14. September:
"Möglichkeiten
der Zusammenarbeit zwischen VertreterInnen von Sondereinrichtungen
und BefürworterInnen von Integration“
Gäste: Gaby Markovic,
Susanne Alteneder, Irene Gebhardt, Volker Schönwiese (tel.)
Moderation: Walter Lindner
Das Team:
Am
Ende der DGG
Willkommen zur heutigen live
Diskussion von DGG
Sie hören eine Diskussion aus der
Reihe Diskussion gehört gelesen. Diskussion gehört gelesen ist eine
Zusammenarbeit von Freak Radio, dem ORF Radio 1476 und der Equal
Entwicklungspartnerschaft QSI quality supported skills for integration.
Eine
Kooperation von Freak-Radio, QSI, SLI und dem ORF.
DER LIVETALK IM INTERNET ZUM NACHLESEN!
Walter Lindner
(Moderation):
Willkommen
bei der heutigen Diskussion gehört gelesen. Freak-Radio mit Untertiteln
Diesmal zum Thema:
Selbstbestimmung versus Fremdbestimmung
Das Ziel der Gleichstellung und Selbstbestimmung erfordert eine
Überarbeitung des vorhandenen Schulsystems und der Sondereinrichtungen.
Wie ist der Umstieg von der Sonderpädagogik (mit starrem System) zur
Integrationspädagogik möglich?
Freak-Radio mit Untertiteln: jeden 2. Dienstag im Monat von 20:00-21:00 Uhr!
Walter Lindner
(Moderation):
Einen
wunderschönen guten Abend. Aus dem Studio in der
Argentinierstraße begrüßt Sie Walter Lindner recht herzlich. Nach der
Sommerpause ist es also nun wieder soweit. Im Rahmen von Freak Radio hören Sie
eine Sendung zum Thema ‑Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen Vertretern der
Sondereinrichtungen und Befürwortern der Integration". Fremdbestimmung versus
Selbstbestimmung. Sie können diese Sendung nicht nur im Radio hören, wie Sie
bereits im Trailer gehört haben können Sie das auch mitlesen, im Internet und
Sie können uns auch e-Mails schicken, wenn Sie Stellungnahmen abgeben wollen,
schicken Sie uns bitte ein Mail unter info@qsi.at . Im Studio sitzen wir vis a
vis und neben mir 4 Damen und wir haben auch noch eine Leitung
nach Innsbruck geschalten, ich möchte jetzt beginnen, dass sich die Damen der
Reihe nach Vorstellen, beginnen wir mit Frau Gaby Markovic. Guten Abend.
Gaby Markovic:
Guten Abend,
mein Name ist Gaby Markovic, ich komme aus Niederösterreich, ich habe 2 Buben im
Alter von 18 und 16 Jahre mit einer mentalen Behinderung, meine Kinder haben -
zumindest der ältere - eine Schullaufbahn in einer Sondereinrichtung absolviert
und ist jetzt bereits in einem
Tagesheim und mein jüngerer Sohn hat angefangen von einem Kindergarten bis jetzt
zur ersten Hauptschule
Integration quasi genossen und ist jetzt noch in einer Sondereinrichtung
untergebracht.
Walter Lindner
(Moderation): Unser
nächster Gast ist Frau Professor Susanne Alteneder, guten Abend.
Susanne Alteneder:
Guten Abend,
mein Name ist Susi Alteneder, ich bin Leiterin des
Bundesblindenerziehungsinstituts Wien. Ich darf mich ganz herzlich für die
Einladung zu dieser Sendung bedanken. ‑Möglichkeiten zur Zusammenarbeit zwischen
Vertretern der Sondereinrichtungen und Befürwortern der Integration". Ich danke,
dass ich als Vertreterin einer Sondereinrichtung eingeladen
wurde, und möchte betonen, dass ich hier stellvertretend für Menschen mit
Blindheit und Menschen mit hochgradiger Sehbehinderung stehe. Als Schulleiterin
kann ich sagen, dass wir seit Jahren mit der Integration sehr eng
zusammenarbeite und vielleicht kann ich diese Möglichkeiten der Zusammenarbeit
in der Sehbehindertenpädagogik in der Diskussion einbringen.
Walter Lindner
(Moderation):
Danke schön,
weiters hier im Studio zu Gast ist hier Frau Irene Gebhart, guten Abend.
Irene Gebhart:
Einen
wunderschönen guten Abend, mein Name ist Irene Gebhart, ich bin vom
Herkunftsberuf her
Lehrerin, Volksschullehrerin, hab in Sonderschulen und dann in der Integration
gearbeitet. Ich hatte das Glück eine Integrationsklasse von der ersten
Volksschulklasse bis zur vierten Hauptschule zu begleiten und leite jetzt seit
fast 4 Jahren
die Familienberatungsstelle von Integration Österreich.
Walter Lindner
(Moderation): Und
telefonisch zugeschalten ist uns jetzt Herr Universitätsprofessor Volker
Schönwiese, guten Abend.
Volker Schönwiese:
Guten Abend,
wenn ich mich vorstellen soll, wie gesagt ich arbeit am Institut für
Erziehungswissenschaften und beschäftig mich seit meinem ganzen Berufsleben mit
integrativer Pädagogik. Ich bin Rollstuhlfahrer, und Teil der „Selbstbestimmt
Leben"-Bewegung und werde hier dementsprechend meinen Standpunkt vertreten. Hab
dementsprechend persönliche und auch theoretisch und wissenschaftliche Erfahrung
jeder Zahl. Das Thema das wir hier haben könnte man ja auch vermutlich 3 Stunden
diskutieren. Aber vielleicht fang ich gleich an, weil ich der letzte bin. Die
Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen Vertretern von Sondereinrichtungen und
Befürwortern der Integration" ist die Fragestellung, ich
denk auf einer bestimmten Ebene der Personen die nicht so hoch in der Hierarchie
sind lässt sich eigentlich gut diskutieren und auch sehr gut zusammenarbeiten,
je politischer es wird und desto mehr es von Leitern und Leiterinnen der höheren
Ebene ist, desto schwieriger wird's. Als Vertreter von Sondereinrichtungen
vertret ich dann eher eine politische Orientierung, die eben ein System
aufrechterhalten will, aus welchen Gründen muss man noch reden und Befürworter
von Integration gibt’s auf verschiedenen Ebenen. Ich denk auf den Spitzen werma
uns nicht einigen, dort wo Personen konkret arbeiten, dort wird auch mehr
Zusammenarbeit möglich sein, was nicht heißt, dass man nicht auch auf dieser
allgemeinen Spitzenebene sich dringend auseinandersetzen muss. Tut man auch in
letzter Zeit zu wenig, weil ein bestimmer Zustand sich eingeschliffen hat in
Österreich. Mit sehr vielen Widersprüchen und riesen Problemen, auf die man auch
zurückkommen sollten. Darf ich vielleicht gleich eines nennen?
Walter Lindner
(Moderation): Bitte.
Volker Schönwiese:
Z.B., wenn
man sich die letzten 9-10 Schuljahre anschaut, sind die Kinder mit
sonderpädagogischem Förderbedarf von 2,4 auf 4,2 Prozent gestiegen, was ja eine
unglaubliche Geschichte ist, warum in 10 Jahren sich die Kinder, die man als
behindert landläufig nennt fast ums Doppelte
gestiegen sind, also was ist das für ein Phänomen? Es kann ja nicht darum gehen,
dass es jetzt plötzlich doppelt so viele behinderte Kinder gibt, also gibt's
hier, wenn man das so sagen kann, Systemeffekte. Und die
Unterschiede zwischen Bundesländern sind enorm. Also auch da kann man nicht
sagen, es kann irgendwie an den Kindern liegen, sondern es kann nur an
politischen Entscheidungen, an politischem Willen und um praktischen
Ausführungen auch gehen. Dann sind auch die Integrationsgrade von Formen von
Behinderung unglaublich unterschiedlich. Weil die
Frau Direktor Alteneder da ist, ich hab von einer neuen Studie die Zahlen
herausgesucht, dass z.B. sinnesbehinderte Kinder in Wien zu 56% integriert sind,
in Niederösterreich zu 92%, in der Steiermark zu 89%, und da stehen jeweils
andere Systeme dahinter. Also ich denke wir können auf der sehr konkreten
praktischen Ebene der Zusammenarbeit reden oder auch dort wo es strukturelle
Entscheidungen gibt.
Walter
Lindner (Moderation):
Frau Susanne Alteneder, Sie waren direkt angesprochen, möchten Sie vielleicht
gleich antworten?
Susanne Alteneder:
Gern,
entschuldigen Sie, die Prozentzahlen, die Herr Professor Schönwiese uns jetzt
gesagt hat, die hab ich leider nicht gehabt, aber ich denke nicht, dass es eine
politische Angelegenheit der Integration der sinnesbehinderten Kinder ist. Es
ist sehr wohl das Wahlrecht der Eltern, und ich denke, dass es auch eine
Entscheidung der Eltern ist, wir - und ich rede jetzt von der Blindenschule Wien
- führen sehr viele Beratungsgespräche. Ich würde nie ein Kind aufnehmen, wo die
Eltern kommen und dann sagen: Ich
habe gehört von der Blindenschule und ich melde das Kind jetzt hier an. Das gibt
es nicht, denn die beratenden Gespräche werden öfters geführt, die Eltern werden
darauf hingewiesen, dass sie sich bitte auch andere Einrichtungen anschauen
sollen und wir helfen ja auch den integriert beschulten Schülern durch unsere
Lehrmittelzentrale. Ich weiß nicht ob bekannt ist, dass eine Abteilung des
Hauses unsere Lehrmittelzentrale ist. Und wenn ich einen Zahlenvergleich
anbringen kann, so haben wir -Stand 10. September - 147 Kinder vom Kindergarten
der von unserer Schule integrativ geführt wird bis zur Handelsschule. Es sind 11
verschiedene Lehr- und Förderpläne, nach denen wir unterrichten. Dem gegenüber
stehen 230 sehbehinderte und 50 blinde Kinder - Österreich weit- die wir auch
betreuen. Natürlich in den unterschiedlichsten Anforderungen betreuen , das
heißt entweder Schulbuch bestellen, oder Geräteausrüstung, Tagung für Stütz und
Regelschullehrer, bzw. Informationen, die die einzelnen Kollegen in
der Integration brauchen.
Walter Lindner
(Moderation):
Um für
unsere Hörerinnen und Hörer das Thema etwas schmackhafter zu machen, sollten wir
vielleicht nach der nächsten Musikbrücke den Unterschied zwischen integrativer
Beschulung und Sondereinrichtungen noch einmal ausarbeiten. Nun möchte ich aber
um ein paar Takte Musik bitten.
MUSIK
Walter Lindner
(Moderator):
Von mittelalterlichen Tänzen geht's nun wieder zurück zur Gegenwart. Sie hören
Freak Radio auf Mittelwelle 1476 kHz bzw. im Internet unter http://1476.orf.at.
Wir wollen zunächst und jetzt in der Folge also den Unterschied herausarbeiten
zwischen integrativer Beschulung und Sondereinrichtungen. Wer möchte dazu
Stellung beziehen? Frau Irene Gebhardt vielleicht?
Irene Gebhardt:
Gerne. Das Prinzip der Sonderschule ist das, dass es neun verschiede Sparten von
diversen
Sonderschuleinrichtungen gibt. Das ist die Sparte allgemeine Sonderschule,
Sonderschule für schwerstbehinderte Kinder, Sonderschule für schwerhörige
Kinder, Sonderschule für gehörlose Kinder, usw.
Walter Lindner
(Moderator):
Könnten Sie sie vielleicht weiter noch aufzählen?
Irene Gebhardt:
Sonderschule für schwererziehbar Kinder, Sonderschule für schwerstbehinderte
Kinder , Sonderschule für sehbehinderte Kinder, Sonderschule für
körperbehinderte Kinder. Ich weiß nicht, ich hab jetzt nicht mitgezählt...
Volker Schönwiese:
Es gibt auch noch die in Kliniken.
Irene Gebhardt:
Es gibt die Heilstättensonderschulen, für jede Sparte ein
Sonderschulmöglichkeit. Und die Kuriosität ergibt sich dann, wenn die Kinder
unterschiedliche Behinderungen haben, so kann ein Kind zum Beispiel, das in
einer allgemeinen Sonderschule beginnt, wenn es einen Rollstuhl braucht, unter
Umständen muss es die Sonderschule verlassen und eine andere Sonderschule
aufsuchen, wo auch für körperbehinderte
Kinder gesorgt werden kann. Es ist Kästchen auf, Kästchen zu. Das Wesen der
Integration ist, dass jedes Kind dort in die Schule geht, wo es zuhause ist. Mit
den Kindern aus der Umgebung und in der Schule die Unterstützung kriegt, die es
braucht.
Walter Lindner
(Moderator):
Funktioniert das auch immer?
Irene Gebhardt:
Es funktioniert leider nicht immer. Es kommt darauf an, welche Unterstützung die
Kinder brauchen. Ist es komplizierter, dann erleben wir immer öfter, dass
gemeint wird, Experten haben die Ansicht, dass es besser wäre für dieses Kind,
eine entsprechende Sonderschule zu besuchen. Eltern wird sehr oft das eigene
Expertentum abgesprochen. Da gäbe es offizielle Experten, die da wesentlich
besser Bescheid
wüssten und es ist dann für Eltern oft eine sehr schwierige Situation, hier zu
argumentieren und ihren Wunsch nach Integration den entsprechenden Nachdruck zu
verleihen.
Walter Lindner
(Moderator):
Frau Gaby Markovic, Sie haben da sicherlich auch Erfahrungen diesbezüglich,
oder?
Gaby Markovic:
Ich möchte ganz kurz als Mutter jetzt aus meinen Erfahrungen erzählen.
Mein älterer Sohn ist nach einem integrativen Kindergarten in eine Sonderschule
gekommen, das heißt, damals, als er eingetreten ist in die Schule, das war im
September 1993, war das Gesetz im Frühjahr vorher noch nicht fix. Ob es werden
wird und &, so wurde mir immer gesagt, es ist noch nicht sicher, ob es überhaupt
ein Gesetz gibt, es wird keinen Schulversuch geben usw. Ich war sehr
verunsichert. Hab dann zwar zu Selbsthilfegruppen Kontakt aufgenommen, jedoch
als mein Kind in die Schule kam, war es noch
nicht möglich und ich war auch noch nicht so weit, das einfach durchzukämpfen.
Er ging also in eine allgemeine Sonderschule mit einer S-Klasse. S-Klasse heißt,
Schwerstbehindertenklasse. Er hat eine so genannte geistige Behinderung und
wurde in die S-Klasse eingeschult. Bekam einen so genannten S- Lehrplan, das ist
ein eigener Lehrplan für schwerstbehinderte Kinder. Was mir damals sehr wichtig
war, dass er zumindest
teilweise mit so genannten nicht behinderten Kindern zusammen kam. Ich führte
ihn also tagtäglich 30km in eine Schule, wo es einen integrativen Hort gab. -
Tat ihm sehr gut, da er zumindest am Nachmittag dann die Möglichkeit hatte, von
den nicht behinderten Kinder einfach Dinge abzuschauen, die Kinder mit
Behinderung untereinander nie lernen können. Das sag ich jetzt so als Mutter.
Als mein jüngerer Sohn in die Schule kam, das war 1995, gab's bereits die
Möglichkeit der Integration aufgrund des Gesetzes. Allerdings mussten wir Eltern
uns auch zusammensetzen vorher, ein halbes Jahr vorher, hatten sogar einen
Verein gegründet, weil es einfach nicht selbstverständlich war, dass ich jetzt
hingeh zum Bezirksschulinspektor und sage, ich möchte mein Kind integrativ
beschulen, weil einfach auch von der Direktion her nicht wirklich eine positive
Einstellung war. Durch den Bezirksschulinspektor, der damals sehr positiv
eingestellt war, wurde auch in der Direktion dann weitergeleitet, dass es eine
Integrationsklasse geben wird. Aber ich bin immer noch der Meinung, dass ich
allein als Mutter niemals die Chance gehabt hätte, dass mein Kind damals
integriert werden würde.
Walter Lindner
(Moderator):
Herr Professor Schönwiese, gibt's eigentlich ein Ost-West-Gefälle in
integrativer Beschulung oder ist das in Österreich so ziemlich gleich?
Volker Schönwiese:
Kann man nicht so deutlich sagen. Es ist nach Bundesländern verschieden, nach
Regionen sehr verschieden. Spitzenreiter ist im Moment sicher die Steiermark.
Damit kann man auch sehen, dass es sicher nicht um irgend ein politisches
Rot/Grün/Schwarz/Blau oder was weiß ich Spielchen geht. Es geht sehr quer durch.
Ich möchte noch mal zur Frage zurückkommen, ob die Integration wohl auch
funktioniert. Diese Frage ist insofern typisch, als auch niemand fragt, ob die
Sonderschule funktioniert und woran liegt' s, dass Unterricht funktioniert oder
nicht funktioniert? Ich denke bei der Integration kann man sagen, sie
funktioniert dann gut, wenn die Lehrpersonen gut kooperieren. Es hängt nicht so
sehr davon ab von der
Schwere der Behinderung, von der Art der Behinderung. Die Aufzählung der
Sonderschulsparten war ja schon auch bezeichnend für dieses
Homogenisierungsprinzip, wie es so schön heißt, immer gleiches zu gleichem. Das
ist ein Schulsystem, das in der Integration versucht wird zu ändern, dass die
Unterschiedlichkeiten der Kinder produktiv werden, wie die Frau Gaby Markovic
das ja auch schon kurz erzählt hat. Bedauerlich muss sie 30km hinfahren -
unmöglich von der Integration her. Es müssen doch die
Kinder am Ort, im Dorf, im Stadtviertel, wie auch immer sein. Die Kooperation
der Lehrer ist wichtiger als die Art der Behinderung der Kinder, dass
Integration funktioniert. Und in der Sonderschule da wird vielfach von
vornherein angenommen, dass es dort funktioniert. Nur dort ist der Blick viel
versteckter. Wir wissen nicht, was in den Sonderschulen tatsächlich der Alltag
ist. In der Integrationsklasse ist es mehr oder weniger schulöffentlich. Da wird
viel sichtbarer gezeigt, wie es funktioniert und wo es auch nicht funktioniert,
wo es scheitert, wo es auch Schwierigkeiten gibt. Das, was in der Sonderschule
funktioniert
oder scheitert, entzieht sich dem Blick der Öffentlichkeit. Wenn wir davon
ausgehen, dort, wo der Unterricht konkret ist, gelingt er oder scheitert er,
dann ließe sich auf der konkreten Ebene auch anders diskutieren. Unter welchen
Bedingungen scheitert er unter Umständen weniger. Solange die Sonderschule ein
Mythos ist, dass er dort auf jeden Fall gelingt, dann wird die Diskussion
zwischen den Vertreter auch nicht möglich sein.
Gaby Markovic:
Darf ich ganz kurz dazu was sagen? Ich hab das eben erlebt mit meinem zweiten
Sohn. Ich bin nach wie vor der Meinung, obwohl jetzt mein zweiter Sohn ebenfalls
in der Sonderschule ist, dass aufgrund der fehlenden Rahmenbedingungen einfach
die Integration gescheitert ist. In der Volksschule war es so, es hat einfach
alles gepasst unter Anführungszeichen. Es waren bereits zwei Lehrer im Frühjahr
vorhanden, bevor im September die Schule begonnen hatte. Es war eine
ausgebildete Schwerstbehindertensonderschullehrerin in der Klasse. Es war eine
Volksschullehrerin vorhanden, die sich mit behinderten Kindern bereits
auseinandergesetzt hatte. Wir hatten mit ihr ein Gespräch vor Beginn der Schule,
also wir als Eltern. Es war einfach von der Direktion her eine positive
Einstellung vorhanden.
Das heißt, die Direktorin schaute dann, dass die Klassenzusammensetzung einfach
passte für zwei Kinder mit einem S-Lehrplan. Das heißt, dass nicht zusätzlich
verhaltensauffällige Kinder in die Klasse kamen, sondern einfach schon Kinder
mit sonderpädagogischem Förderbedarf, aber auch Kinder, die einfach
überintelligent waren. Das heißt, die auch die Klasse tragen konnten. Es hat
einfach gepasst von den Rahmenbedingungen her, dass leider Gottes dann in der
Hauptschule einfach nicht mehr passte und aufgrund
dessen einfach die Integration gescheitert ist.
Walter Lindner
(Moderator):
Herr Doktor Volker Schönwiese hat angesprochen, dass die Sonderschule, dass man
nicht sieht, ob sie funktioniert. Darf ich jetzt provokant die Frau Professor
Susanne Alteneder fragen: Funktioniert die Sonderschule?
Susanne Alteneder:
Die Sonderschule funktioniert genauso gut oder schlecht wie alle anderen
Schulen. Und ich denke schon, dass wir in der Sonderschule von dieser starren
Pädagogik weg sind. Dass wir ein viel flexibleres System jetzt haben und ich
kann wiederum nur für die Menschen mit Blindheit und hochgradiger Sehbehinderung
sprechen. Ich möchte es nicht verallgemeinern. Bei uns hat sich das System
eingeführt, dass Kinder teilweise von uns begleitet werden. Das heißt jetzt
nicht, dass ein Kind bei uns vom Kindergarten bis zur Berufsausbildung in der
Sonderschule seine Ausbildung durchläuft.
Walter Lindner
(Moderator):
Das gibt es aber auch noch, dass ein Kind von Kindergarten bis zur Schule die
Sondereinrichtung durchläuft. Gibt es das nicht mehr in dem Sinn?
Susanne Alteneder:
Jetzt komme ich kurz ins Stocken. Mir fällt jetzt kein Kind ein, dass vom
Kindergarten bis in die Berufsausbildung gegangen ist. Viele Kinder gehen in
integrative Kindergärten, kommen dann zu uns, verlassen uns nach der
Volksschule, gehen ins Gymnasium, oder wir haben z.B. zur Zeit den anderen Weg:
4 Jahre Volksschule integrativ betreut, Durchlaufen der Hauptschule, bei uns
weiterführend Integration in ein Gymnasium. Und diese Eltern haben sich einfach
für die 4 Jahre Hauptschule bei uns entschieden, weil wir sicherlich in den
technischen Hilfsmitteln, im Umgang mit dem Computer, in der Hinführung der
Perfektionierung der Braille-Techniken Experten am Hause haben und in der
Kleingruppe mit den Kindern das teilweise besser machen können.
Walter Lindner
(Moderator):
Für unsere Hörerinnen und Hörer, die Braille-Technik, das ist also die Schrift
der Blinden, die vom Franzosen Louis Braille entdeckt oder erfunden wurde und
man kann also mit den Fingern das lesen, was am Bildschirm für die Augen zu
sehen ist.
Bevor wir nun die erste E-Mail, die hereingekommen ist, verlesen lassen, wollen
wir wieder ein paar Takte Musik hören.
MUSIK
Moderator Walter
Lindner:
sie hören Freak Radio auf Mittelwelle 1476 KHz. Sie können uns übrigens auch im
Internet Live hören unter 1476.orf/live-stream. Wir haben auch schon eine Mail
bekommen und zwar ist diese Mail aus Köln zu uns geflattert und Kollegin
Katharina Zabransky wird sie zu Gehör bringen.
Katharina Zabransky:
Frau Andrea Eberl schreibt: Ich war selbst Schülerin am
Bundesblindenerziehungsinstitut Wien. Wir haben eine hervorragende
Pflichtschulbildung genossen, doch die Wahl der Berufsmöglichkeiten, die man
dort hat, erscheint mir nach wie vor zu wenig individuell gestaltbar. Dazu
kommt, dass man als blindes Kind viel zu früh aus seinem familiären Umfeld
gerissen wird. Und wenn man dann aus dem Internat entlassen
wird, wird man schockartig darauf gestoßen, dass man täglich auf sein Handicap
angesprochen wird. Man wird oft nicht als Person, sondern lediglich als Blinder
wahrgenommen und nach blindenbezogenen Gegebenheiten befragt. Man hat als Mensch
mit Handicap nie seine Ruhe und muss immer damit rechnen, immer damit rechnen,
auf dem Präsentierteller zu legen. Welche Möglichkeiten sehen die
Diskussionspartner, damit blinde Schüler mit der gleichen Pflichtschulbildung
integriert aufwachsen
können, um ihnen den frühen Familienentzug zu ersparen und ihnen einen
fließenden Übergang ins reale Leben zu ermöglichen?
Moderator Walter
Lindner:
Frau Prof. Alteneder, ich glaub, Sie sind da fast angesprochen.
Susanne Alteneder:
Liebe Andrea, wir wollten eigentlich die Diskussion nach der heutigen
Radiosendung führen, ich freu mich aber trotzdem, dass du so Anteil daran nimmst
und die Mail an die Redaktion geschickt hast. Andrea Eberl betont, dass sie eine
sehr gute Pflichtschulzeit bei uns genießen durfte, war aber sicherlich vom
Internatsleben nicht begeistert. Andrea Eberl war eine Schülerin, die vor - ich
denke, dass sie jetzt vor ca. 20 bis 25 Jahren ausgetreten ist - und es hat sich
in dieser Zeit enorm viel getan. Pädagogik entwickelt
sich ununterbrochen weiter, Pädagogik, genau so wie Internatspädagogik. Und
durch die Einführung der Gegenstände Orientierungs- und Mobilitätstraining,
lebenspraktische Fertigkeiten, Low Vision, ist sicherlich auch das
Selbstwertgefühl des Menschen gestärkt und man geht mit viel höherer
persönlicher Kompetenz ins Leben. Der Umgang mit dem Handicap ist sicherlich
auch jetzt in die Berufsausbildung
eingeflossen. Es stimmt schon, es sind die Blindenberufe, die man bei uns an der
Blindenschule erlernen kann, eingeschränkt, ich denke aber, dass eine solide
Pflichtschulbasis Fundament für eine selbst eingeschlagene weitere
Berufsausbildung ist. Wir arbeiten sehr gut auch mit der Maturaschule Roland
zusammen, die im Moment zwei Schulabgänger von uns auf die Matura vorbereitet,
die ziemlich erfolgreich dort ihre höhere Bildung machen. Wir haben an der
Schule kein Gymnasium, Gott sei Dank, es
wären viel zu wenig Schüler. Berufe selbst zu finden, sich weiter zu entwickeln,
das finde ich einfach wichtig. Eine solide Basis beeinflusst sicher dann ein
verstärktes Selbstbewusstsein, um selbst dann noch nach weiteren individuell
ausgesuchten Berufsausbildungen zu suchen.
Moderator Walter
Lindner:
Herr Prof. Schönwiese,
sehen Sie das auch so wie unsere Mailschreiberin die Situation betrachtet?
Volker Schönwiese:
Ich glaube, sie hat ganz was wichtiges gesagt, was die Frau Direktor, wo sie
durchaus richtig diese Dinge auch sagt, aber nicht erwähnt, dass das
Selbstbewusstsein von behinderten Kindern sehr stark davon auch lebt,
Gelegenheit gehabt zu haben mit nicht behinderten, mit so genannten nicht
behinderten Kindern sich auch auseinandersetzen zu können, im Guten und im
Schlechten, auch zu lernen, damit Aktivstrategien zu verbinden, was eine der
schon wichtigen sozialen Voraussetzungen ist, sich auch am Berufsmarkt und wo
auch immer, im Alltag sich bewegt, entsprechend zu bewegen. Das ist ja
keinesfalls
nur ein Problem der blinden Personen, das ist ja auch für die lernbehinderten
Kinder vielfach auch so, die oft aus Klassen herauskommen, weil die Gruppe der
Lernbehinderte ist ja die allergrößte in Österreich. Muss man ja auch so sehen:
Zwei Drittel der Kinder, die in Sonderschulen sind, sind lernbehinderte Kinder.
Die kommen aus Regelklassen heraus, wo sie extreme Schwierigkeiten gehabt haben,
kommen in Sonderschulen, haben eine große Entlastung, haben eine großer
Erleichterung, fühlen sich entlastet, aber
auf längere Sicht wendet es sich ins Gegenteil wieder, weil sie im Grund
genommen in diesem Raum der Sonderschule es diese Reibungsflächen verlieren, mit
dieser teilweise auch harten, nicht behinderten Welt, in der man aber auch sehr
wohl Freunde finden kann und sich auch selbst auch schützen kann, abgesehen
von dem, dass die Sonderschule für sich natürlich auch hierarchisch ist, es gibt
auch dort die Guten und die Schlechten, man kann also durch die Sonderschule die
Hierarchie als solches nicht abschaffen also ich denke, auf dieser Ebene der
Didaktik, wie auch die Direktorin gesagt hat, ist es auch sehr interessant und
spannend zwischen Vertretern von Sondereinrichtungen und der Integration zu
diskutieren, dort wo es aber darum geht: Sind die nicht blinden Kinder vorhanden
oder nicht, da hört sich irgendwo die Diskussion auf,
dort ist es eine Art Entscheidung. Ich seh die Frau Direktor in einer
pragmatischen Haltung, dass sie sagt, es gibt Integration, es gibt die
Sonderschule, die Eltern sollen entscheiden und damit hat sich die Geschichte,
ich selbst entscheide mich eigentlich nicht. Die Politik entscheidet sich schon,
würde ich sagen. Wie kann ich mir das sonst erklären, dass die Sonderschule in
den letzten zehn Jahren ihre Schülerzahl vermehrt hat und darüber hinaus noch
eine Menge Sonder/Regelschulkinder aufgenommen haben, also Geld vorhanden ist
für eine Verdoppelung der Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf mit
bestimmten Unterstützungen, um was geht es da eigentlich? Ich würde provokant
sagen: Es geht um die
Rettung der Sonderschule, die sehr, sehr effizient Lobbying betrieben hat ,trotz
des Rechtes der Eltern, Bedingungen geschaffen worden sind, dass die
Sonderschulen wohl auch möglichst immer voll sind und da war auch dann der
Zusatz, dass man noch andere Kinder, wo die Eltern nicht Ruh geben, halt auch
integriert, durchaus auch recht. Teilweise sind die Kinder ja auch in einer Art
Verschubbahnhof unterwegs, wo werden sie gebraucht vom System Schule, um Klassen
zu retten oder auch nicht, vor allem lernbehinderte Kinder sind ja da in sehr
großer Gefahr. Also nochmals zu sagen: Ich denk, dort, wo es sehr konkret wird,
wie beraten wir Eltern, wie machen wir Didaktik, da geht auch vieles an
Zusammenarbeit und auch Diskussion, die sehr produktiv ist. Dort, wo es um diese
Systemeffekte geht, da hört sich's für mich auf. Ein Beispiel: Zum Beispiel,
warum sind in Österreich 8500 Buben in den Sonderschulen und 4800 Mädchen? Ganz
im Gegensatz zu den Regelschulen. Was ist denn da für ein Prozess? Das kann mir
doch jetzt niemand mehr erklären mit dem, daß die Sonderschulen besser sind für
Buben und schlechter für Mädchen sind. Also hier sind viele Effekte unter der
hand, die wirken, die auf einer anderen Ebene entschieden werden müssten und auf
einer anderen Eben durchgesetzt werden
müssten, sonst, wenn wir auf einer mittleren, unteren ebene diskutieren, dann
können wir uns auch schön einigen oder streiten, aber es bleibt letzten Endes
Viel offen. Also, was ich schon vor allem einfordere, zu einer rationalen
Entscheidung zu kommen, welches System man denn eigentlich will. Systeme einfach
nur zu verdoppeln, das ist die schlechteste Lösung, die man sich überhaupt noch
vorstellen kann. Und jetzt, nach zehn Jahre Integration in Österreich, muss man
feststellen: Es ist gut, dass es <die Integration gibt,
aber insgesamt hat man den schlechtesten Weg gewählt.
Gaby Markovic:
Darf ich ganz kurz was sagen, und zwar, was ich so kontraproduktiv gefunden
habe, waren die sonderpädagogischen Zentren, wo ja die Direktorin zum Beispiel
eben Leiterin der Sonderschule ist und gleichzeitig Leiterin des
sonderpädagogischen Zentrums - und sollte auch für die Integration die Eltern
beraten. Ich denke mir: Eine Person kann nicht gleichzeitig für die Integration
und für ihre eigene Sonderschule sein. Ich möchte jetzt niemanden beschuldigen,
aber es ist sicherlich schwierig zu entscheiden: Soll ich jetzt für meine
Sonderschule sprechen, wo ich toll finde, wie bei uns unterrichtet wird oder
soll ich jetzt die Eltern für die Integration beraten?
Volker Schönwiese:
Das war ja damals, wie
die Integration im Parlament beschlossen worden ist, ich glaub 94. In den
letzten Tagen vor Gesetzwerden ist ja noch im Parlament das Gesetz geändert
worden, dass die, nur die Sonderschulen die sonderpädagogischen Zentren sein
können. Dort hat sich, ich kann es auch klar sagen, die Heilpädagogische
Gesellschaft auch durchgesetzt über ihre Politischen Kanäle und es kann nur
darum gegangen sein, die Sonderschulen zu retten und den Sonderschulen auch
einen Steuerungsmechanismus für die Integration in die Hand zu geben. Also das
ist nicht einfach zufällig passiert, obwohl die Koalition
obwohl die Koalition es damals schon etwas anders ausgehandelt hat sondern ist –
in den
letzten Tagen noch hineingebracht worden von entsprechenden Abgeordneten. Es hat
geheißen, entweder das Parlament beschließt dieses Gesetz jetzt in die Richtung
, die Sie jett genannt haben, oder es kommt gar nicht zustande.
Das ist
einfach handfeste Politik und von dieser Politik her hat sich auch das System
her entwickelt.
Halbzeit
Zum Anfang der Seite
Walter
Lindner (Moderation):
Frau Professor Alteneder , Sie sind zwar nicht Vertreterin der Schulbehörde,
aber ich denke, Sie würden zu diesen Statements sicher gerne einiges sagen,oder?
Susanne
Alteneder:
Ich tue mir
relativ schwer, wie ich schon anfangs gesagt habe, ich bin von einer
Spezialeinrichtung für Menschen mit Sehschädigung. Und wir sind auch kein
sonderpädagogisches Zentrum. - Wir sind nach wie vor Schule mit der Abteilung
ehrmittelzentrale. Bei uns läuft die Beratung auch nicht über mich, sondern
fängt bei einem Kind schon hei den verschiedensten Frühförderinnen an. Hängt
auch von den Bedingungen ab, die ein Kind in der Integrationsschule haben
würde... Also, ich lege Wert darauf, dass die Eltern sich viele Schulen
anschauen, und auch dort mit den LehrerInnen und DirektorInnen sprechen. Und so,
wie die Frau Markovic gesagt hat, einideales System, wenn man schon weiß in
welche Klasse ein Kind hineinkommt. - das ist für mich ach das Ideale in einer
Integrationsklasse, wo sich der Lehrer mit dem Integrationslehrer vorbereiten
kann. Ich habe selbst eine Kollegin, die von uns in einer Integrationsklasse im
23. Bezirk die ist in unserem Lehrerstand. Und die ist eben jetzt für 4 Jahre
für dieses eine blinde Kind abgestellt für die Integrationsklasse. Sie hat
neben diesem blinden Kind noch 2 ASO- Kinder mit dabei.
Also , es
ist schon richtig, Beratung soll man sich nicht nur von einer Stelle holen
Gaby
Markovic:
Was mir als
Mutter eigentlich immer so gefehlt hat, war eigentlich die Unterstützung
Der Leiterin
des Sonderpädagogischen Zentrums. Sie hat sich nicht gegen die Integration
gestellt, aber ich hatte auch nicht das Gefühl , dass sie die Integration, also
auch entsprechend in der Hauptschule jetzt speziell unterstützt hat.
In der
Volksschule ists einfach gut gelaufen, weil einfach die Lehrer gepasst haben. In
der Hauptschule hat einfach überhaupt nichts gepasst von den Rahmenbedingungen
he, und eigentlich hab ich selbst als Mutter damals auch als Klassenvertreterin
eigentlich die Elternabende einberufen, hatte dann auch sogar eine Psychologin
zu meiner Hilfe geholt, die sich st den Lehrern , die mein Kind dann
unterrichtet haben zusammengesetzt haben. Aber eigentlich hatte ich nie wirklich
Unterstützung von der SPZ- Leiterin, also Leiterin vom Sonderpädagogischen
Zentrum. Das hat mir schon ein bissl gefehlt. Es wurde zwar immer gesagt, die
Lehrer von der Hauptschule müssen sich im SPZ Ratschläge holen und sollten hin
Kommen, das hat irgendwie auch nicht funktioniert. Also, ich hab so irgendwie
das Gefühl gehabt, es war kein Miteinander. Es war einfach ein Gehen, aber kein
Miteinandergehen.. kann net funktionieren, speziell bei mental behinderten
Kindern, so ich sags einfach so.- Man sagt jetzt Lernbehinderung .- Also mein
Kind hat eine geistige Behinderung . Und ich denk mir gerade bei geistig
behinderten ist jetzt nie das Lernen – also es war nie für mich und auch mein
Kind nie das Leistungsdenken an erster Stelle, sondern die soziale Integration
Und das hätte funktionieren könne. Also 9ch merke es auch, ich bin von einem
kleinen Ort, meine Kinder kennt jeder im Ort . Und es ist ganz, ganz wicht9g,
dass die Kinderzimmer vorhanden sind.- Dass sie weggehen, dass sie Leuten
begegnen. Angefangen vom Spiellatz, das ist natürlich jetzt in dem Alter nicht
mehr möglich, sie wollen´s auch nicht mehr. Aber einfach, dass sie vorhanden
sind in dem Wohnort, wo sie wohnen. Es war im Wohnort bei mir selbst auch nicht
möglich, dass sie zur Schule gehen,- die war dann 9 km weiter, die
Integrationsklasse. Das war o.k. Aber sie sollen eigentlich- behinderte Menschen
, im Wohnort immer präsent sein. Die Gesellschaft kann nur davon lernen, mit
behinderten Menschen umzugehen, wenn sie da sind. Nicht, wenn sie irgendwo
weggesperrt , eingesperrt will ich nicht sagen, einfach nicht da sind.
Walter
Lindner (Moderation):
Frau
Gebhardt, sie sehen das von 2 Seiten.-
Sie waren
Lehrkraft und sind jetzt bei Integration Österreich tätig .Wie ist da Ihre
Blickrichtung, wie sehen Sie das?
Irene
Gebhardt:
Ich kann das nur unterstreichen,
was Frau Markoviv eben gesagt hat. Im Prinzip sollte das Recht auf Integration,
oder besser auf Inklusion von beiden Seiten geben. Von Seiten der nicht
behinderten Schülerinnen, wie von Seiten der nicht behinderten Schülerinnen. Ich
hab das selbst erlebt, wie die Kinder voneinander lernen, und zwar ganz
wesentlich voneinander lernen.
Man kann nicht erwarten, dass die
Gesellschaft später integriert, wenn davor die Kinder nur in gesonderten
Systemen aufwachsen. Wenn man nicht lernen kann, wie Rahmenbedingungen
ausschauen müssen, für einen Menschen mit Behinderung. Wenn ein Mensch mit
Behinderung nicht lernen kann, mit Normalität umzugehen, und das kann man nicht
vom Lehrbuch aus lernen, das kann man nur im täglichen Umgang miteinander
lernen. Das ist Arbeit, für alle Seiten, da braucht es auch bestimmt gute
Beratung und Unterstützung dazu. Da geb ich auch Frau Markovic ganz recht : es
ist auch das Problem der sondepädagogischen Z4ntren, dass die Leiterinnender
sonderpädagogischen Zentren in den seltensten Fällen in Integrationsklassen
gestanden sind, selbst über keinerlei Erfahrung verfügen, was es heißt,
integrativ zu unterrichten. Man kann nicht Regelschul- und Sonderschulpädagogik
einfach nehmen und eine Addition im besten Fall durchführen. Das ist einfach
eine Verschmelzung, das ist einfach ´was Neues, das is´einfach was, was durch
das Miteinander lebt, und von Individualisierung lebt. Alle sollen zum gleichen
Gegenstand arbeiten. Jeder kann sich auf seine Weise einbringen, wenn der
Unterricht dementsprechend gestaltet wird
Walter Lindner (Moderation):
Frau Prof. Alteneder, Sie wollten
zu Frau Markovics Stellungnahmen noch einiges sagen?
Susanne
Alteneder:
Ich wollte
zuerst nur sagen, - wiederum ein Beispiel aus meiner Praxis. Es steht und fällt
mit den Lehrerinnen, mit der Klasse, mit dem Unterrichtsaufbau on Integration
klappt oder nicht. Wir haben in den vergangenen Jahren einige Schüler in
Gymnasien begleitet, mit Stützlehrerstunden. - Und die Schule ist auch, die
Auswahl der Schule ist auch ein wichtiger Faktor. - Wie Frau Markovic gesagt
hat, das Kind war ein paar Kilometer weiter weg, im eigenen Ort hat sie die
richtige Schule nicht gefunden. So sehen wir unsere Zusammenarbeit mit
diesen Schulen . Wir kennen einige Schulen, an denen Sehgeschädigte integriert
beschult sind, wir hab im vergangenen Jahr eine Schülerin nach 12jähriger
Begleitung, -wir haben mit ihr maturiert. - Also ich denke schon, dass es auch
eine wichtige Aufgabe ist, mit den Schulen zu kooperieren, dass die Lehrer die
gute Einstellung zur Integration haben. Nur durch diese Einstellung ist die
Integration auch wirklich gut. Was ich wirklich verhindern möchte, oder was weh
tut, wenn man sieht- und so ist es auch gewesen, dass manche Schülerinnen und
Schüler absolut nur lernmässig integriert waren, aber sozial nicht.
Wir haben an
unsere Schule auch ein Schwimmbad angeschlossen, in das Bundesschulen zum
Schwimmunterricht kommen. Und wenn bei der Strassenbahnhaltestelle die Klasse in
einem Rudel beisammensteht, und der Mensch mit dem besonderen Bedürfnis 3 Meter
daneben, dann ist das für mich eine fehlgeschlagene soziale Integration. - Und
da muss etwas geschehen.
Walter
Lindner (Moderation):
Wir wollen
jetzt, bevor wir die Diskussion weiter führen , wieder ein paar Takte Musik
hören.
MUSIK
Walter Lindner
(Moderation):
Von der Märchenwelt des Peter Illitsch Tschaikowsky machen wir jetzt einen
Sprung mit einem Trailer in die Gegenwart.
Diskussion gehört gelesen - Radio mit Untertiteln wird gemeinsam von Freak
Radio, dem ORF Radio 1476 und der Selbstbestimmt Leben Initiative Wien im Rahmen
des Equal-Projektes QSI - Qualitätssicherung in der Integrationsarbeit -
gestaltet. Als barrierefreies Medium zu hören unter <http://1476.orf.at> und zu
lesen unter www.qsi.at/diskussion <http://www.qsi.at/diskussion>. Zur
Wiederholung <http://1476.orf.at> und unter www.qsi.at/diskussion <http://www.qsi.at/diskussion>.
Walter Lindner
(Moderation): Wir
fahren nun fort mit unserer Diskussion und Frau Markovic
wollte noch einiges zu Integration sagen, bzw. zu gemeinsamen Schulprojekten?
Gaby Markovic: Ja, mir ist nur wichtig zu unterscheiden zwischen
Kooperation und
Integration. Ich habe wie gesagt beides mitgemacht, mit meinen beiden Kindern,
für mich ist
Kooperation wohl ein kleiner Schritt, aber noch lange nicht Integration. Wenn 2
Klassen mit
einander kooperieren ist das so quasi ein abtasten, aber noch kein wirkliches
miteinander.
Integration ist für mich, wenn ein behindertes Kind den ganzen Tag oder den
ganzen
Vormittag mit in der Klasse ist, einfach mit macht in der Klasse, das ist für
mich soziale
Integration.
Walter Lindner
(Moderation): Kann
aber die Kooperation die Integration nicht fördern?
Gaby Markovic: Könnte sein, muss aber nicht sein. Ich denk mir einfach,
dass die Wege zu
weit auseinander sind. Es muss ein Lehrerteam miteinander können, bei
Kooperation ist es
meistens nicht möglich, sich abzusprechen, genau vorher festzulegen, was jetzt
passiert in
der Zeit. Meistens ist auch Kooperation so, dass es nur stundenweise ist,
vielleicht ein Mal
in der Woche und das ersetzt einfach nicht die Integration.
Susanne Alteneder: Darf ich vielleicht dazu noch etwas ergänzen,
Untersuchungen haben
gezeigt, über die Schulversuchsphase hinausgehend, dass der kooperative Weg der
schlechteste von Integrationsmöglichkeiten ist. Dass da am wenigsten Integration
passiert.
Walter Lindner
(Moderation): Herr
Professor Schönwiese, wie sehen Sie die Situation? Ist
Kooperation nur ein ganz schlechter Weg eventuell Integration aufzubauen oder
ist es einmal ein Ansatz?
Volker Schönwiese:
Also die Studie von Specht von 93, die zitiert worden ist, hat
schon gezeigt, dass Kooperation von den Lehrern selbst als die schlechteste
Möglichkeit
interpretiert worden ist. In der Praxis kenn ich Beispiele, wenn Kooperation
eingeführt
worden ist, dass sie sehr schnell in die eine oder andere Richtung gekippt ist.
Entweder die
beiden Klassen haben tatsächlich Integrationsklassen gemacht, sie haben sich
informell zu
einer Integrationsklasse zusammengeschlossen und haben dann die beiden Räume
auch für
unterschiedliche Zwecke benutzt, man kann ja auch Gruppen die sehr gemischt sind
in
anderen Räumen einmal arbeiten lassen, es kann auch eine schöne Ressource sein,
2
Räume zu haben. Also die eigentlich das integrativ genutzt haben und andere, die
eigentlich
streng getrennt haben und eigentlich nicht von Sonderschulklassen zu
unterscheiden waren.
Wenn man´s sich auch international anschaut, Kooperationsklassen sind immer
politisch
eingeführt worden und immer mit politischen Regulationen entsprechend
ausgestattet
worden, damit sie überhaupt funktionieren. Also Kooperationsklassen sind kein
Einstieg für
die Entwicklung sondern die lösen einen Kippeffekt aus, außer sie werden von
oben
durchgesetzt.
Walter Lindner
(Moderation): Frau
Professor Alteneder, sehen Sie das auch so?
Susanne Alteneder: Ja, ich sehe das auch so, auch wir hatten eine
Kooperation mit einer
Klasse der Volksschule Wittelsbachstraße und für mich war es so, dass das immer
eine
Besonderheit bedeutete. Es war etwas Besonderes für die sehenden Schüler und
auch für die sehgeschädigten Schüler und es war sicherlich vor vielen, vielen
Jahren ein Versuch.
Aber ich denke, dass alle Besonderheiten nicht sein sollen und nicht zielführend
sind.
Walter Lindner
(Moderator):
Da wir nun langsam aber sicher in die Zielgerade einbiegen, stellt sich
natürlich die Frage, wollen fremdbestimmte Institutionen und nicht
fremdbestimmende Institutionen von einander überhaupt lernen? Und wenn, wie
können Sie das, Herr Volker Schönwiese?
Volker Schönwiese:
Naja, wie ich vorher schon gesagt habe, sie können auf einer konkreten Ebene der
Lehrpersonen voneinander lernen, wenn es um Didaktik geht. In manchen
Sonderschulen wird ja schon sehr viel Reformpädagogik betrieben, in deren
Sonderschulklassen geht's eigentlich nur von gleichen weniger langsam und es ist
auch keine Didaktik, von der man was lernen kann. Aber sicher, da und dort gibt
es sehr nützliche Versuche, wo man voneinander lernen kann. Ansonsten glaube ich
eigentlich nicht, dass
man voneinander lernen kann, sondern dass man eher kooperieren müsste und diese
Verdoppelung des Systems bei uns aufzuheben, das ich überhaupt nicht kapier,
warum unser schönes Integrationsgesetz im Grund um auch ein
Sonderschulsicherungsgesetz geworden ist und dass jetzt im Vergleich zu 1994, wo
11.000 Schüler in Sonderschulen waren, jetzt 13.000 Schüler in Sonderschulen
sind. Warum 2000 mehr?
Also da braucht' s einfach was anderes. Im Grund genommen gibt's viele
Beispiele, wo
Sonderschuldirektoren selbst daran gearbeitet haben, diesen Übergang Richtung
Integration zu schaffen. Ich weiß in der Südsteiermark sehr konkret so ein
Beispiel, ich weiß in Tirol so ein Beispiel, wo auch dann die
Sonderschuldirektoren selbst sich als entsprechende kompetente Personen für die
Integrationsbegleitung erwiesen haben. Sofern sie nicht irgendwelche
Standesinteressen vertreten und Sicherungspolitik im Rahmen der Sonderschulen
machen.
-
Also es gibt schon Möglichkeiten der Kooperation, aber es braucht auch
eine politische Vorgabe, in welche Richtung das geht und die politische Vorgabe
wird sehr stark von den Elterninitiativen auch, wollt ich sagen, fast getrieben
werden müssen, weiterhin, wobei die Bedingungen jetzt im Allgemeinen schlecht
sind. Wobei ich insgesamt – sie sind deswegen schlecht, weil die
Schulentwicklung insgesamt in eine schwierige Richtung läuft. Wie sie ja wissen,
gibt es eine größere Anzahl von problematischen Entwicklungen, größere
Schülerzahlen werden
angestrebt, sehr stark über die Autonomie im Grunde genommen einen
Selektionsprozess in die Schule hineinzubringen, auch teilweise die
Mängelverwaltung wird in die Schule selbst verlegt, externe Evaluation wird
gemacht, die sehr stark auf standardisiertes Wissen festgelegt ist. Im Grunde
genommen wird rundum soziales Lernen immer mehr nachgereiht. Es gibt
internationale Tendenzen, die Schul- und Bildungssysteme zu privatisieren, und
diese ganzen Dinge laufen auch. Auf der anderen Seite gibt es aber auch eine
große
internationale Tendenz in Richtung Integration. Sie wissen ja die
Salamanca-Erklärung von der UNESCO von allen Ländern der Welt abgesegnet. Nur
der deutschsprachige Raum war ziemlich dagegen. Da gibt's auch eine
Gegenentwicklung. Es ist ein sehr zwiespältiger Entwicklungsprozess, der
nebeneinander,
teilweise auch gegeneinander läuft und ich denke die Personen, die stark auch an
der
Persönlichkeitsentwicklung der Kinder orientiert sind, und die auch begreifen,
dass es dazu ein bestimmtes Setting braucht, die können nur für Integration sein
und auch daran arbeiten und da arbeiten ja auch viele Sonderschullehrer dazu.
Die Wissenschaft weiß das schon lange, dass es so ist. Wer es hören will, dem
könnte ich es einmal extra erzählen, wie die Wissenschaft das einfach schon
lange entsprechend formuliert
hat, aber in der Praxis schaut vieles noch anders aus und vor allem in der
politischen Praxis schaut vieles noch anders aus.
Walter Lindner
(Moderator):
Frau Gebhardt, wie kann denn ein gemeinsames System entwickelt werden?
Irene Gebhardt:
Ja, wir bräuchten eigentlich den Schritt zur inklusiven Bildung. Das ist eine
politische Entscheidung, wie es vorher schon erwähnt worden ist. Inklusive
Bildung heißt, die Schüler gehen dort zur Schule, wo sie zuhause sind, wo sie
ihre Begabungen, ihre Neigungen haben und bekommen die Unterstützung, die sie
brauchen.
Damit wäre allen Schüler gedient, weil dann für alle Schüler bessere
Rahmenbedingungen gewährleistet sein müssten und die Schüler ganz
selbstverständlich voneinander lernen könnten. Und so insgesamt profitieren
könnten.
Gaby Markovic:
Darf ich kurz noch etwas sagen und zwar zu ‑voneinander lernen". Ich habe so
miterlebt, dass sehr viele Lehrer aus dem Regelschulwesen sehr wohl von
Sonderschullehrern zum Beispiel im Team zu unterrichten lernen könnten, nachdem
zum Beispiel jetzt bei meinen Kindern jetzt es immer so war, dass in einer
S-Klasse meistens zwei Personen in der Klasse sind, haben es die
Sonderschullehrer tagtäglich vor sich im Team zu arbeiten, sich mit einer
Kollegin abzusprechen. Das fehlt meistens den Regelschullehrern,
das würde eigentlich sehr wohl was einbringen, wenn Sonderschullehrer in der
Regelschule mit einem Kollegen zusammenarbeiten könnten. Ich denk mir, das fehlt
bei vielen Schulen. Und, ja, und das Zweite ist an und für sich, denk ich mir,
weil oft bei den Sonderschulen gesagt wird, sie werden besser gefördert, also
ich hab das jetzt so miterlebt und selbst von einer Lehrerin gehört, dass es
sehr wohl nicht mehr so ist, dass in Sonderschulen so viele Gelder vorhanden
sind, dass einfach Therapeuten etc. zur Verfügung gestellt werden können, also
auch in der Sonderschule wird gespart und das heißt, dass für viele Kinder
die notwendigen Förderungen nicht mehr vorhanden sind.
Moderator Walter
Lindner:
Frau Prof. Alteneder, wie kann ein gemeinsames System entwickelt werden?
Susanne Alteneder:
Ich möchte jetzt anschließen an meine Vorredner, denn für mich sind wichtige
Worte gefallen. Die wichtigen Worte waren für mich Persönlichkeitsentwicklung,
die etwas ganz Wesentliches ist und die Frau
Markovic hat angesprochen, das Teamteaching der Lehrer und das voneinander
lernen der
Sonderschullehrer und der Regelschullehrer vice versa natürlich. Mir liegt am
Herzen: eine gute Lehrerausbildung. Offene Lehrer, motivierte Lehrer, Lehrer,
die experimentieren, die selbst etwas machen. Die sich Gedanken machen, und die
einfach Mut mitbringen.
Moderator Walter
Lindner:
Der Zeiger der Uhr rückt immer näher auf 21 Uhr und daher möchte ich unsere
Diskussionsteilnehmerinnen und -teilnehmer bitten, das Schluss-Statement zum
heutigen Abend abzugeben. Starten wir vielleicht in Innsbruck, Herr Prof.
Schönwiese?
Volker Schönwiese:
Ja, vielleicht einen sehr allgemeinen Aspekt, der so unumkehrbar für die
Integration spricht: Es gibt in Krisenzeiten immer die Tendenz, sich
Personengruppen zu suchen, die man zum Sündenbock macht. Und das merkt man immer
wieder, das hat man auch historisch gesehen. Und das Sündenbockphänomen ist eine
der schwierigsten Schichten und Spalten zwischen Ausländern und Innländern. Und,
wie auch immer,
oder Behinderte zu lebensunwertem Leben zu erklären oder was auch immer. Und
der einzige Schutz dagegen ist eine sehr mühselige und langwierige und
ausdauernde Arbeit im sich begegnen und im Dialog zu sehen, und das kann
eigentlich nur Integration bedeuten. Wenn wir separierende Systeme aufrecht
erhalten, dann ist die Gefahr, dass hier auch Spaltungen vollzogen werden, die
dann auch von Demagogen
benutzt werden.
Moderator Walter
Lindner:
Frau Markovic, was sind Ihre Wünsche als Mutter von behinderten Kindern?
Gaby Markovic:
Ich würde mir wünschen, dass die Gesellschaft einfach offener wird, ich möchte
nicht sagen, dass sie nicht offen ist, es hat sich sehr viel verändert in den
letzten Jahren und ich würde mir unter Anderem auch wünschen, dass Eltern
einfach unterstützt werden, dass Eltern sich zusammentun, dass Elternabende
einfach angenommen werden, einfach Eltern hinkommen, sich miteinander vernetzen,
denn nur gemeinsam sind wir
stark und ich denk mir, dahin wird dann die Integration auch auslaufen.
Moderator Walter
Lindner:
Helfen in diesem Zusammenhang auch Selbsthilfegruppen? Soweit ich weiß, haben
sie ja eine gegründet?
Gaby Markovic:
Es war eine gewisse Zeit bei mir eine Selbsthilfegruppe, die sich für die
schulische Integration eingesetzt hat, hat sich mittlerweile im Sand verlaufen.
Allerdings gibt es sehr viele Projekte, hin zur Elternarbeit, wo sich Eltern
einfach treffen können. Es gibt auch in den gewissen Ambulatorien Elternrunden,
wo die Gruppen leider immer sehr klein sind. Aber ich denke, das ist einfach das
wichtigste für Eltern, sich zusammenzusetzen, sich auszutauschen, und gemeinsam
einfach Probleme anzugehen. Wenn es nur 2 sind die irgendwo einmal gemeinsam
vorsprechen, es tut gut, ohne, dass man irgendwo immer alleine rumstrudelt.
Moderator
Walter Lindner:
Frau
Professor Alteneder, Ihr Schlussstatement zum heutigen Abend?
Susanne
Alteneder:
Auch ich
darf mir etwas wünschen. Ich wünsche mir, dass die schulische Wegbegleitung,
eine individuelle Entscheidung bleibt. Dass wir gemeinsam – Sondereinrichtung
und Integration miteinander witerarbeiten. Ich denke , wir haben alle nur
eingemeinsames Ziel: das selbstbesstimmte Leben für jeden Menschen mit einem
besonderen Bedürfnis.
Moderator
Walter Lindner: Das
Schlusswort hat Frau Gebhart.
Irene
Gebhardt:
Ich würd´mir
wünschen, dass es für Kinder nicht mehr notwendig ist, dass si3e besondert
werden, dass sie ausgesondert werden. Ich würd´mir wünschen, dass alle Kinder
miteinander lernen können, und voneinander profitieren können.
Moderator
Walter Lindner:
Im
Hintergrund ist es schon zu hören: langsam aber sicher neigt sich die Stunde der
Diskussion dem Ende entgegen. Ich möchte recht herzlich danken, den Damen und
Herren, die an der Diskussion teilgenommen haben, natürlich auch den Techniker,
die uns so hervorragend betreut haben. Ich danke auch den Transkriptoren, die
diese Diskussion in lesbare Form gebracht haben.
Ich möchte
noch darauf hinweisen, dass Sie Freak Radio wieDer am Sonntag und Dientag
zwischen 20 und 21.00 h wieder auf MW1476 hören können.
Herzlichen
Dank fürs Zuhören sagt Ihnen Walter Lindner. -Auf Wiederhören.
Sie
hörten eine Sendung aus der Reihe Diskussion gehört gelesen. Diskussion gehört
gelesen ist eine Zusammenarbeit von Freak Radio, ORF Radio 1476 und der Equal
Entwicklungspartnerschaft QSI Quality supported skills for integration. QSI wird
gefördert aus den Mitteln des Europäischen Sozialfonds und des
Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit.
Danke auch
fürs Mitlesen hier im Internet. Das Redaktionsteam.
Auf Wiederhören!zur Halbzeit zurück
copyright DGG-2004
Sie hörten eine Sendung der Diskussion gehört gelesen. Diskussion gehört gelesen
ist
eine Kooperation von Freak Radio, dem ORF und Entwicklungspartnerschaft QSI.
QSI wird gefördert aus dem Mittel des ESF und des BMWA.
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Chat
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herzlichen Dank unseren technischen Assistenten
zur Halbzeit zurück
Das Team