Schülern mit SPF liegt.
 Gerhard Wagner (Moderator): Herr Anlager, wie sind Ihre Erfahrungen in einer Integrationsklasse?
 Otto Anlanger:

Ich arbeite seit ungefähr 20 Jahren integrativ in Wien. Derzeit auf einer politechnischen
 Schule und wenn ich rückblicke muss ich sagen, Integration begann vor 20 Jahren mit vielen
 Unsicherheiten, wie ich schon erzählt habe auch ohne schriftliche Genehmung. Jetzt nach 20 Jahren ist es eigentlich Zeit, mehr auf Qualität zu achten.
 Derzeit wohnen zwei Seelen in meiner Brust. Zum Einen bin ich ein Vorkämpfer für Integration, zum
 anderen bin ich seit 10 Jahren auch Personalvertreter und bin daher auch zuständig dafür, dass die Lherer zu ihrem Recht kommen.
 Wenn ich hier exemplarisch etwas erzählen darf. Zum Beispiel Anfallkinder, die Epilepsie haben bedürfen
 eines Zäpfchens. In der Regel ist das kein Problem das liegt im Kühlschrank in der Schule und es wird
 verabreicht wenn es sein muss. Zum Glück ist bis jetzt noch nichts passiert, weil es gibt keine klare
 rechtliche Regelung. Unsere Auskunft derzeit ist so hingehend, dass ein Lehrer nichts in Körperöffnungen von
 Kindern stecken darf. Also bis jetzt ist nichts passiert, es gehört eine strikte Regelung für Lehrer her, die
 das freiwillig machen. Wenn sie das machen, dass sie nicht auch noch kriminalisiert werden.
 Gerhard Wagner (Moderator):

Also, Sie stehen mit einem halben Bein im Kriminal aber das wäre eine
 Aufgabe für Schulbegleitung in diesem Fall, dass solche Dinge auch durchgeführt werden. Das wäre für
 Sie ein Vorteil, oder täusche ich mich da?
 Darf die Schulbegleitung Medikamente geben?

Marianne Bauernfein: Nein!
Eva Prammer-Semmler:

Also, die Oberösterreich-Antwort im Moment so wie ich es jetzt weiß, auf dieses Problem ist,
 es gilt sowohl für Lehrerinnen als auch für Schulassistentinnen. Also, wir haben alle keine medizinische
 Ausbildung, dass also Medikamente nur dann verabreicht werden, wenn die Instruktikon in Anwesenheit
 des jeweiligen Vertrauensarztes des Kindes und dessen Eltern sozusagen vom Arzt gemeinsam
 durcherprobt sind und den Lehrerinnen alles klar ist und das auch mit Unterschrift und Siegel genehmigt
 ist. Also da haben Schulassistentinnen und Lehrerinnen die selbe Ausgangsposition sprich, keine
 medizinische Ausbildung und sie brauchen beide die entsprechende Instruktion von einer Fachperson in
 dem Fall von Ärzten und Ärztinnen.

 Gerhard Wagner (Moderator):

Das heißt, es sollte ein Schularzt oder eine Schulärztin ständig im Hause
 sein, sonder wäre das gar nicht möglich, oder?

Eva Prammer-Semmler:  

Eher der Vertrauensarzt des jeweiligen Kindes, der einfach auch das Kind betreut. Ich
 spreche von einer „Einführung“. Wie funktioniert das? Wann gibt man zum Beispiel diese Mittel, wenn das
 Kind jetzt einen Anfall hat, wie funktioniert das, auf was muss man aufpassen. Einfach eine klare Instruktion mit Menschen, die sich entsprechend auskennen, also mit Ärztinnen und Ärzten.
 Gerhard Wagner (Moderator).: Wir hören, dass die Situation zum Teil äußerst kompliziert ist und ich weiß
 gar nicht, ob es hier eine gesetzliche Regelung geben kann.

Wir sprechen nach der Musik weiter.
Musik.

Gleich geht es weiter!
 Gerhard Wagner (Moderator):
 Sie hören Freakradio auf Mittelwelle 1476, heute zum Thema Schulbegleitung, eine Veranstaltung von
 diskussion gehört gelesen, absolut live im Radio. Ja, wir waren gerade beim thema der Ärzte und der
 medizinischen Betreuung und da möchte ich gleich das wort wieder an den Herrn Anlagner weitergeben.
 Otto Anlanger:
 Also, wie gesagt, Integration gibt es seit 20 Jahren und es wirklich höchst an der Zeit, eine gesetzliche
 regelung bezüglich Abgabe von Medikamenten durch Lehrer oder duch Betreuerinnen zu machen, damit
 hier sozusagen niemand kriminalisiser twerden kann. Ich habe auch mit Prof. Schönwiese darüber diskutiert. Und er sagt richtigerweise, das ist nicht nur ein Problem der Integrationsklassen. Weil natürlich
 gibt es auch Kinder, die Medikamente bedürfen im sonderpädagogischen Zentrum.
 Gerhard Wagner (Moderator):
 Der Herr Schönwiese ist noch nach wie vor in der Leitung und kann vielleicht dazu etwas sagen.

Volker Schönwiese:
 Ich wollte nur darauf hinweisen, dass diese Spezialfrage nicht ein Prolem der Integration allein ist, weil es
 könnte sonst so herauskommen, aber ich möchte eigentlich noch einmal auf das wichtige zurückkommen,
 was ich auch gesagt habe, diese Verdoppelung der Kinder mit sonderpädaogischem Fäörderbedarf in
 Österreich und es ist wirklihc in den letzten Jahren eine Verdoppelung, die liegt mir einfach noch im
 Magen, ehrlich gesagt. Ob da nicht manches, was die Integration richtig initiiert hat, im Moment unter der
 Hand durch andere Tendenzen anders gestaltet wird. Sicher, ein Teil von Kindern kommt auch in den
 Genuss der Integration, ein großer Teil, der vorher nicht integriert worden wäre, aber dass das
 Sonderschulsystem so fix stehen bleibt und dass die frage ist, wie Kinder mit einem höheren Bedarf, also
 mit schweren Behinderungen nicht doch in großem Teil wieder in die Sonderschulen kommen und
 Integrationskinder, wie es auch zuerst geschildert worden ist, die eher weniger Probleme haben, wo ich
 auch, das müsste man sich im Detail anschauen, die Frage ist, ob da der sonderpädagogische
 förderbedarf überhaupt einen sinn macht, im Sinne der Ressourcenzuweisung, ob man das nicht auch
 anders gestalten kann ohne die Kinder so zu Etikettieren, also ich mach mir da rundherum eigentlich
 Sorgen, wie die Integrationsentwicklung insgesamt läuft.
 Gerhard Wagner (Moderator):
 Ja, ich glaube, das wäre eine gute Gelegenheit, hier in der Dieskussionsrunde die Frau Monika
 Niedermeier zu begrüßen, die hier auch jetzt Platz genommen hat und zwar sie ist mutter eines Kindes,
 das in eine Integrationsschule geht. Wie sind denn von Ihrer Seite Ihre Erfahrungen von so einer
 Integrationsklasse?
 Monika Niedermeier:
 Guten Abend. Ich möchte mich da dem
Volker Schönwiese anschließen. Er ist der Meinung, dass es mit
 der Integration wirklich schlechter wird und der Meinung bin ich auch. Ich weiß, wie meine Tochter, sie ist
 jetzt zehn Jahre alt, wie sie in der ersten Klasse Volksschule begonnen hat, waren es 19 Kinder und drei
 davon waren Integrationskinder. Es waren zwei lehrerinnen ständig in der Klasse, eine Begleitlehrerin, die
 für zehn Stunden in der Klasse war und noch eine vierte Person, eine Psychologiestudentin, die ihr
 Praktikum absolvieren durfte in der Klasse. Jetzt geht meine Tochter in die vierte Klasse und im Moment
 schaut es so aus, dass die Klassenschülerinnenzahl erhöht worden ist auf 24 Kinder und es sind fünf
 Integrationskinder in der Klasse und es sind im Moment nur mehr die zwei lehrerinnen, die ständig drinnen
 sind, also, ich denke mir, es ist wirklich von der Qualität her ein Verlust und man merkt es uach einfach
 bei der Betreuung meiner Tochter und ich merke auch im Moment wirklich einen großen Rückschritt, was
 wirklich Integration anbelangt, also wir waren wirklich schon einmal viel viel höher oben und wir gehen
 einfach wieder sehr viele Stufen zurück im Moment.
 Herr Otto Anlanger, sehen Sie das auch so? 
 Otto Anlanger:

Ja, ich sehe es auch so ähnlich wie der Professor Schönwiese. Wenn man bedenkt, dass in Wien in diesem
 Schuljahr von 255 Schülern, die nach dem Sonderschullehrplan für Schwerstbehinderte unterrichtet werden,
 255 Schülerinnen sind integriert und 559 Schlerinnen besuchen das sonderpädagogische Zentrum, das heißt,
 mehr als doppelt so viele Sonderschüler mit schweren Behinderungen sind nach wie vor im
 sonderpädagogischen Zentrum und ich glaube, der Grund ist auch darin zu sehen, dass viele Eltern glauben,
 dass in einem sonderpädagogischen Zentrum die persönliche Betreuung rund um die Uhr hier ist und besser abläuft als in Integrationsklassen und auch die Nachmittagsbetreuung, vor allem für viele alleinerziehende
 Mütter, die nicht wissen, wenn die Schule um 13:00 Uhr schließt, was sie mit ihren behinderten Kindern, wo sie sie betreuen sollen.
 Gerhard Wagner (Moderator):
 Wir nähern uns dem Ende der Diskussion und ich habe hier jetzt gerade ein paar Reaktionen
 hereinbekommen, die ich gerne vorlesen würde und ich glaube, es wird nicht schwer sein, sie zu
 beantworten. Ich hoffe, dass es geht. Wird der QSI-Pilotlehrgang ‑die Schulbegleitung- auch weitergeführt werden?
 Wieviel wird das kosten? Gibt es schon Reaktionen, Kommentare von Politkern oder von
 Schulverantwortlichen? Ich würde meinen, Frau Eva Prammer-Semmler, dass Sie da angesprochen sind. 
 
Eva Prammer-Semmler:
 Unser Bestreben ist es, den Lehrgang weiterzuführen, weil die Hauptintention und das Hauptmotiv, eine
 Qualifizierung sämtlicher Arbeitskräfte, die Gesamtqualität heben wird, natürlich aufrecht bleibt. Ich kann
 keine definitiven Aussagen dazu machen, allerdings sind wir in Oberösterreich gerade bemüht,
 Trägervereine zu finden, die sich in der Lage sehen, diese Ausbildung weiterzuführen. Also unsere
 Hauptrichtung ist es, diese Ausbildung einfach als Standardausbildung einzurichten. 


 Gerhard Wagner (Moderator): Wie viel das kosten wird und… 
 
Eva Prammer-Semmler:
 Kann ich im Moment noch nicht sagen, das ist noch zu bald. 


 Gerhard Wagner (Moderator):
 Derzeit läuft ja noch der Lehrgang ein dreiviertel Jahr, in etwa.
 Dann habe ich noch ein zweites E-Mail bekommen. Wie sind die Eltern mit der Arbeit der
 SchulbegleiterInnen zufrieden und was sagen die Schüler vor allem mit Behinderung und die anderen
 auch? Ist das Projekt aus der Sicht der Selbstbestimmt Leben Bewegung als positiv zu bezeichnen,
 unterstützt es die Integration in der Schule? Ich glaube, über den letzten Aspekt haben wir schon ein
 bisschen etwas besprochen, aber der erste Aspekt, da glaube ich, können Sie uns ein bisschen was sagen
 Frau Marianne Bauernfeind. 


 Marianne Bauernfeind:
 Ich denke schon, dass sowohl der behinderte Schüler und auch der nichtbehinderte Schüler das sehr wohl
 gut annehmen und jeder für sich merkt, dass miteinander sehr wohl geht und dass miteinander lernen sehr wichtig ist. 


 Gerhard Wagner (Moderator):
 Ich würde Sie, weil wir ja schon ziemlich am Ende der Sendung sind, eine sehr persönliche Frage stellen.
 Wie geht es Ihnen eigentlich als Schulbegleiterin in einer Integrationsklasse? Fühlen Sie sich da wohl?
 Kann man das überhaupt fragen? Ist das seriös? 
 Marianne Bauernfeind:
 Das ist auf alle Fälle gerechtfertigt zu fragen und ich kann diese Frage ganz sicherlich mit einer großen
 Zufriedenheit beantworten. Ich fühle mich sehr wohl, ich fühle mich in der Aufgabe immer wieder aufs
 Neue herausgefordert und haben schon viele schöne, gute Erlebnisse und Fortschritte bemerkt, was eine
 Bestätigung für mich auf alle Fälle ist und ich denke im Sinne der ganzen Schulgemeinschaft.
 
 Gerhard Wagner (Moderator):
 Bei der Fragestellung war auch noch der Aspekt der Selbstbesimmt Leben Bewegung drinnen und da
 möchte ich den Professor
Volker Schönwiese in Innsbruck fragen, es ging ja genau darum, wie das
 Projekt aus der Sicht der Selbstbestimmt Leben Bewegung zu sehen ist, kann man das als positiv
 bezeichnen? Unterstützt es die Integration in der Schule?

Volker Schönwiese:
 Natürlich unterstützt die Selbstbestimmt Leben Bewegung die Integration also viele von uns haben ja auch
 Sonderschulerfahrung hinter sich und wir haben ein intimes Wissen, was in den Sonderschulen, die nun als
 Sonderpädagogische Zentren umbenannt worden sind, was auch nur eine Verschleierung dessen ist, was
 die Sonderschule ist: ein spezieller absondernder Ort, wo nichts oder kaum was Spezielles dran ist, was
 nicht oder auch in der Regelschule machbar ist, also die Selbstbestimmt Leben Bewegung unterstützt die
 Integration in jeder Hinsicht klarerweise. Und unterstützt natürlich auch alle Maßnahmen, die die
 Integration besser zum Funktionieren bringt wie diese Schulbegleitung. Was jetzt betrifft, welche Funktion
 der Schulbegleiter in der Klasse hat, da denke ich ist es auch in der Ausbildung wichtig, darauf
 hinzuweisen, dass die Perspektive des Kindes außerordentliche bedeutsam ist und die Perspektive der
 Eltern und der Lehrer natürliche eine andere ist. Eigentlich auch die Perspektive des Kindes in den
 Mittelpunkt zu rücken, das ist das bedeutsamste.
 Gerhard Wagner (Moderator):
 Wie Sie schon hören, die Schlussmelodie hat schon begonnen. Wir sind wirklich schon mitten in der
 Schlussrunde. Und ich würde die hier anwesenden noch das, was der Herr
Volker Schönwiese:schon
 angesprochen hat, so den Blick in die Zukunft andiskutieren, eigentlich so als Schlussstatement bitten, wie
 sieht Ihre Sicht aus für die Zukunft Frau Amon?


 Gerhard Wagner (Moderator): Wie sieht die Zukunft aus Ihrer Sicht aus?
 Könnten Sie sich Schulbegleitung auch an Ihrer Schule vorstellen? Wäre das
 für Sie sinnvoll und wünschenswert?
 Andrea Amon:

Ich kann mir die Schulbegleitung schon als sehr sinnvoll
 vorstellen, allerdings sehe ich in meiner Klasse zum Beispiel dafür keine
 Notwendigkeit. Und wenn ich noch einmal denke an das Statement von Prof.
 Schönwiese und er fragt sich von wo die vielen SBS plötzlich kommen,
 muss ich schon sagen, dass durch die Integration einfach eine Möglichkeit
 geschaffen wird von den Schülern Druck zu nehmen in Form eines SBFs.
 Und ich denke, das ist natürlich einerseits ein Missbrauch, andererseits eine
 Möglichkeit, die wir nutzen um die Schüler zu fördern und zu einem
 Wohlfühlen zu gelangen.
 Gerhard Wagner (Moderator):

Frau Niedermaier, Sie als Mutter, würden Sie
 sich so etwas auch wünschen? Ist das möglich aus Ihrer Sicht?
 Niedermaier: Ja, ich kann mir das System der Schulbegleitung grundsätzlich
 ganz gut vorstellen, aber ich denke man muss wirklich ganz genau abklären,
 wofür die Schulbegleiterin auch zuständig ist also dass wirklich nicht nur
 ein oder zwei Bereiche, sondern dass das wirklich übergreifend funktioniert
 und dass nicht die Lehrerinnen dann gewisse Teile oder Teilbereiche nicht
 mehr übernehmen, sondern ich denke, es muss wirklich sehr integrativ
 passieren.
 Gerhard Wagner (Moderator).

Das Schlusswort würde ich gerne an Sie
 geben Frau Bauernfeind, weil Sie sind im Zentrum, Sie sind
 Schulbegleiterin, Sie machen jetzt die Ausbildung, Sie sind natürlich in einer
 Integrationsklasse, welche Zukunftsperspektive sehen Sie für
 Schulbegleiterinnen?
 Marianne Bauernfeind:

Meine Zukunftsperspektive die sehe ich natürlich, dass ich mir
 denke, das ist ein Weg, den wir weiter gehen müssen, das ist eine
 Verantwortung der wir gerecht werden müssen, das ist einfach ein Auftrag
 an alle behinderte Menschen, für alle behinderte Menschen an auch nicht
 behinderte Menschen. Und diesen Weg dürfen wir nicht verlassen.
 Gerhard Wagner (Moderator).

Dann bedanke ich mich recht herzlich bei
 allen Gästen hier auf dem Podium. Ich bedanke mich auch bei Bernhard
 Hruska und Katharina Zabransky, die die Sendung unterstützt haben und die
 mitgearbeitet haben in der Vorbereitungsphase. Ich bedanke mich bei den
 Technikern Georg Jansa und ich bedanke mich bei allen Zuhörern.
 Wir hören das nächste Mal etwas über das Thema ‑Wer ist zuständig
 Zahlreiche Reformen haben in den letzten Monaten vor manche Verwirrung
 hervorgerufen. Mit welchen Anliegen muss ich zu welcher Stelle? Peppo
 Maier versucht nicht in einen verwirrenden Kompetenzdschungel zu
 kommen. Er hat dazu Sozialminister Haupt und Peter Hacker vom Fonds
 Soziales Wien vor das Mikrophon gebeten wie immer am Sonntag und
 Dienstag um 20Uhr30. Die nächste DGG findet dann zum Thema Freizeitbegleitung statt.
 Sie hörten eine Freak-Radio-Sendung der Reihe Diskussion gehört gelesen. Eine Kooperation von Freak- Radio, dem ORF, der Selbstbestimmt Leben Initiative Wien mit der EQUAL Entwicklungspartnerschaft QSI. Dieses Projekt wird gefördert aus Mitteln des
 europäischen Sozialfonds und des Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit.

 

Herzlichen Dank fürs Zuhören sagt Gerhard Wagner

Auf Wiederhören!     
zur Halbzeit zurück

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Sie hörten eine Sendung der Diskussion gehört gelesen. Diskussion gehört gelesen ist
eine Kooperation von Freak Radio, dem ORF und Entwicklungspartnerschaft QSI.
QSI wird gefördert aus dem Mittel des ESF und des BMWA.

Danke für die Mitwirkung und die Teilnahme per Mail an alle im Internet und im Chat
Die Redaktion Diskussion Gehört Gelesen

Herzlichen Dank für Ihr Interesse
Im Namen der Redaktion Diskussion Gehört Gelesen
 

Auch herzlichen Dank unseren technischen Assistenten

zur Halbzeit zurück

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Das Team

bullet Redaktionsleitung:         Bernhard Hruska
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bullet Redaktion:                    Katharina Zabransky
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Studio Technik:             Udo Somma

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Sendeverantwortung:    

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Edv-Technik:                 Michael Pfortner

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Transkription:                Brigitte Achleitner

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                                    Margit Schlesak

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                                    Erich Schmid

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Technische und persönliche

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Assistenz:                     Sokol Gashi

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Stand: 16. Dezember 2004.